Ich ist ein an­de­rer

Vier Künst­ler in der Bu­ef­fel­fish Con­tem­pora­ry Fi­ne Arts Gal­le­ry

Dresdner Neueste Nachrichten - - BÜHNE DRESDEN - VON HEINZ WEIßFLOG

Un­ter dem Ti­tel „Is my world yours too?“stel­len vier jun­ge Künst­ler in den Räu­men der Bu­ef­fel­fish Con­tem­pora­ry Fi­ne Arts Gal­le­ry im Hel­fen­ber­ger Grund aus. Mit ih­ren Bil­dern wer­fen sie Fra­gen auf, die ih­ren un­mit­tel­ba­ren Wir­kungs­raum (die Ma­le­rei), aber auch ei­ge­ne, dar­in ver­ar­bei­te­te Er­in­ne­run­gen und Er­leb­nis­se zum Ge­gen­stand ha­ben. Über ih­re Ma­le­rei kom­mu­ni­zie­ren sie mit der sie um­ge­ben­den Welt di­rekt und in­di­rekt, aber auch mit sich selbst und den an­de­ren. Da­bei stellt sich oft das Pro­blem der ei­ge­nen Iden­ti­tät, die sich im und über das Kunst­werk ma­ni­fes­tiert und im Mal­pro­zess zwi­schen Wol­len, Kön­nen, Er­fah­rung und Zu­fall rea­li­siert wird.

In sei­ner Re­de ging Det­lef Pe­ters di­rekt auf das Ver­hält­nis zum Be­trach­ter ein und be­rühr­te da­mit die oft emp­find­li­che Schnitt­stel­le der un­mit­tel­ba­ren und spon­ta­nen Re­zep­ti­on von Kunst. Kann sich der Be­trach­ter mit den Kunst­wer­ken iden­ti­fi­zie­ren? Gibt es Be­rüh­rungs­punk­te mit der Welt der Künst­ler? „Is my world yours too?“ist die zen­tra­le Fra­ge die­ser Aus­stel­lung, die sich je­der selbst be­ant­wor­ten muss. Bil­der sind vor al­lem auch Brücken zwi­schen den Men­schen, die oft ähn­lich, aber auch völ­lig ge­gen­sätz­lich auf Kunst­wer­ke re­agie­ren. Bei den vier Künst­lern han­delt es sich um zwei „Gäs­te“und zwei be­reits von der Ga­le­rie Ver­tre­te­ne, die ih­ren Wir­kungs­kreis vor al­lem in Dres­den ha­ben.

Prä­gen­de Kind­heits­er­in­ne­run­gen im Zen­trum der Wer­ke

Beim ers­ten Blick in die Aus­stel­lung schlägt ei­nem ei­ne Farb­wucht ent­ge­gen, die zur Dif­fe­ren­zie­rung zwingt und bei der man sich auf die Un­ter­schie­de in den Hand­schrif­ten kon­zen­trie­ren muss. Im Erd­ge­schoss der Ga­le­rie zei­gen Se­bas­ti­an Lu­kaß, An­ne-cath­rin Bren­ner und The­re­sa Wen­zel ih­re vor al­lem in Öl ge­mal­ten Bil­der. Da­bei bil­den die Ta­fel­bil­der von An­ne-cath­rin Bren­ner (als Gast) das vi­su­el­le Zen­trum mit fi­gür­li­chen Ar­bei­ten wie „Ich ist ein an­de­rer I und II“(2017), ei­ne An­spie­lung auf die Su­che nach ei­ge­ner Iden­ti­tät und Selbst­er­kennt­nis, die erst durch das Ge­gen­über (den an­de­ren) greif­bar wird. Bren­ner schöpft aus der Wirk­lich­keit, dem All­tag und der ei­ge­nen Kind­heit zwi­schen Zahn­arzt­be­such und Vi­si­on („Ma­don­na mit Kind“, 2017), aber auch mit gro­tes­ken Al­le­go­ri­en („Der Brü­ter“, 2015). Mit dem Öl­bild „Wan­de­rin“(2016) geht sie ein be­son­de­res Ex­pe­ri­ment von Form und Far­be, Flä­che und Li­ne­a­tur ein, das auch im ma­te­ri­el­len Zu­stand des Bil­des das Ephe­me­re an­spricht. Bren­ner ist in Kö­nigs­feld (Kreis Ahr­wei­ler) auf­ge­wach­sen und ver­brach­te ih­re Kind­heit auf dem Lan­de. Das war ei­ne sie prä­gen­de Zeit mit der Na­tur, die der Groß­städ­ter so nicht er­lebt. Sie stu­dier­te an der HFBK Dres­den bei Prof. Ralf Ker­bach.

Lei­der ein we­nig ab­seits und „im Dunk­len“hän­gen die licht­be­dürf­ti­gen Bil­der von The­re­sa Wen­zel (als Gast). Alt­meis­ter­lich die La­sur, neu die The­men und ih­re Rea­li­sie­rung. Man­ches Bild scheint fast mo­no­chrom ge­malt, die dunk­len Tö­ne sind ge­gen das Licht ge­setzt. Mein Fa­vo­rit ist das Öl­bild „Der Pro­phet“mit ei­nem Kn­a­ben, der in­mit­ten sei­ner Spiel­sa­chen und ei­nem apo­ka­lyp­ti­schen Holz­pferd ah­nungs­voll den Fin­ger in die Luft hebt. Hier wird schein­bar kind­lich na­iv ein tran­szen­den­ter Mo­ment her­aus­ge­fil­tert, der in ei­ne pa­ra­do­xe Er­schei­nung mün­det. Im­mer wie­der wer­den Kind­heits­er­in­ne­run­gen her­auf­be­schwo­ren wie in „Lam­pion­bild“(2017), „Jun­ge mit Schwimm­ring“(2012-16) und „Ang­ler­jun­gen“(2014). Die Bild­haue­rin, Ma­le­rin und Gra­fi­ke­rin leg­te 2007 das Di­plom an der HFBK Dres­den bei Prof. Mo­ni­ka Brand­mei­er ab und lebt seit 2012 in Dres­den.

Ge­gen­stän­de, Flä­chen, Land­schaf­ten und For­men

Der Ma­ler Se­bas­ti­an Lu­kaß ar­bei­tet mit na­tür­li­chen und künst­li­chen For­men. Sei­ne abs­trak­ten „Ge­bil­de“sind For­men­sub­stra­te, die frag­men­ta­risch zu­sam­men­ge­setzt sind. Die Per­spek­ti­ve ist auf­ge­bro­chen. Bei „Touch“(2017) ragt ei­ne schwar­ze Hand vor ei­nem Fi­gu­ren­sche­men ins Bild. Man­ches of­fen­bart Ten­ta­kel, ge­punk­te­te For­ma­tio­nen über­zie­hen das Bild, ech­o­haft ent­ste­hen Flä­chen wie schräg ste­hen­de Wän­de („Pa­cem“, 2017). Der an ei­nen Tor­so er­in­nern­de sich bie­gen­de Kor­pus bläht sich auf wie ei­ne stol­ze Brust („Selbst­be­stim­mung“, 2017). Die bei­den mo­no­chro­men Öl­bil­der „Der Pö­bel“(I und II, 2017) zei­gen ei­ne uni­for­me Mas­se aus ei­nem fi­gu­ren­um­schrei­ben­den Li­ni­en­ge­schling. Gro­tesk die Sa­ti­re von zwei Be­chern in ei­ner Wein­la­che („Sauf dich ru­hig zu“, 2017). Im­mer bil­den Ge­gen­stän­de und ih­re Me­ta­for­men den Mit­tel­punkt von Lu­kaß’ al­le­go­ri­schen Bil­dern, zu de­nen auch un­be­dingt die Ti­tel ge­hö­ren. Er ar­bei­tet als Gra­fi­ker, Fas­sa­den­ma­ler und Büh­nen­bau­er in Dres­den und be­grün­de­te 2009 die Künst­ler­grup­pe „Kessler Schwarz“mit.

Dem Ge­gen­ständ­li­chen nä­her als Se­bas­ti­an Lu­kaß ist der Ma­ler Thors­ten Flei­scher (Räu­me der 1. Eta­ge). Hier und da herr­schen im Ta­fel­bild ei­ne ge­bau­te Form, Ar­chi­tek­tur und zu Land­schaf­ten ver­schach­tel­te Flä­chen, in der Gra­fik (den fi­gür­li­chen Tu­sche­zeich­nun­gen) ein fan­tas­ti­scher Rea­lis­mus bzw. Sur­rea­lis­mus. In „Land­scape“(2017) grup­pie­ren sich Flä­chen um den Bild­mit­tel­punkt, ver­span­nen sich zu berg­för­mi­gen Ge­bil­den und sanf­ten Hü­geln, die wie am Him­mel schwe­ben. Oben und un­ten glei­chen sich, Ho­ri­zon­te sind über­baut. All over. In der Se­rie „Ga­te­way“(A - I, 2017 zu Deutsch: Über­gang) herrscht ei­ne sich von Blatt zu Blatt ver­än­dern­de ku­bi­sche Grundform, die sich nach links hin zan­gen­för­mig öff­net und schließt und sich von Blatt zu Blatt stän­dig ver­än­dert. 1991-92 ab­sol­vier­te Thors­ten Flei­scher die Abend­schu­le HFBK Dres­den, 1992-97 die Schu­le des Se­hens und Gestal­tens bei Prof. Ger­hard Sten­gel, 1995-98 Abend­akt­kur­se bei Pe­tra Kas­ten und San­dor Do­ro. 1998-2004 stu­dier­te er bei Prof. Sieg­fried Klotz und war da­nach bis 2008 Meis­ter­schü­ler von Ralf Ker­bach. bis 28. Sep­tem­ber. Bu­ef­fel­fish Con­tem­pora­ry Fi­ne Arts Gal­le­ry, Hel­fen­ber­ger Grund 8a; ge­öff­net: Mi-fr 14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr

➦ .www.bu­ef­fel­fish-gal­le­ry.de

Col­la­ge: Ga­le­rie

Im Uhr­zei­ger­sinn von links oben: Thors­ten Flei­scher, „Land­scape“, Acryl auf Lein­wand, 2017; Se­bas­ti­an Lu­kaß, „Selbst­be­stim­mung“, Öl und Lack auf Lein­wand, 2017; An­ne-cath­rin Bren­ner, „Ich ist ein an­de­rer I“, Öl auf Lein­wand, 2017; The­re­sa Wen­zel, „Der Pro­phet“, Öl auf Lein­wand, 2011

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.