Ex­or­bi­tan­tes Ge­burts­tags­kon­zert

Letz­te In­stanz fei­ert im Al­ten Schlacht­hof das 20. Band­ju­bi­lä­um mit Show und Gäs­ten

Dresdner Neueste Nachrichten - - BÜHNE DRESDEN - VON ANDRE­AS HERR­MANN

Jah­re er­lebt nicht je­de Band, gleich gar nicht in Dres­den. Heu­te fei­ern die Man­nen der einst hier ge­grün­de­ten Mu­sik­for­ma­ti­on mit dem hin­ter­sin­ni­gen Na­men Letz­te In­stanz im Al­ten Schlacht­hof ihr gro­ßes Ju­bi­lä­um – und die Go­ti­kro­cker mit Strei­che­r­ein­schlag ge­ben sich aus die­sem heh­ren An­lass selbst das Ständ­chen.

Ih­re ei­ge­ne Schub­la­de nen­nen sie schon seit dem Start „Bra­chi­al­ro­man­tik“. Der Be­griff wur­de al­ler­dings einst vom Duo Son­nen­schirm schon in dif­fi­zi­len Vor­wen­de­zei­ten ge­prägt und spä­ter von der Band, die be­reits 1996 – da­mals so­gar noch als Re­sis­tan­ce – zu­sam­men­kam, für ih­re Mu­sik ge­borgt und arg ge­wan­delt, denn klas­si­sches Lie­der­ma­chen mit sub­ti­lem Hu­mor ist weiß Gott nicht ihr Ding.

So ka­te­go­ri­sier­ten sie ih­re Mu­sik schon per Na­me der ers­ten Schei­be – und es gab noch ei­ne mit dem La­bel: „15 Jah­re Bra­chi­al­ro­man­tik“, ge­presst an­no 2013. Zu die­ser gab es vor ge­nau fünf Jah­ren ei­ne kur­ze Fest­tour­nee, die am 19. Ok­to­ber im Dresd­ner Ev­ent­werk vor rund ein­tau­send Leu­ten in ei­ner gro­ßen Li­ve­sau­se als Qu­er­schnitt gip­fel­te.

Schon da­mals wa­ren ex­pli­zi­te Folk- und kraft­vol­le Me­tal­ein­flüs­se, die die An­fangs­zeit des Sep- bis Ok­tet­tes präg­ten, nicht mehr hör­bar, son­dern ein­ge­eb­net in ei­nen ty­pi­schen In­stanz-klang, der sich durch na­he­zu al­le Ti­tel zog und im­mer hym­nisch aus­ar­tet, was gut zu den me­ta­phy­si­schen Bot­schaf­ten passt, die sel­ten ech­te Düs­ter­nis ver­hei­ßen, son­dern ei­ne po­si­ti­ve Mut-mach-at­ti­tü­de tra­gen.

Seit­her sind drei Wech­sel in der Per­so­na­ge zu kon­sta­tie­ren, wo­bei die ech­ten Fans vor al­lem der Ver­lust der Gi­tar­ris­ten Hol­ly D. und Oli (al­so Hol­ger Lie­be­renz und Oli­ver Schmidt) nach lan­gen Band­jah­ren schmerz­te. Da­für stieß vor zwei Jah­ren Ber­nie Geef an der Gi­tar­re hin­zu. Neu auch: An­dy Horst, der seit 2015 für Spe­cki T. D. trom­melt.

Aber es gab mit den Neu­en und per „Lie­be im Krieg“als elf­tem Stu­dio­al­bum vor zwei Jah­ren mit Platz 4 den ers­ten gro­ßen deut­schen Charter­folg, mit dem nun die neue Schei­be nicht ganz mit­hal­ten kann, aber Platz 13 wä­re bandhis­to­risch ge­se­hen im­mer­hin der drit­te Platz. Der nun per „Songs aus zwei Jahr­zehn­ten“, so der Ti­tel des heu­ti­gen Abends, ge­fei­ert wird und da­bei si­cher auch je­nen Zei­ten, als die Schei­ben noch be­schei­den „Ewig“, „Hei­lig“oder „Schul­dig“hie­ßen, ge­dacht wird. Da­bei sol­len laut Ver­an­stal­ter be­freun­de­te Bands wie Ze­ra­phi­ne und Lord of the Lost und da­zu Gast­mu­si­ker wie Al­ly Storch von Sub­way to Sal­ly oder Mar­tin Hö­fert von Goe­thes Er­ben die „Büh­ne er­klim­men“.

In der Band­bio­gra­fie im Netz­le­xi­kon („Letz­te In­stanz ist ei­ne deut­sche Vio­lin-ro­ckband aus Dres­den, die Ein­flüs­se aus di­ver­sen Be­rei­chen des Rock und der klas­si­schen Mu­sik mit­ein­an­der ver­eint“), die seit fünf Jah­ren den Stem­pel der man­geln­den Be­le­ge trägt und da­mit ir­gend­wann nicht mehr un­ter di­gi­ta­len Ar­ten­schutz fällt, aber erst just am Mon­tag­mor­gen um 1:01 Uhr ak­tua­li­siert wur­de, sind die 17 Band­mit­glie­der per Kunst­na­men und schö­ner Zeit­strahl­gra­fik ver­ewigt, dar­un­ter je vier Gi­tar­ris­ten, Bas­sis­ten und Schlag­zeu­ger. Und drei Sän­ger, dar­un­ter Se­bas­ti­an Loh­se, der hier als Ro­bin Sohn von 1997 bis 2004 sang. Auch er kommt heu­te zu Wort wie Mi­kro.

Mit Elek­tro­vio­li­nist Mut­tis Stolz und Elek­tro­cel­list Ben­ni Cel­li­ni sind just die bei­den E-strei­cher am längs­ten da­bei. Be­reits nach der Kri­se vor rund 13 Jah­ren gab es ein per­so­nell rund­er­neu­er­tes Sep­tett, wo­bei Sän­ger Hol­ly Loo­se, dem das meist recht uni­form be­klei­de­te Pu­bli­kum in der Re­gel je­den Wunsch, sei es Nie­der­kni­en, Arm­wellen oder Pis­to­len­hän­de, rasch er­füllt, der wich­tigs­te Neu20 zu­gang bleibt. Heu­te ist die Band als Sex­tett oh­ne den cha­ris­ma­ti­schen Front­mann aus Kö­nigs Wus­ter­hau­sen schwer vor­stell­bar. Als Sechs­ter im ak­tu­el­len Bun­de spielt Micha­el En­de seit 2004 Bass als Gi­tar­re.

Vor fünf Jah­ren, beim Kon­zert zum 15., gab es üb­ri­gens nach ge­nau drei St­un­den Spiel­zeit kurz nach Mit­ter­nacht als drit­ten Zu­ga­ben­block ei­ne mu­si­ka­li­sche Über­ra­schung: ein Med­ley aus in­ter­na­tio­na­len Kra­chern von Nir­va­na bis Kiss, bei dem der nun­mehr ein­zig ver­blie­be­ne Lo­kal­he­ro und Grün­der M. Stolz „Ri­co Schwib“über die Köp­fe des Pu­bli­kums nach hin­ten schweb­te, denn Gei­ger brauch­te es da nicht. Mal se­hen, was heu­te als krö­nen­der Ab­schluss und als Start­schuss in die drit­te Band­de­ka­de pas­siert.

Denn Band­chef Ri­co Schwibs er­klär­te die­ser Zei­tung schon im Fe­bru­ar nach der „Mor­gen­land“-er­schei­nung, dass es wei­ter­hin das gro­ße Ziel sei, ganz nach oben zu kom­men – und zwar oh­ne sich zu ver­bie­gen oder die Mu­sik „mas­sen­kom­pa­ti­bler“zu ma­chen. Da ste­ter Wan­del zum Pro­gramm ge­hört, wird es, das ist kei­ne ge­wag­te Pro­gno­se, si­cher noch wei­te­re der­ar­ti­ge Fe­ten ge­ben. Samt Plat­ten und Tou­ren. An­de­re Glück­wün­sche heu­te Abend li­ve im Al­ten Schlacht­hof.

Sonn­abend, 19 Uhr, Al­ter Schlacht­hof

Fo­to: An­draj Son­nen­kalb

Letz­te In­stanz werden beim heu­ti­gen Ju­bi­lä­ums­kon­zert si­cher erst spä­ter an der Bar auf­tau­chen.

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