Die Luft­num­mer

Die Ei­ni­gung mit 6er Au­to­in6us­trie ist kom­pli­ziert / Um­welt­schüt­zer rech­nen mit wei­te­ren F|hr­ver­8o­ten

Dresdner Neueste Nachrichten - - WIRTSCHAFT - VON STE­FAN WIN­TER

BER­LIN. Der nächs­te Die­sel­gip­fel der Bun­des­re­gie­rung hat auch die nächs­ten Fra­gen auf­ge­wor­fen. Die wich­tigs­ten Ant­wor­ten zur neu­en Ver­ein­ba­rung der deut­schen Au­to­bau­er mit Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU):

Was wur­de ver­ein­bart?

Die drei deut­schen Kon­zer­ne BMW, Daim­ler und Volks­wa­gen ha­ben zu­ge­sagt, nach dem En­de ih­rer ak­tu­el­len Um­tausch­prä­mi­en ein wei­te­res Pro­gramm für sau­be­re­re Au­tos an­zu­bie­ten. Wer nach 2020 noch ei­nen Eu­ro-5-die­sel be­sitzt und in ei­ner der 15 „In­ten­siv­städ­te“mit ho­her Schad­stoff­be­las­tung wohnt, könn­te 3000 Eu­ro be­kom­men, um Die­sel-fahr­ver­bo­ten in den Städ­ten zu ent­ge­hen.

Daim­ler und VW sind be­reit, mit die­sem Geld auch die Nach­rüs­tung ih­rer Au­tos mit so­ge­nann­ten Scr-ka­ta­ly­sa­to­ren zu fi­nan­zie­ren. BMW lehnt das aus tech­ni­schen Grün­den ab und wird die 3000 Eu­ro wohl als wei­te­re Um­tausch­prä­mie beim Kauf ei­nes Neu­wa­gens an­bie­ten. Auch Daim­ler und VW dürf­ten das be­vor­zu­gen. Die tech­ni­sche Nach­rüs­tung ist al­so bei ih­nen zwar ei­ne Mög­lich­keit, in der Pra­xis dürf­te die ver­meint­li­che Nach­rüst­hil­fe aber vor al­lem auf 3000 Eu­ro Ein­tausch­prä­mie für Eu­ro-5-die­sel ab dem Jahr 2021 hin­aus­lau­fen – letzt­lich ei­ne Ver­län­ge­rung der ak­tu­el­len Pro­gram­me.

War­um ma­chen aus­län­di­sche Hersteller nicht mit?

Die Im­por­teu­re ha­ben auch schon die Be­tei­li­gung an ei­nem Fonds für Maß­nah­men zur Luf­t­rein­hal­tung ab­ge­lehnt. Je­des Land sei für sei­ne In­fra­struk­tur selbst ver­ant­wort­lich, heißt es et­wa bei Re­nault. Ver­kehrs­mi­nis­ter Scheu­er will die Im­por­teu­re noch ein­mal in die Pflicht neh­men.

Was bringt das Pro­gramm für die Luft?

Ver­mut­lich we­nig. 2021, wenn das 3000-Eu­ro-pro­gramm be­ginnt, sol­len nach der Vor­stel­lung von Bun­des­re­gie­rung und In­dus­trie längst an­de­re Maß­nah­men Wir­kung zei­gen. Das „Pro­gramm sau­be­re Luft“und der ak­tu­ell mit Ra­bat­ten ge­för­der­te Um­tausch al­ter in neue Au­tos sol­len Fahr­ver­bo­te bis da­hin ei­gent­lich schon über­flüs­sig ma­chen. Die jetzt be­schlos­se­ne Prä­mie von 2021 an ist nur die letz­te Stu­fe. Selbst Scheu­er be­zwei­felt po­si­ti­ve Ef­fek­te durch ei­ne Hard­wareNach­rüs­tung.

War­um star­tet das Pro­gramm so spät?

Es gibt zwar be­reits Nach­rüst­sys­te­me. Sie ha­ben aber kei­ne Mus­ter­zu­las­sung des Kraft­fahrt-bun­des­amts und sind of­fen­bar tech­nisch nicht voll aus­ge­reift. „Es gibt kei­ne ge­neh­mig­ten Hard­ware-nach­rüst­sät­ze“, sag­te Scheu­er. Der ADAC tes­tet ge­ra­de meh­re­re Sys­te­me der Hersteller Bau­mot Twin­tec, Ober­land-man­gold so­wie HJS. Der Au­to­club zieht zwar ein grund­sätz­lich po­si­ti­ves Zwi­schen­fa­zit, hat­te in­ner­halb we­ni­ger Mo­na­te aber auch meh­re­re Aus­fäl­le. Der be­vor­ste­hen­de Win­ter­be­trieb gilt als wei­te­re Be­wäh­rungs­pro­be. Zu­las­sun­gen und ei­nen Start der Mas­sen­pro­duk­ti­on soll es im nächs­ten Jahr ge­ben, vie­le Ex­per­ten rech­nen aber mit Ver­zö­ge­run­gen. „Bei der Ver­läss­lich­keit gibt es noch deut­lich Luft nach oben“, sag­te Scheu­er.

Was ver­birgt sich hin­ter der „Hard­ware-nach­rüs­tung“?

Um Stick­oxid­mo­le­kü­le auf­zu­bre­chen, ist ein zu­sätz­li­cher so ge­nann­ter SCR-KA- ta­ly­sa­tor nö­tig. Er funk­tio­niert mit der Ein­sprit­zung von Harn­stoff, ver­mark­tet als Ad­blue. We­gen des gro­ßen Auf­wands ver­such­ten Hersteller bei vie­len Mo­del­len, oh­ne das Sys­tem aus­zu­kom­men. Sie hal­ten Än­de­run­gen an der Soft­ware der Mo­tor­steue­rung für aus­rei­chend. Die Hard­ware-nach­rüs­tung kos­tet meh­re­re Tau­send Eu­ro.

War­um lehnt BMW die Nach­rüs­tung ab?

Die Hersteller hal­ten ge­ne­rell nichts da­von, VW und Daim­ler zei­gen sich le­dig­lich ge­schmei­di­ger. Auch sie ha­ben aber nicht vor, ei­ge­ne Nach­rüs­tung an­zu­bie­ten. Die Tech­nik braucht Platz, der bei der Kon­struk­ti­on der Au­tos nicht vor­ge­se­hen wur­de. Sie kann des­halb auch nicht in je­dem Mo­dell nach­ge­rüs­tet wer­den.

Au­ßer­dem fürch­ten die Hersteller ei­nen hö­he­ren Ver­brauch und da­mit auch hö­he­re CO2 -Wer­te – der SCR-KAT fil­tert nur Stick­oxid her­aus. Bis­her leh­nen die Au­to­bau­er auch die Ge­währ­leis­tung für Ka­ta­ly­sa­to­ren von Zu­lie­fe­rern ab. Nach ih­ren Richt­li­ni­en wä­ren um­fang­rei­che Test­läu­fe nö­tig.

Wird die Nach­rüs­tung ei­ne Zu­fahrt zu den Städ­ten ga­ran­tie­ren?

Das wird erst klar sein, wenn die Sys­te­me ein­satz­fä­hig und für die ver­schie­de­nen Mo­to­ren ge­tes­tet sind. Nach den ers­ten Adac-er­fah­run­gen re­du­zie­ren sie den Stick­oxid­aus­stoß deut­lich, aber ob das in je­dem Fall rei­chen wird, ist of­fen. Das letz­te Wort könn­te dann bei Ge­rich­ten lie­gen, die auch in den ak­tu­el­len Ver­fah­ren schon ent­schei­den, wel­che Ab­gas­norm für die Fahrt in die Stadt er­füllt sein muss. Für meh­re­re Städ­te – zu­letzt Köln und Bonn – ha­ben Ge­rich­te be­reits Fahr­ver­bo­te er­zwun­gen.

Beim Kraft­fahrt­bun­des­amt (KBA) gibt es in­zwi­schen ers­te An­trä­ge für Hard­ware-nach­rüs­tun­gen bei Die­sel-pkw. „Dem KBA lie­gen der­zeit vier An­trä­ge zwei­er Hersteller vor“, heißt es in der Ant­wort des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um.

Fo­to: Jens Bütt­ner/zb/6p|

Der Die­sel-streit treibt re­gel­mä­ßig auch Um­welt­schüt­zer auf die Stra­ße, um ge­gen die Luft­be­las­tung durch CO2 und Stick­oxi­de zu pro­tes­tie­ren.

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