Mit dem Tra­bant in Un­garn

Dnn-le­serlk­ti­on: An­neml­rie unr Mltt­hils Mli lus Dres­ren er­in­nern sich ln ih­ren ers­ten Trl­blnt 500

Dresdner Neueste Nachrichten - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND -

DRES­DEN. Zum 60. „Ge­burts­tag“des Ddr-au­tos Tra­bant hat­ten wir ges­tern die Dnn-le­ser auf­ge­ru­fen, uns Fo­tos und An­ek­do­ten ein­zu­sen­den, die sich um ih­re „Renn­pap­pe“ran­ken. An­ne­ma­rie und Mat­thi­as Mai aus Dres­den ha­ben die ers­te Ge­schich­te da­zu auf­ge­schrie­ben:

60 Jah­re „Renn­pap­pe“, für uns An­lass zur Er­in­ne­rung an un­se­ren ers­ten ei­ge­nen Pkw: ei­nen Tra­bant 500. Den kauf­ten wir ge­braucht 1973 zu ei­nem Preis von Mark der DDR 5.800,--!

Un­ser Tr­ab­bi 500 – Bau­jahr 1961 – be­saß schon die Ka­ros­se­rie des 600-er. Das Ge­trie­be war das nicht­syn­chro­ni­sier­te des Ur-500-er. Das Fah­ren mit die­sem Wa­gen war für uns kein Pro­blem, denn die Fahr­schu­le wur­de auf ei­nem Kraft­fahr­zeug mit nicht­syn­chro­ni­sier­tem Ge­trie­be ab­sol­viert: beim Hoch­schal­ten zwi­schen­kup­peln, beim Her­un­ter­schal­ten zu­sätz­lich Zwi­schen­gas­ge­ben. Das lag eben so im Blut.

Wir fuh­ren den 500-er bis 1977 und er­leb­ten mit ihm vier sehr schö­ne Ur­laubs­rei­sen. Zwei­mal ging es im Tra­bant 500 nach Un­garn. Im Ju­li 1975 tra­fen wir uns na­he des Ba­la­ton in ei­nem klei­nen Dorf mit un­se­ren Freun­den aus Bre­men. Sie reis­ten im Vw-bul­li-cam­per an – wie be­ein­dru­ckend für uns da­mals!

Das für ei­ne Fahrt auf dem na­he vor­bei flie­ßen­den Sio-ka­nal vor­be­rei­te­te Schlauch­boot un­se­rer Freun­de aus dem „Wes­ten“brach­te uns auf den spa­ßi­gen Ge­dan­ken, un­se­ren 500-er da­mit zu be­la­den. Auf dem Bild sieht man das Ge­fährt bei der Aus­fahrt aus dem Grund­stück der El­tern ei­nes un­ga­ri­schen Kom­mi­li­to­nen, bei de­nen wir zu Gast wa­ren. Bis zum Ka­nal sind wir dann so be­la­den aber doch nicht ge­fah­ren.

700 km in der Renn­pap­pe

Wäh­rend un­se­rer Ur­laubs­tou­ren in Un­garn hat­ten wir üb­ri­gens kei­ne tech­ni­schen Pro­ble­me mit dem Tr­ab­bi. Pan­nen gab es na­tür­lich hin und wie­der. Glück­li­cher­wei­se aber nur zu Hau­se in Dres­den. Heu­te, zu Zei­ten der voll­stän­dig be­fahr­ba­ren Au­to­bahn Dres­den-prag, macht man sich kei­ne Ge­dan­ken mehr über den Weg nach Un­garn da­mals: mehr als 700 Ki­lo­me­ter fast aus­schließ­lich auf Land- stra­ßen. Ob­wohl uns bei der ers­ten Un­garn­rei­se 1974 un­ser sechs­jäh­ri­ger Sohn schon in Zinn­wald frag­te, ob wir denn end­lich in Un­garn und da sei­en, leg­ten wir den Weg im­mer wie­der wohl­be­hal­ten zu­rück und hat­ten wäh­rend un­se­rer Fe­ri­en stets viel Spaß und un­ver­gess­li­che Er­leb­nis­se.

Der Ideo­lo­gie des Ddr-staa­tes und der ein­ge­schränk­ten Rei­se­ziel-aus­wahl zum Trotz: Aben­teu­er wa­ren un­se­re Tou­ren auf al­le Fäl­le – mit dem spä­te­ren Tra­bant 601-Kom­bi samt An­hän­ger oft nach Bul­ga­ri­en und ein­mal so­gar ein Stück durch die da­ma­li­ge UDSSR. Wir lern­ten vie­le Leu­te ken­nen, Kul­tur und Land­schaf­ten. Sämt­li­che Er­leb­nis­se sind für uns un­ver­zicht­bar.

Man­che Rei­se der ver­gan­ge­nen fast 30 Jah­re Le­ben im „Wes­ten“hät­ten wir oh­ne Tra­bant-ur­laubs­er­fah­run­gen viel­leicht gar nicht an­tre­ten mö­gen. Kommt es mal zu ei­nem Pro­blem, ei­ne Grund­er­fah­rung: aus ir­gend­ei­nem Grun­de steht im­mer wie­der an der rich­ti­gen Stel­le je­mand da, wel­cher wei­ter hilft. Und spä­ter beim Er­zäh­len zu Hau­se ist das „Pro­blem“ei­ne tol­le Sto­ry! Das gilt im­mer – auch heu­te. Und vor al­lem Er­in­ne­run­gen an lie­be, neu­ge­won­ne­ne Freun­de, die blei­ben.

An­neml­rie unr Mltt­hils Mli lus Dres­ren

Fo­to: An­jl Schnei­rer

Noch im­mer er­in­nert sich Mat­thi­as Mai – heu­te 69 Jah­re alt – gern an sei­nen ers­ten Tra­bi und die Ur­laubs­rei­sen, die sei­ne Fa­mi­lie da­mit er­fuhr.

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