Re­vol­ver­hel­den mit Gau­ner­eh­re

Im Wie­ner „Tat­ort: Her mit der Ma­rie!“er­mit­teln Eis­ner und Fell­ner im Klein­ga­no­ven­mi­lieu

Dresdner Neueste Nachrichten - - MEDIEN - VON ERNST CORINTH

Wil­de Re­vol­ver­hel­den, ker­ni­ge Ma­cker und coo­le Sprü­che – es gibt sie noch: die ech­ten Ga­no­ven. Zu­min­dest in dem von Bar­ba­ra Eder in­sze­nier­ten Wie­ner „Tat­ort: Her mit der Ma­rie!“(Dreh­buch: Ste­fan Haf­ner, Tho­mas Wein­gart­ner). Der Film kommt näm­lich wun­der­bar alt­mo­disch da­her und be­schwört ei­ne Zeit, die es so schon lan­ge nicht mehr gibt (und viel­leicht so auch nie ge­ge­ben hat). Auch der er­zähl­te Fall, in dem es um ver­letz­te Gau­ner­eh­re, al­te Freund­schaf­ten und ge­bro­che­nes Ver­trau­en geht, wirkt wie von ges­tern. Pas­send da­zu ist das Ge­sche­hen von ei­ner me­lan­cho­li­schen Mu­sik un­ter­malt, die von der ös­ter­rei­chi­schen Band S.T.S. und dem Lie­der­ma­cher mit dem hüb­schen Na­men Voo­doo Jür­gens stammt. Letz­te­rer ist im Film üb­ri­gens auch als Klein­ga­no­ve zu se­hen.

Den­noch gibt es zwei recht gro­ße Wer­muts­trop­fen, die die Freu­de an die­sem Fall ein we­nig trü­ben. Zum ei­nen werden vie­le Dia­lo­ge in ei­nem Dia­lekt ge­spro­chen, den Zu­schau­er nörd­lich des Weiß­wur­st­äqua­tors kaum ver­ste­hen. Und zum an­de­ren man­gelt es der Ge­schich­te recht ge­wal­tig an Span­nung.

Los geht’s je­doch mit ei­ner ra­san­ten Au­to­fahrt. Zwei Bil­der­buch-striz­zis ra­sen ir­gend­wo in der Pro­vinz bei Wi­en zwi­schen Korn­fel­dern ent­lang und quat­schen da­bei herr­lich dum­mes Zeug. So muss sich bei­spiels­wei­se der Bei­fah­rer, als er be­ginnt, ei­ne E-zi­ga­ret­te zu paf­fen, die un­glaub­li­che Be­lei­di­gung an­hö­ren: „Bist Ve­ga­ner?“Und dann werden die­se bei­den Ty­pen ab­rupt von ei­nem mas­kier­ten Mann ge­stoppt. Es kommt zu ei­nem Hand­ge­men­ge, und plötz­lich ist ei­ner der Au­to­in­sas­sen tot – von ei­ner Ku­gel ge­trof­fen. Ob mit Ab­sicht, per Zu­fall oder aus Ver­se­hen wird al­ler­dings nicht ge­zeigt und erst am En­de des Films ge­klärt. Der so un­ver­mit­telt auf­ge­tauch­te Räu­ber ver­schwin­det der­weil mit ei­ner Ta­sche vol­ler Geld, das die zwei Striz­zis trans­por­tiert ha­ben. Wäh­rend der To­te schließ­lich im Wald ver­brannt wird. Zu­vor sind ihm noch die Zäh­ne aus­ge­schla­gen wor­den, da­mit er nicht am Ge­biss iden­ti­fi­ziert werden kann. We­ni­ge Ta­ge spä­ter wird der Leich­nam ge­fun­den.

Die er­mit­teln­den Be­am­ten Mo­ritz Eis­ner (Ha­rald Krass­nit­zer) und Bi­bi Fell­ner (Ade­le Neu­hau­ser) ste­hen vor ei­nem Rät­sel. In mü­he­vol­ler Klein­ar­beit stellt sich dann her­aus, dass der un­be­kann­te To­te of­fen­bar ein Geld­bo­te des al­tern­den Groß­kri­mi­nel­len Dok­ta (Er­win St­ein­haus­ner) ge­we­sen ist. Aber wer wagt es schon, sich mit dem an­zu­le­gen? Ge­nau das will na­tür­lich auch der Dok­ta wis­sen, der sei­ne Hand­lan­ger los­schickt, den Mör­der und das ver­schwun­de­ne Geld – die Ma­rie – zu su­chen. Bei die­ser Jagd spie­len vor al­lem zwei schmie­ri­ge Ty­pen ei­ne ent­schei­den­de Rol­le: der dümm­lich ver­schla­ge­ne Pi­co (Chris­to­pher Schärf), der hofft, bald die Nach­fol­ge vom Dok­ta an­zu­tre­ten. Und der ge­ris­se­ne Alt­ga­no­ve Ju­kic (Jo­han­nes Krisch). Und bei all­dem mischt auch

„Tat­ort: Her mit der Ma­rie!“| ARD

Mit Ha­rald Krass­nit­zer und Ade­le Neu­hau­ser Sonn­tag, 20.15 Uhr ★★★★★

end­lich mal wie­der in ei­ner grö­ße­ren Rol­le In­kas­so-hein­zi (Si­mon Schwarz) mit. Er ist näm­lich in der Nä­he des Tat­orts von ei­ner Über­wa­chungs­ka­me­ra fo­to­gra­fiert wor­den, was Bi­bi – die mit In­kas­so-hein­zi schon lan­ge be­freun­det ist – ih­rem Kol­le­gen Eis­ner ver­schweigt. Ein Ver­trau­ens­bruch, den er ihr rich­tig übel nimmt.

Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den bei­den Er­mitt­lern und ih­re gut ein­ge­spiel­ten Ne­cke­rei­en ma­chen beim Zu­schau­en auch dies­mal wie­der sehr viel Spaß und las­sen ein we­nig die man­geln­de Span­nung ver­ges­sen. Auch die be­wuss­te Über­zeich­nung der Fi­gu­ren – vom Kom­mis­sar über den Po­li­zei-hi­wi bis zum Ober­gangs­ter – ist ein wei­te­rer Plus­punkt. Zu­dem gibt es meh­re­re klei­ne Sze­nen, die um­wer­fend ko­misch sind – bei­spiels­wei­se, wenn beim Ver­hör der Dok­ta mit­ge­brach­te ge­koch­te Eier or­dent­lich pellt und den aus­ge­hun­ger­ten Kom­mis­sa­ren, die das wort­los be­ob­ach­ten, da­bei of­fen­bar das Was­ser im Mun­de zu­sam­men­läuft.

Und dann sind da die tol­len Auf­trit­te von Si­mon Schwarz als In­kas­so-hein­zi. Sie loh­nen al­lein schon das An­schau­en die­ses alt­mo­di­schen Wie­ner Kri­mis, der fast oh­ne Ge­walt aus­kommt. Und der in den kom­men­den Fol­gen wohl lei­der auch oh­ne In­kas­so-hein­zi aus­kom­men muss.

Fo­to: Hu­bert Mi­can/ard

Was ist denn hier pas­siert? Die Wie­ner Er­mitt­ler Mo­ritz Eis­ner (Ha­rald Krass­nit­zer, l.), Bi­bi Fell­ner (Ade­le Neu­hau­ser, M.) und Tho­mas Stip­sits (r.) ste­hen am Fund­ort ei­ner ver­kohl­ten Lei­che vor ei­nem Rät­sel.

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