Fak­ten­check im Selbst­test

Ein On­li­ne­quiz stellt Vor­ur­tei­le über Mi­gra­ti­on und Eu­ro­pa in­fra­ge

Dresdner Neueste Nachrichten - - MEDIEN -

BER­LIN. Im ak­tu­el­len Wahl­kampf zur Bun­des­tags­wahl spielt die De­bat­te um Fa­ke News ei­ne be­son­de­re Rol­le. Bei ei­nem On­li­ne­spiel kann man jetzt selbst tes­ten, in­wie­weit man von die­sen ge­fühl­ten Fak­ten be­ein­flusst ist. Da­hin­ter ver­ber­gen sich oft be­wusst plat­zier­te Fal­sch­mel­dun­gen. #What­the­fact heißt der Test als Wort­spiel auf die For­mel #What­thefuck, in et­wa „Was zum Teu­fel“.

Ent­wi­ckelt wur­de der Test vom Münch­ner Jour­na­lis­ten­bü­ro Nan­sen & Pic­card im Auf­trag der Ne­met­schek-stif­tung. Die­se wur­de vor zehn Jah­ren von dem Un­ter­neh­mer und Pro­fes­sor Ge­org Ne­met­schek ge­grün­det, um „die De­mo­kra­tie so­wie die Aus­ein­an­der­set­zung über ge­sell­schaft­li­che Grund­wer­te und de­ren Um­set­zung in Deutsch­land“zu för­dern, wie es in ei­ner Selbst­dar­stel­lung heißt. In sechs The­men­fel­dern wird ge­prüft, von Mi­gra­ti­on über Kri­mi­na­li­tät, Eu­ro­pa, Fort­schritt, Wirt­schaft bis zu Kli­ma. Da soll man zum Bei­spiel schät­zen, wie vie­le Pro­zent der Flücht­lin­ge aus den letz­ten Jah­ren Deutsch­land auf­ge­nom­men hat. Es sind le­dig­lich 1,9 Pro­zent, da wer­den wohl vie­le zu hoch tip­pen.

Eu­ro­pa­skep­ti­ker wer­den be­lehrt, dass die Eu­ro­päi­sche Uni­on we­ni­ger als die Hälf­te der An­ge­stell­ten des Bun­des­lan­des Ber­lin hat. Un­ter­schätzt dürf­ten ei­ni­ge auch den Um­stand ha­ben, dass die Zins­zah­lun­gen aus dem Kre­dit an Grie­chen­land Deutsch­land be­reits 393 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­bracht ha­ben. Wer nach dem Gr­ex­it ruft, darf nicht ver­ges­sen, dass Deutsch­land auch be­reits sie­ben­mal die Eu-richt­li­nie ge­gen ei­ne Neu­ver­schul­dung ge­bro­chen hat.

Das Spiel setzt auf Fak­ten, ver­folgt aber ganz ein­deu­tig ei­ne ei­ge­ne Agen­da. Die In­ten­ti­on der Spiel­be­trei­ber wird schon aus den Fra­ge­for­mu­lie­run­gen (Was bringt uns schon die EU?; War frü­her al­les bes­ser?) of­fen­sicht­lich. Sie wol­len mit Vor­ur­tei­len auf­räu­men, wie sie die rechts­po­pu­lis­ti­sche Par­tei Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AFD) pro­pa­giert. Deut­sche füh­len sich et­wa als „Zahl­meis­ter der EU“. Tat­säch­lich aber über­wei­sen laut What­the­fact Schwe­den, Nie­der­län­der und iro­ni­scher­wei­se auch die Bri­ten mehr pro Kopf nach Brüssel; bei den Deut­schen sind es 176 Eu­ro.

In­ter­es­san­te Er­kennt­nis­se aus dem Spiel sind auch, dass die Zahl der Ver­kehrs­to­ten in Deutsch­land seit 1980 ste­tig sinkt, und ein Klein­kind heu­te ein Fünf­tel we­ni­ger von Ka­ries be­fal­le­ne Zäh­ne hat als Gleich­alt­ri­ge im Jahr 1980. Ei­ne we­ni­ger po­si­ti­ve Ent­wick­lung ist da­ge­gen, dass ein Dax-vor­stand heu­te 57-mal mehr als ein An­ge­stell­ter ver­dient – 1987 war es erst 14-mal so viel. Nina May ➦ www.what­thefuck.in­fo

Fo­to: dpa

„Was bringt uns schon die EU?“, fragt das On­li­ne­spiel „What­the­fact“und be­lehrt Eu­ro­pa­skep­ti­ker.

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