Die Welt der Cho­rä­le

Brit­ta Schwarz sang in der Ja­ko­bus­kir­che zu Pes­ter­witz

Dresdner Neueste Nachrichten - - BÜHNE DRESDEN - VON MAREILE HANNS

Nicht nur die gro­ßen Kir­chen bie­ten be­mer­kens­wer­te Kon­zer­te, nein, auch die klei­nen ha­ben ei­nen Sinn fürs Be­son­de­re. Das gilt ganz be­stimmt für die Ja­ko­bus­kir­che in Pes­ter­witz, bei der sich ein Blick in den Kon­zert­ka­len­der im­mer lohnt (eben­so wie ein Be­such).

Die Mez­zo­so­pra­nis­tin Brit­ta Schwarz und mit ihr Jan Katzsch­ke, wech­sel­wei­se an Cem­ba­lo und Or­gel, hat­ten ein sehr schö­nes, sehr spe­zi­el­les Pro­gramm zu­sam­men­ge­stellt, in dem es aus­schließ­lich um Kir­chen­cho­rä­le ging.

Cho­rä­le – man singt sie im Got­tes­dienst oder hört ein­fach nur zu, wenn an­de­re sie sin­gen. Auf me­di­ta­ti­ve Wei­se bie­ten sie im­mer die Ge­le­gen­heit, das geist­li­che Wort, das lit­ur­gi­sche Ge­sche­hen für sich selbst zu re­flek­tie­ren und dar­über nach­zu­den­ken, mal mehr und mal we­ni­ger in­ten­siv. Ei­ne schier un­über­seh­ba­re Fül­le ist da über­lie­fert wor­den, für al­le An­läs­se und in un­end­lich vie­len Ton­spra­chen.

Ei­ner der wich­tigs­ten Samm­ler von Cho­rä­len war Ge­org Chris­ti­an Sche­mel­li, ein Zeit­ge­nos­se Bachs, der in Zeitz Hof­kan­tor war und geist­li­che Lie­der zu­sam­men­trug. In sei­nem 1736 er­schie­ne­nen Ge­s­angs­buch sind fast tau­send Lie­der ent­hal­ten, bei 69 von ih­nen auch die No­ten. Bach hat bei ei­ni­gen von ih­nen mit­ge­wirkt.

Brit­ta Schwarz hat­te ih­re Wahl un­ter den Bach-cho­rä­len, aber auch un­ter den an­de­ren ge­trof­fen. Um­rahmt wur­de das Kon­zert von dem al­ten Lu­ther-cho­ral „Va­ter un­ser im Him­mel­reich“– ein klu­ges und in­ten­si­ves Pro­gramm ent­fal­te­te sich, ei­nes, das zum Nach­den­ken an­reg­te und ei­nen im In­ne­ren be­rühr­te. Das lag na­tür­lich vor al­lem auch dar­an, weil je­der­zeit spür­bar war, wie sehr und mit welch fei­nem Fin­ger­spit­zen­ge­fühl sich die Sän­ge­rin mit den Lie­dern und ih­rer Bot­schaft iden­ti­fi­zier­te. Ihr kul­ti­vier­ter Ge­schmack und ih­re ge­stal­te­ri­sche Sen­si­bi­li­tät bo­ten da­für das rech­te Fun­da­ment, ge­paart mit stimm­li­cher Ge­schmei­dig­keit und Schön­heit. Da wirk­te nichts auf­ge­setzt. Sch­licht­heit im Aus­druck hieß das Ge­bot der St­un­de.

Ob es nun die strah­lend schö­nen Lob­ge­sän­ge „Gott sey ge­lo­bet und ge­be­ne­deit“(Mainz um 1390) oder von Jo­hann Crü­ger „Lo­bet den Her­ren“wa­ren, die Brit­ta Schwarz mit gro­ßer Leich­tig­keit zu Ge­hör brach­te, oder die ver­klär­te To­des­sehn­sucht „Liebs­ter Je­su, wo bleibst Du so lan­ge“(welch in­ni­ger Emp­fin­dungs­reich­tum in der In­ter­pre­ta­ti­on!), das in­brüns­ti­ge „Bleib, sü­ßer Je­su“oder das von un­er­schüt­ter­li­cher Got­tes­zu­ver­sicht kün­den­de „Herz­lich lieb hab ich Dich“– es wä­re um je­den Ton, je­den Aus­druck scha­de ge­we­sen, die man ver­passt hät­te.

Jan Katzsch­ke er­wies sich als In­spi­ra­ti­ons­quel­le für Brit­ta Schwarz, be­fand sich auf glei­cher emo­tio­na­ler Wel­len­län­ge mit ihr. Und auch die zau­ber­haf­te Wie­der­ga­be von der Toc­ca­ta in a des Schütz-schü­lers Mat­thi­as Weck­mann oder sei­ne aus­drucks­star­ke Aus­ein­an­der­set­zung mit Bachs Prä­lu­di­um es-moll aus des­sen „Wohl­tem­pe­rier­tem Kla­vier“wa­ren her­vor­ra­gend.

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