Si­zi­li­en zum Löf­feln

Gra­ni­ta ist mehr als Was­ser­eis – und des­halb die Spe­zia­li­tät die­ses Som­mers

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - VON ALEXANDER DAHL

Man be­nö­tigt nicht viel Fan­ta­sie, um sich aus­zu­ma­len, wie die kal­te Köst­lich­keit ent­stan­den ist. Vor vie­len Ge­ne­ra­tio­nen, als es noch kei­ne Ge­frier­schrän­ke gab, sind die Män­ner auf Si­zi­li­en aus den hei­ßen Ebe­nen auf den Ät­na und des­sen um­lie­gen­de Ber­ge ge­klet­tert, um dort Eis ab­zu­ste­chen. Es wur­de be­nö­tigt, um ver­derb­li­che Le­bens­mit­tel den Som­mer über in Höh­len kon­ser­vie­ren zu kön­nen. Die Tou­ren wa­ren si­cher ei­ne schweiß­trei­ben­de Stra­pa­ze, und so man­cher der Ni­va­ro­li, al­so der Schnee­män­ner, dürf­te am Eis ge­lutscht ha­ben, um sich Küh­lung zu ver­schaf­fen und den Durst zu lin­dern.

Es war die Ge­burts­stun­de von Gra­ni­ta, das sich in die­sem Jahr zum Eis des Som­mers mau­sert. Wie gut, dass die er­fri­schen­de Spe­zia­li­tät aus dem ita­lie­ni­schen Sprach­raum kommt. Gra­ni­ta klingt exo­tisch und ap­pe­tit­lich, die schnö­de deut­sche Über­set­zung Was­ser­eis hin­ge­gen recht fa­de – eher wie einst je­ne bil­li­gen Flip­per-eistü­ten, die ein tief­ge­fro­re­nes Et­was aus Was­ser, Zu­cker, künst­li­chem Aro­ma und Farb­stof­fen ent­hiel­ten.

Auch sonst hat Gra­ni­ta mit Was­ser­eis recht we­nig zu tun – es ist kein be­ton­har­ter Block ge­fro­re­nen Was­sers. Die Kunst be­steht dar­in, ei­ne Kon­sis­tenz zu schaf­fen, die Gra­ni­ta ei­ner­seits so grob­kör­nig und zäh macht, dass es mit dem Löf­fel ge­ges­sen wer­den kann. Und es gleich­zei­tig so cre­mig zu rüh­ren, dass es auch durch ei­nen Stroh­halm ein­ge­so­gen wer­den kann.

Und wie macht man Gra­ni­ta nun? Das Grund­re­zept ist ei­gent­lich ganz ein­fach: 80 Gramm Zu­cker wer­den mit 50 Gramm Was­ser auf­ge­kocht, bis sich der Zu­cker ge­löst hat. Dann lässt man die Mas­se ab­küh­len, fügt 400 Mil­li­li­ter Ap­fel­saft, Kaf­fee, oder was im­mer man mag, und 100 Mil­li­li­ter Sekt hin­zu.

So­weit, so leicht. Doch nun muss die Mas­se ins Ge­frier­fach und al­le 20 Mi­nu­ten mit der Ga­bel um­ge­rührt wer­den. Wie ge­sagt: Die Gra­ni­ta ist kör­nig und cre­mig, ei­ne Art halb­flüs­si­ges Sor­bet, ei­gent­lich ein Ding der Un­mög­lich­keit.

Ist sie ge­lun­gen, schmeckt sie wie ein Si­zi­li­en-ur­laub da­heim – und passt da­mit per­fekt zu un­se­rem dies­jäh­ri­gen Som­mer, der ja zwi­schen den küh­len Re­gen­pau­sen durch­aus recht me­di­ter­ran an­mu­tet.

Fo­to: dpa

Zwi­schen grob­kör­nig und cre­mig: Die rich­ti­ge Kon­sis­tenz macht Gra­ni­ta aus.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.