Ha­ben VW und Por­sche An­le­ger ab­ge­zockt?

Rich­ter er­teilt Klä­gern am ers­ten Pro­zess­tag ei­nen Dämp­fer – und kas­siert prompt ei­nen Be­fan­gen­heits­an­trag

Dresdner Neueste Nachrichten - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS STRÜN­KELN­BERG

HAN­NO­VER. Ha­ben die Por­sche SE und Volks­wa­gen ih­re An­le­ger 2008 im Vw­über­nah­me­kampf ge­täuscht? Das ist die Fra­ge – das Mus­ter­ver­fah­ren des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le soll nun die Ant­wort lie­fern. Es geht um Mil­li­ar­den. Doch zum Pro­zess­auf­takt gab es ges­tern über­ra­schend ei­nen her­ben Rück­schlag für die Klä­ger: Im Mil­li­ar­den­streit um die Fol­gen der ge­schei­ter­ten Vw-über­nah­me durch Por­sche 2008 wer­den die Chan­cen auf Scha­den­er­satz ge­rin­ger.

Um­strit­te­ne Pres­se­mit­tei­lun­gen der Por­sche-hol­ding von da­mals sei­en nach vor­läu­fi­ger Be­wer­tung – an­ders als von den kla­gen­den Ak­tio­nä­ren dar­ge­stellt – „nicht grob falsch“ge­we­sen. Dies sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter des Kar­tell­se­nats am Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Mat­thi­as Wie­se, ges­tern zum Auf­takt der münd­li­chen Ver­hand­lung in dem Mus­ter­ver­fah­ren (Az.: 13 Kap 1/16) in Han­no­ver. Die Klä­ger stell­ten ei­nen Be­fan­gen­heits­an­trag ge­gen die drei zu­stän­di­gen Rich­ter.

Nach Wie­ses Ein­schät­zung könn­te ein gro­ßer Teil der An­sprü­che un­be­grün­det sein. Ein Por­sche-spre­cher woll­te sich zu­nächst nicht da­zu äu­ßern. Muster­klä­ger-an­walt Andre­as Tilp be­ton­te, die Auf­fas­sung der Rich­ter sei noch vor­läu­fig. Al­ler­dings ver­tag­te Rich­ter Wie­se nach dem Be­fan­gen­heits­an­trag die Ver­hand­lung. Der für heu­te vor­ge­se­he­ne Ter­min wer­de auf­ge­ho­ben, da­mit über das Ab­leh­nungs­ge­such be­ra­ten wer­den kön­ne. In dem An­trag hieß es, es ge­be „be­rech­tig­te Zwei­fel an der Un­par­tei­lich­keit und Un­ab­hän­gig­keit der Rich­ter“.

Und wor­um geht es ei­gent­lich? Hin­ter­grund ist der Ver­such von Por­sche, den we­sent­lich grö­ße­ren Vw-kon­zern kom­plett zu über­neh­men. Das war 2008 – und schei­ter­te kra­chend. Am En­de hielt die Por­sche Hol­ding zwar die Mehr­heit an VW, muss­te aber we­gen Mil­li­ar­den­schul­den ih­re Sport­wa­gen­mar­ke Por­sche samt des Leip­zi­ger Werks an VW ab­ge­ben.

Doch zu­vor hat­te der Über­nah­me­ver­such hef­ti­ge Kur­stur­bu­len­zen aus­ge­löst. Am 26. Ok­to­ber 2008 hat­te der da­ma­li­ge Por­sche-chef Wen­de­lin Wie­de­king ver­kün­det, nicht nur 50 Pro­zent, son­dern so­gar 75 Pro­zent an VW über­neh­men zu wol­len. We­ni­ge Mo­na­te zu­vor hat­te das Un­ter­neh­men dies noch be­strit­ten. Zugleich wur­de be­kannt, dass Por­sche schon 42,6 Pro­zent an VW zu­sam­men­ge­kauft und sich wei­te­re 31,5 Pro­zent in Form von Op­tio­nen ge­si­chert hat­te. Das be­deu­te­te, dass kaum noch Stamm­ak­ti­en auf dem Markt zu ha­ben wa­ren, weil das Land Nie­der­sach­sen rund 20 Pro­zent der Stamm­ak­ti­en hält. Die Fol­ge: Der Kurs der Vw-ak­tie ex­plo­dier­te und stieg auf über 1000 Eu­ro. Für vie­le An­le­ger, die auf fal­len­de Kur­se ge­wet­tet hat­ten, war dies ei­ne Ka­ta­stro­phe, Leer­ver­käu­fer ver­spe­ku­lier­ten sich mit ge­lie­he­nen Ak­ti­en.

Die Fra­ge, um die es nun vor Ge­richt geht, lau­tet: Hat Por­sche da­mals im Über­nah­me­kampf An­le­ger in die Ir­re ge­führt? Ge­nau an die­ser Stel­le hat der Se­nat Be­den­ken. Die Mit­tei­lun­gen sei­en „nicht grob falsch“, die Tür zum Auf­sto­cken des An­teils auf über 75 Pro­zent wur­de of­fen ge­las­sen. Für Por­sche-spre­cher Al­brecht Bam­ler sind die Kla­gen oh­ne­hin un­be­grün­det. Das Un­ter­neh­men ha­be mehr­fach be­tont, kor­rekt in­for­miert zu ha­ben – und bis­lang hät­ten die Ge­rich­te die­se Auf­fas­sung stets ge­teilt.

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