„Sa­ty­ri­con“von Bru­no Ma­der­na in Sem­per Zwei

Dresdner Neueste Nachrichten - - KULTUR / BÜHNE DRESDEN -

Dass ma­te­ri­el­ler und in­tel­lek­tu­el­ler Reich­tum nicht zwangs­läu­fig kon­form ge­hen, weiß die Welt nicht erst seit den Ana­ly­sen von Marx, Brecht und an­de­ren Geis­tes­grö­ßen, erst recht nicht seit dem Le­bens­wan­del stu­pi­der Mil­li­ar­dä­re wie Ber­lus­co­ni, Trump et ce­te­ra. Schon ein ge­wis­ser Tri­mal­chio hat vor rund 2000 Jah­ren sein ma­te­ri­el­les Ka­pi­tal eben­so un­ter Be­weis ge­stellt wie sei­ne in­tel­lek­tu­el­len Fehl­be­trä­ge; der rö­mi­sche Dich­ter und Se­na­tor – in die­sem Be­rufs­stand muss­te er es si­cher­lich wis­sen – Ti­tus Pe­tro­ni­us hat ihn in sei­nem Ro­man „Sa­ty­ri­con“uns­terb­lich ge­macht.

Par­al­le­len zum Heu­te – Tri­mal­chio hat nicht nur Bun­ga-bun­ga-par­tys ge­fei­ert, son­dern ei­ne sei­ner Pro­sti­tu­ier­ten so­gar ge­hei­ra­tet – sind na­tür­lich rein zu­fäl­lig, wenn nicht un­ver­meid­lich. Der klas­si­sche Weit­blick und die ak­tu­el­le Un­be­lehr­bar­keit las­sen „Sa­ty­ri­con“als ewig gül­ti­ges Sit­ten­ge­mäl­de er­schei­nen.

Fe­de­ri­co Fel­li­ni hat 1969 ei­nen skur­ri­len Film­klas­si­ker dar­aus ge­macht, vier Jah­re spä­ter folg­te der aus Ve­ne­dig stam­men­de Kom­po­nist und Di­ri­gent Bru­no Ma­der­na mit sei­ner gleich­na­mi­gen Kam­mer­oper, die im nie­der­län­di­schen Sche­ve­nin­gen ur­auf­ge­führt wor­den ist und seit­dem ei­nen Sie­ges­zug um die Welt an­ge­tre­ten hat.

Das viel­spra­chi­ge und mit di­ver­sen mu­si­ka­li­schen Zi­ta­ten ge­spick­te Sit­ten­bild der De­ka­denz kann in un­ter­schied­lichs­ter Form um­ge­setzt werden. Im Früh­jahr brach­ten die Os­ter­fest­spie­le Salz­burg das Stück hoch­mo­dern als Ko­pro­duk­ti­on mit der Sem­per­oper Dres­den und dem Tea­tro Com­mu­na­le Mo­de­na her­aus, jetzt kommt die Ins­ze­nie­rung von Ge­org Schmied­leit­ner un­ter der mu­si­ka­li­schen Lei­tung von Pie­tro Bor­go­no­vo an Sem­per Zwei her­aus.

Ein Fas­zi­no­sum der Opern­li­te­ra­tur, ge­spie­gelt zwi­schen Gla­mour, rie­si­gen Kühl­schrän­ken, ei­ner thea­tra­li­schen Be­er­di­gung und bi­zar­rem Rol­len­spiel. Ein Gast­mahl, das die im­men­sen Ab­grün­de geis­ti­ger Ar­mut und neu­rei­chen Ge­ha­bes auf den Punkt bringt. Micha­el Ernst „Sa­ty­ri­con“auf Sem­per Zwei: Sonn­abend (Pre­mie­re), 17., 18. und 20. Ok­to­ber

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