Bund ver­spricht ab 2019 wei­te­re Ren­ten­re­for­men

Neue Wen­dung im Fall Ka­schog­gi: An­ka­ra will Be­wei­se für Er­mor­dung des Jour­na­lis­ten in Istan­bul vor­le­gen – De­bat­te auch in Deutsch­land

Dresdner Neueste Nachrichten - - ERSTE SEITE - VON THO­MAS SEI­BERT UND MA­RI­NA KORM­BAKI

BER­LIN. Die Bun­des­bür­ger sol­len auf Jah­re hin­aus vor nicht aus­kömm­li­chen Ren­ten be­wahrt werden. So­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) ver­tei­dig­te ges­tern da­zu im Bun­des­tag sein mil­li­ar­den­schwe­res Ren­ten­pa­ket ge­gen hef­ti­ge Kri­tik der Op­po­si­ti­on und kün­dig­te noch weit­rei­chen­de­re Plä­ne für die Zu­kunft an. Im kom­men­den Jahr wer­de es wei­te­re Schrit­te ge­ben, be­kräf­tig­te Heil frü­he­re Au­ße­run­gen. Das Par­la­ment be­riet erst­mals über die Ren­ten­re­form, die 2019 in Kraft tre­ten soll.

Mit dem Ge­setz­ent­wurf soll das Si­che­rungs­ni­veau der Ren­te bis 2025 bei min­des­tens 48 Pro­zent fest­ge­schrie­ben werden. Der Wert gibt das Ver­hält­nis der Ren­te zu den Löh­nen an. Der Bei­trags­satz soll bis da­hin die 20-Pro­zent-mar­ke nicht über­schrei­ten. Ver­bes­se­run­gen bei der Müt­ter­ren­te soll es be­reits zu Jah­res­be­ginn ge­ben. Mehr Ren­te soll auch be­kom­men, wer we­gen Krank­heit nicht oder nur ein­ge­schränkt ar­bei­ten kann

ISTAN­BUL. Tür­ki­sche Si­cher­heits­be­hör­den wol­len bei ei­ner Ab­hör­ak­ti­on im Kon­su­lat von Sau­di-ara­bi­en in Istan­bul ein­deu­ti­ge Be­wei­se für den mut­maß­li­chen Mord an dem re­gie­rungs­kri­ti­schen sau­di­schen Jour­na­lis­ten Dsche­mal Ka­schog­gi ge­sam­melt ha­ben. Nach An­ga­ben aus Er­mitt­ler­krei­sen ge­be es Ton- und Vi­deo­auf­nah­men der ent­schei­den­den St­un­den nach Ka­schog­gis Ver­schwin­den vo­ri­ge Wo­che, be­rich­te­ten die „Wa­shing­ton Post“und die „New York Ti­mes“über­ein- stim­mend. Auch ein re­gie­rungs­na­her tür­ki­scher Jour­na­list sprach von Vi­deo­auf­nah­men aus dem Kon­su­lat. Sau­di-ara­bi­en weist al­le Vor­wür­fe als halt­los zu­rück und spricht von ei­ner Kam­pa­gne ge­gen das Kö­nig­reich. Den­noch be­kommt das Land ers­te wirt­schaft­li­che Fol­gen zu spü­ren.

Tür­ki­sche Er­mitt­ler ha­ben seit Ka­schog­gis Ver­schwin­den mehr­fach von ein­deu­ti­gen Be­wei­sen für ein Ver­bre­chen ge­spro­chen. Auf Ton­auf­nah­men aus dem Kon­su­lat sind den Zei­tungs­be­rich­ten zu­fol­ge die Stim­men von Ka­schog­gi und an­de­rer Ara­bisch spre­chen­der Män­ner so­wie Schlä­ge zu hö­ren. Auch Ke­mal Öz­türk, ein Ko­lum­nist der re­gie­rungs­na­hen Zei­tung „Ye­ni Safak“, er­klär­te vor ei­ni­gen Ta­gen, es ge­be Vi­deo­auf­nah­men vom mut­maß­li­chen Mord an Ka­schog­gi.

Hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren könn­ten die Ab­hö­r­er­geb­nis­se auch der Us-re­gie­rung vor­ge­legt wor­den sein. Trotz der Er­kennt­nis­se äu­ßer­te sich der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan aber bis­her be­tont zu­rück­hal­tend. Die Tür­kei wol­le of­fen­bar nicht selbst den Be­weis da­für lie­fern, dass sie aus­län­di­sche Ver­tre­tun­gen ab­hö­re oder In­for­man­ten dort ein­schleu­se, mel­de­te die „Wa­shing­ton Post“.

Of­fi­zi­ell ist die Tür­kei be­reit, zu­sam­men mit Sau­di-ara­bi­en zu er­mit­teln. Ei­ne De­le­ga­ti­on aus Ri­ad traf da­für am Frei­tag in An­ka­ra ein. Laut Me­dien­be­rich­ten treibt die tür­ki­sche Po­li­zei aber auch ih­re ei­ge­nen Mor­der­mitt­lun­gen vor­an. Of­fen­bar wol­len die Fahn­der in den kom­men­den Ta­gen auf dem Ge­län­de der Re­si­denz des sau­di­schen Kon­suls in Istan­bul nach Ka­schog­gis Lei­che su­chen.

Deut­sche Po­li­ti­ker for­der­ten die Bun­des­re­gie­rung zu mehr Ent­schlos­sen­heit ge­gen­über der Re­gie­rung in Ri­ad auf. „Au­ßen­mi­nis­ter Maas muss beim sau­di­schen Bot­schaf­ter mit Nach­druck ei­ne lü­cken­lo­se Auf­klä­rung for­dern. Soll­te Kas­hog­gi tat­säch­lich we­gen sei­ner Tä­tig­keit als re­gime­kri­ti­scher Jour­na­list von Mit­ar­bei­tern der Re­gie­rung in Ri­ad er­mor­det wor­den sein, so wä­re dies ein grau­sa­mes Ele­ment der sau­di­schen Au­ßen­po­li­tik“, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Fdp-frak­ti­ons­chef Alex­an­der Graf Lambs­dorff dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land. „Da die mut­maß­li­che Tat zu­dem in der Tür­kei be­gan­gen wur­de, müs­sen nicht nur die USA, son­dern al­le Na­to-part­ner Ri­ad klar ma­chen, dass ein sol­ches Ver­hal­ten nicht to­le­riert wird.“

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