Wenn Ele­men­te sich be­rüh­ren

Der Jazz­trom­pe­ter Nils Wül­ker kommt mit neu­er CD in die Ton­ne

Dresdner Neueste Nachrichten - - BÜHNE DRESDEN - VON ANDRE­AS KÖR­NER

Deutsch­land, dei­ne Trom­pe­ter! Von ei­ner ei­ge­nen Tra­di­ti­ons­li­nie im (jün­ge­ren) ein­hei­mi­schen Jazz mag man nicht spre­chen. Trotz­dem muss es ei­gent­lich nicht sein, dass man So­lo­künst­ler mit Horn im­mer wie­der auf Mi­les Da­vis oder Chet Ba­ker an­spricht. Und trotz­dem wird es ge­tan. Nils Wül­ker aus Ham­burg re­agiert da ge­las­sen und cle­ver. Sagt ein­fach mal, ja, Mi­les sei ein gro­ßer Ein­fluss ge­we­sen. Und ja, Mi­les sei ein „Acht­tau­sen­der des Jazz“. War­um das mit den Ber­gen? Weil Wül­ker nicht nur Trom­pe­te spielt, son­dern im Hob­by auch Berg­stei­ger ist. Aber er pas­se im­mer schön auf sei­ne Fin­ger auf, sagt er. Muss er auch!

„On“(War­ner) heißt die neue CD des 40-Jäh­ri­gen. Er­schie­nen im Ju­ni, klet­ter­te sie schnell in ver­gleichs­wei­se vor­de­re Ge­fil­de der Charts. Als Jazz­plat­te in den Pop-charts, wohl­ge­merkt. Was ei­ner­seits dar­an lie­gen könn­te, dass auf zwei Stü­cken mit dem Aus­tria-ame­ri­ka­ner Rob Sum­mer­field ein ve­ri­ta­bler Pop­sän­ger und auf ei­nem mit Mar­te­ria ein Rap­per zu hö­ren ist. Doch auch un­ab­hän­gig die­ser drei von ins­ge­samt zwölf Ti­teln be­greift sich Wül­ker noch in­ten­si­ver als auf den Plat­ten zu­vor als Jaz­zer im Po­pu­lär-for­mat. Man sag­te gar schon, er sei ei­gent­lich ein Sin­ger/song­wri­ter – oh­ne selbst zu sin­gen.

„On“klingt hip. Klingt nach Jazz, der auf der Hö­he der Zeit ist und trotz­dem weiß, wo er her­kommt. Nils Wül­ker bricht nicht mut­wil­lig Bahn, er­fin­det nichts Neu­es, son­dern fin­det sich selbst in der Me­lan­ge. Im kla­ren und ver­frem­de­ten Ton von Trom­pe­te und Flü­gel­horn, in selbst ge­spiel­ten Ad­di­tio­nen von Pia­no, Fen­der Rho­des und Syn­the­si­zers, mit der Stu­dio­band, die nur zum Teil auch die Live-band ist. Nach Dres­den kommt Nils Wül­ker mit Ar­ne Jan­sen, Gi­tar­re, Lars Dupp­ler, Key­boards, Achim Sei­fert, Bass, Alex Klauk, Drums und auch Rob Sum­mer­field am Ge­s­angs­mi­kro ist da­bei.

„On“zeigt al­so den auf­rech­ten De­al mit dem Pop, mit za­cki­gen Funk, Hi­p­hop-avan­cen, ser­viert un­be­dingt Tanz­ba­res und an­de­res, das ein­fach nur Sy­nap­sen und Mus­keln reizt. Sinn­lich ist es in je­dem Fall. Vie­les ist nur an­ge­deu­tet, nichts wird aus­ge­tre­ten. Das liegt auch an cle­ve­ren Bei­hil­fen von Pro­du­zen­ten wie Ralf Chris­ti­an May­er oder The Krauts, die man in Ver­bin­dung bringt mit Na­men wie den Fan­tas­ti­schen Vier, Clue­so, Mark Fors­ter – und Pe­ter Fox. Des­sen „Stadt­af­fe“ hat­ten The Krauts pro­du­ziert.

Nils Wül­ker wur­de 1977 in Bonn ge­bo­ren, er­hielt frü­hen Kla­vier­un­ter­richt, mit zehn dann sol­chen auf der Trom­pe­te. Mit 16 drang der Jazz erst in sein Ohr, dann in ihn hin­ein. Er wird vom Ju­gend­jaz­zor­ches­ter NRW be­ru­fen, spielt in Pe­ter Her­bolz­hei­mers Bu­jaz­zo und der RIAS Bi­gband. 2002 kommt die ers­te CD un­ter sei­nem Na­men her­aus, fünf wei­te­re fol­gen auf dem ei­ge­nen La­bel. Wül­ker ar­bei­tet un­ter an­de­rem mit Oma­ra Por­tuon­do, Do­mi­nic Mil­ler, Lee Ri­tenour. 2013 be­kommt er den „Echo“, live kon­zer­tiert er mit Gre­go­ry Por­ter und Klaus Dol­din­ger.

Das sieht nicht nur al­les ziem­lich ge­rad­li­nig aus, das ist es wohl auch. Und wer bis­lang ne­ben Til Brön­ner noch im­mer nicht Joo Kraus und auch nicht Nils Wül­ker ge­sagt hat, soll­te es tun. Spe­zi­ell für Ton­ne-stamm­gäs­te dürf­te in­ter­es­sant wer­den, was Wül­ker im Ka­non bei­spiels­wei­se mit dem Fran­zo­sen Erik Truf­faz oder dem Nor­we­ger Nils Pet­ter Mol­va­er auf­zu­bie­ten hat. Bei de­nen be­rüh­ren sich die Ele­men­te ja auch aufs Zärt­lichs­te wie Hef­tigs­te. Nils Wül­ker & Band, Sonn­abend, 20 Uhr, Jazz­club Ton­ne

Fo­to: David Ko­enigs­mann

Nils Wül­ker

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