Sau­di­ara­bi­en – ein Part­ner?

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - VON MA­RI­NA KORM­BAKI

Die Zei­chen ste­hen auf Ent­span­nung. Zu Wo­chen­be­ginn ist der sau­di-ara­bi­sche Bot­schaf­ter nach Ber­lin zu­rück­ge­kehrt. Das Kö­nig­reich hat­te sei­nen Di­plo­ma­ten vor fast ei­nem Jahr ab­ge­zo­gen – aus Pro­test ge­gen ei­ne Äu­ße­rung des da­ma­li­gen Au­ßen­mi­nis­ters Sig­mar Ga­b­ri­el. Der Spd-po­li­ti­ker hat­te den Sau­dis „po­li­ti­sches Aben­teu­rer­tum“in Nah­ost vor­ge­wor­fen. Sein Nach­fol­ger Hei­ko Maas voll­zog vor zwei Wo­chen in New York am Ran­de der Un-ge­ne­ral­ver­samm­lung die Kehrt­wen­de. Er sprach von „Miss­ver­ständ­nis­sen“– und wur­de be­lohnt: Maas‘ sau­di­scher Amts­kol­le­ge Adel al-dschub­eir lud den Deut­schen nach Ri­ad ein. Das En­de der Kri­se zwi­schen Ber­lin und dem ein­fluss­rei­chen und wohl­ha­ben­den Kö­nig­reich schien nah. Doch die Ak­tua­li­tät macht nun wie­der ein­mal deut­lich, wie pro­ble­ma­tisch die An­nä­he­rung ist.

Der Fall des ver­schwun­de­nen sau­di­schen Re­gie­rungs­kri­ti­kers Ja­mal Khas­hog­gi ruft auf ver­stö­ren­de Wei­se in Er­in­ne­rung, dass Sau­di-ara­bi­en ein zwei­fel­haf­ter Part­ner ist. Ein un­ge­heu­er­li­cher Mord­ver­dacht steht im Raum, und die enorm zö­gern­de Ko­ope­ra­ti­on sau­di­scher Er­mitt­ler ist nicht da­zu an­ge­tan, ihn aus­zu­räu­men. Aber die Zwei­fel spei­sen sich nicht bloß aus dem Ver­schwin­den des Jour­na­lis­ten. Sei­ne Er­mor­dung wä­re ei­ner von vie­len, auch grau­sa­me­ren, Be­le­gen für die bru­ta­le Po­li­tik Riads.

Kron­prinz Mo­ham­mad bin Sal­man mag sich als Re­for­mer in­sze­nie­ren. Welt­weit ver­brei­te­te Fo­tos von Frau­en, die in Ri­ad erst­mals Au­to fah­ren, sol­len die­ses Bild be­stä­ti­gen. Bei nä­he­rer Be­trach­tung aber er­weist sich bin Sal­mans Li­be­ra­li­sie­rungs­ver­spre­chen als Blend­werk. Men­schen werden hin­ge­rich­tet, Frau­en­recht­le­rin­nen lan­den im Knast. Im Je­men führt Ri­ad ei­nen er­bar­mungs­lo­sen Krieg oh­ne Rück­sicht auf zi­vi­le Ver­lus­te – auch mit deut­scher Rüs­tungs­tech­no­lo­gie.

Zwar ver­ein­bar­ten Uni­on und SPD im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ein En­de der Waf­fen­lie­fe­run­gen an die im Je­men kämp­fen­den Na­tio­nen. Zugleich aber bau­te die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on ei­ne re­ge ge­nutz­te Hin­ter­tür für die zah­lungs­kräf­ti­gen Sau­dis ein. Ei­ne wer­te­ba­sier­te Au­ßen­po­li­tik sieht an­ders aus.

Ber­lin ver­spricht sich von ei­nem so­li­den Ver­hält­nis zu Ri­ad Ein­fluss­mög­lich­kei­ten zur Bei­le­gung der Kri­sen und Kon­flik­te in Nah­ost. Das al­ler­dings ist nur ei­ne va­ge Hoff­nung und kei­ne Stra­te­gie. An die­ser fehlt es im Um­gang mit Sau­di­ara­bi­en – in Deutsch­land, aber auch in Eu­ro­pa und dem ge­sam­ten Wes­ten. Das Schwei­gen zu den Ag­gres­sio­nen Riads darf nicht län­ger mit kon­struk­ti­ver Au­ßen­po­li­tik ver­wech­selt werden. Und die Me­tho­de Trump ist auch kei­ne Op­ti­on: Die Ma­xi­me „De­als, De­als, De­als“ist kei­ne, die Sta­bi­li­tät oder gar Frie­den für die Re­gi­on ver­heißt. Duck­mäu­ser­tum ver­sus Op­por­tu­nis­mus? Die deut­sche Au­ßen­po­li­tik muss ei­nen drit­ten Weg fin­den.

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STUTT­GART. Ei­ne Mel­de­platt­form ge­gen Leh­rer, die am Don­ners­tag in Ba­den-würt­tem­berg vom Afd-ab­ge­ord­ne­ten Ste­fan Räpp­le on­line ge­stellt wur­de, ist be­reits am Frei­tag wie­der vom Netz ge­gan­gen. Ur­sa­che war nach An­ga­ben ei­nes Afd-mit­ar­bei­ters ein Ha­cker­an­griff. Zugleich lief die Dis­kus­si­on um die um­strit­te­ne Ak­ti­on wei­ter. Ju­ris­ten hal­ten das An­ge­bot für recht­lich pro­ble­ma­tisch – zu­mal bei der Stutt­gar­ter Va­ri­an­te die Na­men der Leh­rer ver­öf­fent­licht werden sol­len.

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