Chef ei­ner Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on setzt auf Ver­söh­nung

Dresdner Neueste Nachrichten - - POLITIK - VON MICHA­EL ZIM­MER­MANN

Er gilt als fle­xi­bel und prag­ma­tisch. Auch des­halb ru­hen die Hoff­nun­gen auf ein En­de des seit zehn Jah­ren an­dau­ern­den pa­läs­ti­nen­si­schen Bru­der­kriegs auch auf Is­mail Ha­ni­ja, dem Chef der Ha­mas. Wie sein Vor­gän­ger ge­hört der eher un­auf­fäl­li­ge 54-Jäh­ri­ge zum ge­mä­ßig­ten Flü­gel der Or­ga­ni­sa­ti­on, der die An­er­ken­nung der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft sucht und die Ha­mas als Ver­hand­lungs­part­ner sa­lon­fä­hig ma­chen will.

Un­ter ih­rem ehe­ma­li­gen Chef Cha­led Me­schaal galt die Ha­mas noch als en­ger Ver­bün­de­ter Ka­tars. Ha­ni­ja hin­ge­gen setzt auf bes­se­re Kon­tak­te mit Ägyp­ten und dis­tan­zier­te sich da­für von Ka­tar und den is­la­mis­ti­schen Mus­lim­brü­dern.

Ägyp­ten ver­mit­tel­te auch die Ge­sprä­che mit der ri­va­li­sie­ren­den Fa­tah, die am Don­ners­tag in Kai­ro mit ei­nem Ab­kom­men zur Ver­söh­nung en­de­ten. Bis zum 1. De­zem­ber soll die Ver­wal­tung im seit 2007 von der ra­di­kal­is­la­mi­schen Ha­mas be­herrsch­ten Ga­za­strei­fen voll­stän­dig un­ter die Kon­trol­le der pa­läs­ti­nen­si­schen Re­gie­rung von Prä­si­dent Mahmud Ab­bas ge­stellt wer­den, der im von Is­ra­el be­setz­ten West­jor­dan­land re­giert.

Wei­te­re De­tails des Ab­kom­mens wur­den zu­nächst nicht be­kannt. Die Fa­tah-re­gie­rung hat nach Me­dien­be­rich­ten zu­ge­stimmt, rund 30 000 Ha­masMit­ar­bei­ter wei­ter in der Ver­wal­tung zu be­schäf­ti­gen. Was mit dem be­waff­ne­ten Arm der Ha­mas, den Kas­sam-bri­ga den, pas­sie­ren soll, ist wei­ter un­klar. Die Ha­mas ist nach der Fa­tah die größ­te Pa­läs­ti­nen­ser­or­ga­ni­sa­ti­on. Sie wird von den USA, der EU und Is­ra­el als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft. Vor zehn Jah­ren hat­te sie die Macht im Ga­za­strei­fen in ei­nem blu­ti­gen Bru­der­krieg mit der ge­mä­ßig­ten Fa­tah an sich ge­ris­sen.

Is­mail Ha­ni­jas hat nun die An­nä­he­rung ein­ge­lei­tet. Sei­ne El­tern flo­hen 1948 nach dem ers­ten Nah­ost­krieg und der Staats­grün­dung Is­ra­els aus ih­rem Dorf alMa­jdal in das Flücht­lings­la­ger Scha­ti bei Ga­za-stadt. Wäh­rend des Stu­di­ums schloss er sich der sun­ni­tisch-fun­da­men­ta­lis­ti­schen Mus­lim­bru­der­schaft an. 1987 be­gann die ers­te In­ti­fa­da. Mehr­fach wur­de er dar­auf­hin von den is­rae­li­schen Be­hör­den in­haf­tiert, 1989 wur­de er zu drei Jah­ren Haft ver­ur­teilt.

Ei­nen pa­läs­ti­nen­si­schen Staat in den Gren­zen von 1967 wür­de Ha­ni­ja ak­zep­tie­ren, das hat er mehr­fach ver­kün­det. Doch auch er rückt nicht voll­stän­dig vom ge­walt­sa­men Kampf ab. Das könn­te auch da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass Be­ob­ach­ter in Ha­ni­ja ei­ne eher schwa­che Füh­rungs­fi­gur se­hen.

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