Neue Stel­le für Be­schwer­den über Po­li­zei?

Par­la­ment be­rät heu­te über un­ab­hän­gi­gen Om­buds­mann

Dresdner Neueste Nachrichten - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON ANDRE­AS DUNTE

LEIP­ZIG. Be­kommt Sach­sen ei­ne un­ab­hän­gi­ge Be­schwer­de­stel­le, bei der sich Bür­ger über Po­li­zis­ten be­schwe­ren kön­nen? Dar­über ver­han­delt heu­te ab­schlie­ßend der Land­tag in Dres­den. Die bis­he­ri­ge Be­schwer­de­stel­le ist beim Lan­des­po­li­zei­prä­si­den­ten an­ge­sie­delt und da­mit In­nen­mi­nis­ter Mar­kus Ul­big (CDU) un­ter­stellt. Die­ser schwe­re Ge­burts­feh­ler müs­se be­ho­ben wer­den, mei­nen die Lin­ken, die ei­nen ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wurf ein­ge­reicht ha­ben.

Da­ten­schutz und Per­sön­lich­keits­rech­te der Be­schwer­de­füh­rer kom­men bei der jet­zi­gen Pra­xis un­ter die Rä­der, meint Lin­kenIn­nen­ex­per­te En­ri­co Stan­ge. Er ver­weist auf den Fall ei­nes Leip­zi­ger Fo­to­gra­fen, der sich über das Ver­hal­ten ei­ner Po­li­zis­tin be­schwert hat­te und von ihr dar­auf­hin an­ge­zeigt wor­den war. In zwei wei­te­ren Fäl­len kam es laut In­nen­mi­nis­te­ri­um eben­falls da­zu, dass ge­gen Be­schwer­de­stel­ler ein Ver­fah­ren we­gen Be­lei­di­gung und übler Nach­re­de er­öff­net wur­de. Mög­lich ist das, da der In­halt ei­ner Be­schwer­de für die Be­trof­fe­nen trans­pa­rent ge­macht wird, hieß es. Stan­ge ist des­halb wich­tig: „Be­schwer­de­füh­rer müs­sen ei­nen Rechts­an­spruch auf ein rechts­för­mi­ges Be­schwer­de­ver­fah­ren auf ge­setz­li­cher Grund­la­ge ha­ben. Das bis­he­ri­ge Be­schwer­de­ver­fah­ren lehnt sich an das Pe­ti­ti­ons- oder frü­he­re Ein­ga­be­recht an.“

Der Ber­li­ner Po­li­zei­wis­sen­schaft­ler Charles A. von Den­kow­ski plä­diert für die Um­set­zung des Ge­setz­ent­wurfs. Die Om­buds­stel­le soll­te par­al­lel zu Staats­an­walt­schaft und Po­li­zei er­mit­teln kön­nen. Das sei auch in Fäl­len wich­tig, „in de­nen Po­li­zei­be­am­te von der Schuss­waf­fe Ge­brauch mach­ten“.

Ei­ne sol­che Stel­le sei für Bür­ger und Po­li­zei wün­schens­wert, glaubt auch Pro­fes­sor Joa­chim Kers­ten von der Deut­schen Hoch­schu­le der Po­li­zei in Müns­ter. Dort könn­ten vor al­lem jun­ge Po­li­zis­ten oh­ne Ein­hal­tung des Di­enst­we­ges über al­le Pro­ble­me spre­chen, die sie be­las­te­ten. Genau das sei mo­men­tan nicht der Fall. Von den 2016 ein­ge­gan­ge­nen 213 Be­schwer­den sei­en gera­de ein­mal sechs von Po­li­zis­ten ein­ge­reicht wor­den, wie Ha­gen Hus­gen, Lan­des­vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GDP), be­tont. Den­noch geht der Ge­setz­ent­wurf dem Ge­werk­schaf­ter zu weit. Er kün­de von ei­nem grund­sätz­li­chen Miss­trau­en in die Ar­beit der Po­li­zei. Durch das Gre­mi­um sol­le ei­ne all­um­fas­sen­de Kon­trol­le der Po­li­zei­be­am­ten oder ih­rer Ar­beit si­cher­ge­stellt wer­den. Bes­ser wä­re es aus sei­ner Sicht, die be­ste­hen­de Be­schwer­de­stel­le neu zu über­den­ken und zu über­ar­bei­ten.

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