„Ich ha­be ein Bett im Gar­ten“

Schau­spie­le­rin Ma­rie Bäu­mer über ih­ren Film „Fe­ri­en vom Le­ben“, ihr Dorf in Frank­reich und war­um sie sich manch­mal als Flo­ris­tin aus­gibt

Dresdner Neueste Nachrichten - - MEDIEN -

Frau Bäu­mer, in dem Road­mo­vie „Fe­ri­en vom Le­ben“, das im ZDF am Mon­tag ge­zeigt wird, geht es um ei­ne ka­put­te Fa­mi­lie, die erst in der Not wie­der zu­sam­men­fin­det. Sind Sie ein fa­mi­liä­rer Mensch?

Ja, ab­so­lut. Mei­ne Fa­mi­lie und ich fei­ern je­des Jahr ein gro­ßes Fa­mi­li­en­fest. Wir kön­nen nicht stän­dig al­le zu­sam­men­g­lu­cken, weil das in mei­nem Be­ruf nicht geht. Aber ge­ra­de des­halb sind wir im­mer froh, wenn wir uns tref­fen.

Die Tra­gi­ko­mö­die mu­tet dem Zu­schau­er ei­ni­ges zu, was man auf die­sem Sen­de­platz nicht ge­wohnt ist: Es geht um ei­ne ster­bens­kran­ke Mut­ter und den tra­gi­schen Tod ei­nes Kin­des …

Mir ist es grund­sätz­lich wich­tig, dass es in ei­nem Film um et­was geht. Wenn ich das Ge­fühl ha­be, dass es nicht um ernst­haf­te Kon­flik­te geht, oder um Men­schen, die in nach­voll­zieh­ba­ren Si­tua­tio­nen in Be­dräng­nis ge­ra­ten, dann kon­zen­trie­re ich mich lie­ber auf an­de­re Din­ge.

Sie ha­ben 2001 ei­ne Haupt­rol­le in Bul­ly Her­bigs Ko­mö­die „Der Schuh des Ma­ni­tu“ ge­spielt, ei­nem der er­folg­reichs­ten Fil­me der deut­schen Ki­no­ge­schich­te. Was hat das für Ih­re Kar­rie­re be­deu­tet?

Das hat für Bul­ly Her­big da­mals mehr be­deu­tet als für mich, denn ich hat­te ja schon „Män­ner­pen­si­on“ge­dreht. Es war für mich des­halb kein ein­schnei­den­der Mo­ment, aber die Rol­le hat mir wahn­sin­nig Spaß ge­macht. Ich lie­be die­sen Film, es war ein herr­li­cher Aus­flug in die Come­dy­welt. Und der Er­folg war na­tür­lich groß­ar­tig. Ich weiß noch, wie ich da­mals ir­gend­wann Ski­lau­fen war und mei­nem Sohn die Ski­schu­he zu­ge­macht ha­be. Als ich wie­der hoch­kam sag­te er zu mir: „Du, Ma­ma, du musst dich jetzt mal um die gan­zen Leu­te küm­mern.“Ich dreh­te mich um und da stand ei­ne kom­plet­te Schul­klas­se, es ging erst mal gar nichts mehr.

Sie le­ben seit Län­ge­rem in Frank­reich. Sind Sie auch dort­hin ge­zo­gen, um dem Ruhm in Deutsch­land zu ent­kom­men?

Nein, das war nicht der Haupt­grund, wie­so ich weg­ge­gan­gen bin. Es kann schon mal an­ge­nehm sein, ganz in­ko­gni­to zu sein, aber in mei­nem Dorf ken­nen mich ja al­le und wis­sen, dass ich Schau­spie­le­rin bin. Aber wenn ich mal auf ei­nem Fest ein­ge­la­den bin und kei­ne Lust ha­be, über mei­nen Be­ruf zu spre­chen, dann sa­ge ich, ich sei Flo­ris­tin – dann spre­chen wir über Blu­men, das ist auch schön. Ein­mal ist der Schwin­del aber bei­na­he auf­ge­flo­gen, weil mein Ge­sprächs­part­ner sich auf die­sem Ge­biet sehr gut aus­kann­te. Ich ha­be be­haup­tet, ich hät­te mich auf Ro­sen spe­zia­li­siert, und als er dann an­ge­fan­gen hat, mir Fra­gen zu stel­len, ha­be ich mir schnell ein Cham­pa­gner­glas ge­an­gelt und bin ihm aus­ge­wi­chen.

Wie sieht Ihr All­tag in der Pro­vence aus? Le­ben Sie ein Bil­der­buch­le­ben und kau­fen täg­lich ein fri­sches Ba­guette?

Ich früh­stü­cke Müs­li oder Por­ridge – Ba­guette es­se ich nur, wenn Freun­de kom­men. Ab­ge­se­hen da­von hat mein Le­ben et­was von ei­nem Pip­pi-langs­trumpf-da­sein. Ich ha­be zum Bei­spiel ein Bett im Gar­ten und schla­fe den gan­zen Som­mer lang drau­ßen. Au­ßer­dem hat das Dorf­le­ben ei­nen ei­ge­nen Rhyth­mus, die Men­schen hier ma­chen al­le zwei St­un­den lang Mit­tags­pau­se, trin­ken ihr Gläs­chen Wein und ru­hen sich aus. Das hat et­was sehr Ge­sun­des.

Dem­nach könn­ten Sie sich nicht vor­stel­len, ir­gend­wann wie­der nach Deutsch­land zu zie­hen?

Das könn­te ich mir im Mo­ment nicht vor- stel­len. Ich bin sehr ger­ne in Deutsch­land, weil ich da mei­ne Freun­de und Fa­mi­lie se­hen kann. Aber je äl­ter ich wer­de, des­to mehr ver­su­che ich das zu ver­kür­zen. Wer mich be­sucht, ver­steht das auch, weil es hier in der Pro­vence ein­fach so schön ist.

Wirkt es sich ne­ga­tiv auf Rol­len­an­ge­bo­te aus, dass Sie nicht in Deutsch­land le­ben?

Nein. Wich­tig ist, dass man sich aus dem Be­trieb nicht völ­lig raus zieht. Wenn ich zwi­schen­durch mal aus mei­nem Dorf weg bin, kann ich ei­ne Wo­che Ber­li­na­le oder ein an­de­res Fes­ti­val gut ge­nie­ßen.

Sie sind dem­nächst in ei­ner ganz be­son­de­ren Rol­le zu se­hen: Sie spie­len Ro­my Schneider im Film „3 Ta­ge in Qui­be­ron“, der 2018 ins Ki­no kom­men soll …

Ich ha­be in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le An­ge­bo­te be­kom­men, Ro­my Schneider zu spie­len – die ha­be ich ab­ge­lehnt. Nun wur­de ein Film ge­dreht, aber der ist noch nicht fer­tig, des­halb darf ich da­zu lei­der noch nichts sa­gen.

In­ter­view: Co­ne­lia Wystri­chow­ski

Fo­to: ZDF

Ma­rie Bäu­mer in „Fe­ri­en vom Le­ben“(17. Sep­tem­ber, 20.15 Uhr, ZDF).

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