Na­tur­ge­fühl und kost­ba­rer Schim­mer

Land­schafts­ma­le­rei von Ul­rich Ei­sen­feld – Land­schafts­fo­to­gra­fie von Jan Ei­sen­feld

Dresdner Neueste Nachrichten - - BÜHNE DRESDEN - VON HA­RALD MARX

Oft­mals ist es so, dass Söh­ne an­ders sein wol­len als ih­re Vä­ter. Man ver­steht das: Aber sel­ten wird man er­le­ben, dass die Ar­bei­ten der Söh­ne so sehr dem Geist und dem Stre­ben des Va­ters ent­spre­chen, wie in der jetzt am Kör­ner­platz in der Ga­le­rie am Damm ge­zeig­ten Aus­stel­lung. Denn von den Land­schafts­fo­to­gra­fi­en des Soh­nes, Jan Ei­sen­feld, darf man das­sel­be sa­gen, was auch zu den Pa­s­tel­len und Ge­mäl­den des Va­ters, Ul­rich Ei­sen­feld, ge­sagt wer­den könn­te. Der Un­ter­schied liegt vor al­lem in der Tech­nik, nicht im Emp­fin­den und Wol­len. Das Ge­mein­sa­me ist: Ehr­furcht vor der Schöp­fung.

Bei bei­den se­hen wir wei­te, gren­zen­los wei­te Land­schaf­ten un­ter be­weg­tem Him­mel. Die Wol­ken be­herr­schen nicht sel­ten das Bild; sie tür­men sich auf, bre­chen her­ein oder sind zart auf den Him­mel ge­haucht. In sanf­ten Schwün­gen flie­ßen die Ber­ge. Ei­ne hel­le Li­nie, viel­leicht ein Was­ser­lauf, viel­leicht ein Ne­bel­streif, trennt den Vor­de­r­und den Mit­tel­grund von ei­nem blau­en Hö­hen­zug in der Fer­ne: Bil­der ei­nes Na­tur­ge­fühls, das, auch in den Far­ben, bis­wei­len an den Ju­gend­stil er­in­nert. Es sind Pan­ora­men, die zu klin­gen schei­nen – wie die Sin­fo­ni­en von An­ton Bruck­ner oder wie Mu­sik von Je­an Si­be­li­us. Der Mensch (auf den Bil­dern bei­na­he im­mer ab­we­send) wird klein an­ge­sichts sol­cher Na­tur, die ge­wal­tig er­scheint und ir­gend­wie – gren­zen­los.

Ul­rich Ei­sen­feld, der in Dres­den le­ben­de Ma­ler, ist in der Ga­le­rie am Damm zum wie­der­hol­ten Mal ver­tre­ten mit sei­nen Pa­s­tel­len und Öl­ge­mäl­den, vor al­lem Land­schaf­ten. An­ders Jan Ei­sen­feld, der in Berlin an­säs­si­ge Fo­to­graf: Er stellt sich hier zum ers­ten Mal vor, mit stim­mungs­vol­len, poe­tisch auf­ge­la­de­nen Land­schaf­ten, die das Ge­se­he­ne als Na­tur-ge­fühl ver­mit­teln.

Der Weg von Jan Ei­sen­feld war nicht vor­ge­zeich­net von An­fang an: Sei­ne Ent­wick­lung mu­tet viel­leicht so­gar ein we­nig bi­zarr an. Ge­lernt hat er im Zoo­lo­gi­schen Gar­ten in (West) Berlin, war dort, nach der Aus­bil­dung, als Ele­fan­ten­pfle­ger tä­tig, hat an­schlie­ßend das Abitur ge­macht und dann an der Fach­hoch­schu­le in Ebers­wal­de stu­diert: Di­plom-in­ge­nieur für Land­schafts­nut­zung und Na­tur­schutz ist er ge­wor­den. Seit 2003 aber war er als Fo­to­graf für Um­welt­bil­dung und Na­tur­schutz tä­tig; und seit 2006 ar­bei­tet er frei­schaf­fend als künst­le­ri- scher Fo­to­graf. Von der Ele­fan­ten-pfle­ge zur Fo­to­gra­fie als Kunst.

Auch bei ihm füh­ren Far­ben (oder Schwarz-weiß-wer­te) den Blick; und ge­nau­so sind es sug­ges­tiv ein­ge­setz­te, Raum schaf­fen­de Land­schafts­for­men: stil­le Se­en, mar­kan­te Baum­rei­hen, Acker­fur­chen, sanf­te Wel­len im Ge­län­de – oder auch das In­ne­re ei­nes Wal­des. Wol­ken zie­hen, manch­mal als lan­ge Bah­nen, vom Wind ge­trie­ben und zer­ris­sen, über das Land. Oder sie ste­hen ge­ballt am Him­mel: Auf den Pa­s­tel­len von Ul­rich Ei­sen­feld wie auf den Fo­to­gra­fi­en von Jan Ei­sen­feld. Die Son­ne bricht durch. Das Licht fällt als ge­wal­ti­ger Ke­gel auf die Er­de, oder, auf an­de­ren Blät­tern, an­de­ren Bil­dern oder Fo­to­gra­fi­en, bleibt es dif­fus, al­les be­ru­hi­gend. „Mir geht es nicht um Do­ku­men­ta­ti­on“, sagt Jan Ei­sen­feld; er be­ar­bei­tet sei­ne Auf­nah­men im Ate­lier. Die Be­trach­tung wird zur Me­di­ta­ti­on.

Ul­rich Ei­sen­feld, der Va­ter und Men­tor, hat im Lau­fe sei­nes Le­bens als Ma­ler vie­les er­probt. Aber früh schon hat er sein The­ma ge­fun­den: die Land­schaft; und früh schon sei­ne be­vor­zug­te Tech­nik: das Pa­s­tell. Er spürt nicht nur den For­men nach – der Er­de, dem Was­ser und dem Him­mel in im­mer wie­der an­de­rer Gestalt, der Far­be und dem Licht –, er sucht im Wan­del der For­men und Er­schei­nun­gen das Ewi­ge, sucht im er­leb­ten Au­gen­blick die See­le in den Din­gen.

Ein Künst­ler, der nicht nur malt, son­dern der auch ge­dank­lich re­flek­tiert, was er tut, der sei­nen Stand­punkt mit Nach­druck ver­tritt – und der sei­nen Platz in der Ge­sell­schaft aus in­ne­rer Not­wen­dig­keit be­stimmt und ge­fun­den hat. Ängst­li­che Rück­sicht­nah­me auf herr­schen­de Mei­nun­gen hat man nie von ihm er­war­ten dür­fen. Dar­aus er­gab sich mit Not­wen­dig­keit, dass es auf Dau­er kei­nen Platz für ihn gab in der DDR. Ul­rich Ei­sen­feld sie­del­te 1981 nach West-berlin über. Das war nicht nur ei­ne Be­frei­ung, es brach­te neue, ganz an­de­re Er­fah­run­gen, wei­te­te den Blick.

Wäh­rend der fol­gen­den zehn Jah­re ar­bei­te­te und leb­te er an un­ter­schied­li­chen Or­ten, nicht nur in West-berlin. Wir se­hen ihn in Gos­lar am Harz, in Mit­tel­schwe­den und in Lap­p­land; und die­se Rei­sen und lan­gen Auf­ent­hal­te sind auch für sei­ne Kunst wich­tig ge­wor­den. Als Er­geb­nis des Le­bens im Nor­den hat das Licht, das ge­ra­de­zu ma­gi­sche nörd­li­che Licht, in sei­nen Bil­dern ei­ne über­ra­gen­de Be­deu­tung ge­won­nen. Nach dem Fall der Mau­er und mit der deut­schen Ein­heit kam Ul­rich Ei­sen­feld sehr bald wie­der zu­rück nach Dres­den, ins Erz­ge­birgs­vor­land und ins Erz­ge­bir­ge. Er mie­te­te ei­ne klei­ne Mal­stu­be in Lung­kwitz bei Krei­scha, und seit 2004 hat er ei­ne Woh­nung mit Ate­lier in Quoh­ren. Aber auch die Ver­bin­dung nach Berlin blieb be­wahrt.

Aus­stel­lung Ul­rich Ei­sen­feld, Ma­le­rei, Jan Ei­sen­feld, Fo­to­pig­ment­druck, bis 28. No­vem­ber, Ga­le­rie am Damm, Kör­ner­platz 10, Di-fr 14-19 Uhr, Sa 11-14 Uhr. ➦ www.ga­le­rie-am-damm.de

Re­pros (2): Ga­le­rie am Damm

Jan Ei­sen­feld, Wol­ken­spieg­lung, Fo­to­pig­ment­druck

Ul­rich Ei­sen­feld, Licht­durch­blick über dem Erz­ge­bir­ge, Pa­s­tell

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