Ver­wir­rung bei den Kos­ten für die Wald­schlöß­chen­brü­cke

Ober­bür­ger­meis­ter und Amts­lei­ter ma­chen un­ter­schied­li­che An­ga­ben: Dif­fe­renz be­trägt 8,6 Mil­lio­nen Eu­ro

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - VON THOMAS BAU­MANN-HART­WIG

DRES­DEN. Fünf Jah­re nach Ver­kehrs­frei­ga­be der Wald­schlöß­chen­brü­cke ste­hen die Kos­ten für das Bau­vor­ha­ben fest. Stadt­ver­wal­tung und Ar­beits­ge­mein­schaft für den Brü­cken­bau ha­ben sich nach lan­gen und zä­hen Ver­hand­lun­gen au­ßer­ge­richt­lich auf ei­ne Schluss­rech­nung ge­ei­nigt. Laut Stra­ßen- und Tief­bau­amts­lei­ter Rein­hart Koett­nitz be­tra­gen die Bau­kos­ten 179 Mil­lio­nen Eu­ro. Es sei­en 183 Mil­lio­nen Eu­ro ge­plant ge­we­sen.

„Die Ei­ni­gung er­for­der­te zahl­rei­che Ver­hand­lungs­ter­mi­ne“, er­klär­te Koett­nitz, „un­ser Ziel war es, ei­ne ein­ver­nehm­li­che Re­ge­lung zu fin­den und nicht vor Ge­richt zu ge­hen.“Das Stra­ßen- und Tief­bau­amt ge­be öf­fent­li­ches Geld aus und tra­ge des­halb ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung. „Das hat ei­ne ge­wis­se Zeit er­for­dert.“

Die Bau­kos­ten für die Brü­cke in­klu­si­ve der Brü­cken­ram­pen und den Aus­bau der Fet­scher­stra­ße ha­ben den An­ga­ben zu­fol­ge 74,2 Mil­lio­nen Eu­ro be­tra­gen. Der Frei­staat ha­be bis­her För­der­mit­tel in Hö­he von

132,7 Mil­lio­nen Eu­ro be­wil­ligt. Da das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nach der Kla­ge der Grü­nen Li­ga Sach­sen ge­gen den Frei­staat den Pl­an­fest­stel­lungs­be­schluss für die Brü­cke für rechts­wid­rig er­klärt hat, kön­ne die Bau­maß­nah­me noch nicht end­gül­tig ab­ge­schlos­sen wer­den. Die Gut­ach­ten, die für ei­nen über­ar­bei­te­ten Pl­an­fest­stel­lungs­be­schluss er­for­der­lich sind, ver­ur­sa­chen wei­te­re Kos­ten.

Die An­ga­ben von Koett­nitz ste­hen im Wi­der­spruch zu Aus­künf­ten, die der Lin­ke-frak­ti­ons­vor­sit­zen­de An­dré Scholl­bach von Ober­bür­ger­meis­ter Dirk Hil­bert (FDP) er­hal­ten hat. Der Lin­ke-po­li­ti­ker woll­te wis­sen, auf wel­ches Fi­nanz­vo­lu­men sich die bis­he­ri­gen fi­nan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen der Lan­des­haupt­stadt Dres­den für die Rea­li­sie­rung des Vor­ha­bens „Ver­kehrs­zug Wald­schlöß­chen­brü­cke“be­lau­fen. „Bis­her wur­den Aus­ga­ben von 187,6 Mil­lio­nen Eu­ro ge­tä­tigt“, ließ Hil­bert mit­tei­len und auf­schlüs­seln: 148,9 Mil­lio­nen Eu­ro sei­en für Bau­leis­tun­gen ge­flos­sen, 15,6 Mil­lio­nen Eu­ro für die Pla­nung, 5,7 Mil­lio­nen Eu­ro für Grund­er­werb, 12,7 Mil­lio­nen Eu­ro für Bau­neben­kos­ten und 4,7 Mil­lio­nen Eu­ro für Lärm­schutz.

An­dré Scholl­bach Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der

Die Ver­wal­tung kün­dig­te an, die Dis­kre­panz zu prü­fen. Scholl­bach er­klär­te ge­gen­über DNN: „Die An­ga­ben von Ober­bür­ger­meis­ter Hil­bert und des zu­stän­di­gen Amts­lei­ters Koett­nitz las­sen sich nicht mit­ein­an­der in Ein­klang brin­gen. In Hil­berts Rat­haus scheint es zu­zu­ge­hen wie bei Hem­pels un­term So­fa. Ent­we­der weiß die rech­te Hand nicht, was die lin­ke tut oder ei­nem Stadt­rat wur­de auf amt­li­chem Weg ei­ne wahr­heits­wid­ri­ge In­for­ma­ti­on er­teilt.“

Bei­des wä­re in­ak­zep­ta­bel, so der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de. Er wer­de die An­ge­le­gen­heit nicht auf sich be­ru­hen las­sen, son­dern sich um Auf­klä­rung der ekla­tan­ten Wi­der­sprü­che be­mü­hen. „Die Öf­fent­lich­keit hat ei­nen An­spruch zu er­fah­ren, wie teu­er die Wald­schlöß­chen­brü­cke wirk­lich ge­we­sen ist.“Bei dem Bau­werk han­de­le es sich nicht nur um die um­strit­tens­te, son­dern auch die teu­ers­te Elb­brü­cke, so Scholl­bach.

Die Öf­fent­lich­keit hat ei­nen An­spruch zu er­fah­ren, wie teu­er die Brü­cke war.

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