Der Klang von rau­chen­den Colts

Der Kom­po­nist En­nio Mor­ri­co­ne wird 90

Dresdner Neueste Nachrichten - - KULTUR - VON AN­NET­TE REUTHER

En­nio Mor­ri­co­ne winkt ab, wenn es um Fra­gen nach sei­nem heu­ti­gen Ge­burts­tag geht. Den 90. will er im Fa­mi­li­en­kreis fei­ern. Aber er wird an gro­ßen Wür­di­gun­gen nicht vor­bei­kom­men. Wer sei­ne Mu­sik hört, muss ei­gent­lich gar nicht ins Ki­no. Und wer sie hört, trägt ei­nen Ohr­wurm da­von.

Fil­me wie „Die glor­rei­chen Ha­lun­ken“, „Ei­ne Hand­voll Dol­lar“oder „Spiel mir das Lied vom Tod“wur­den zur Le­gen­de. Mor­ri­co­ne wird für im­mer mit den Ita­lo-wes­tern Ser­gio Leo­nes in Ver­bin­dung blei­ben. Die bei­den wa­ren zwar zu­sam­men in der Grund­schu­le in Rom, ver­lo­ren dann aber den Kon­takt. Ein Glücks­fall für die Film­ge­schich­te, dass sie sich in den 60ern wie­der­tra­fen.

Ein Per­fek­tio­nist ist Mor­ri­co­ne, man­che sa­gen ein Be­ses­se­ner. „An der Me­lo­die ar­bei­tet man. Oft ha­be ich ge­schrie­ben und dann ha­be ich ei­ne No­te ge­än­dert, weil mir ge­nau die­se No­te un­er­träg­lich auf den Sack ging“, er­zählt er. Über all der Ar­beit in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ha­be er sei­ne Frau ver­nach­läs­sigt. „Es ist wirk­lich rich­tig scha­de, dass ich nicht mehr Zeit mit Ma­ria ver­bracht ha­be.“Viel mehr Zeit ha­be er Orches­tern und Re­gis­seu­ren ge­schenkt.

In sei­ner 60 Jah­re wäh­ren­den Kar­rie­re hat er für rund 450 Fil­me die Mu­sik kom­po­niert und mit den wich­tigs­ten Re­gis­seu­ren zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Von Bri­an De Pal­ma („The Un­toucha­bles“) über Ro­man Polan­ski („Fran­tic“) und Bar­ry Le­vin­son („Bug­sy“) bis hin zu Gi­u­sep­pe Tor­na­to­re („Ci­ne­ma Pa­ra­di­so“, „Die Le­gen­de des Oze­an­pia­nis­ten“). Er ge­wann sämt­li­che Prei­se von Gol­den Glo­bes über Baf­t­as bis hin zum Gram­my. Aber erst spät hielt er die Sta­tue in den Hän­den, die ihm sei­ner Mei­nung nach ei­gent­lich schon viel frü­her zu­ge­stan­den hät­te: den Os­car. 2007 be­kam er zwar den Eh­re­nos­car für sein Le­bens­werk, aber erst 2016 für die bes­te Film­mu­sik in Qu­en­tin Ta­ran­ti­nos „The Ha­te­ful Eight“.

Mitt­ler­wei­le kom­po­niert Mor­ri­co­ne nicht mehr für Fil­me. Er lebt in sei­ner Hei­mat­stadt Rom im Mit­tel­klas­se-vier­tel EUR in ei­nem Pent­house mit Blick auf die Stadt. Grün ist es hier und nicht so hek­tisch wie im Zen­trum. Ein Kla­vier steht in der Woh­nung ne­ben un­zäh­li­gen Va­sen, Ge­fä­ßen und an­ti­ken Mö­beln. Der Ma­e­s­tro mit der mar­kan­ten Bril­le wirkt im­mer noch sehr fit, en­ga­giert.

Auch wenn er kei­ne Film­mu­sik mehr kom­po­niert: Er gibt im­mer noch Li­vekon­zer­te. Wenn er auf die Büh­ne geht, spürt man fast die Ehr­furcht der Mu­si­ker. Das Pu­bli­kum wirkt be­seelt, wenn die ers­ten Hits er­tö­nen. Er sei im­mer noch ein we­nig ner­vös, wenn er live di­ri­gie­re, sag­te er. Denn Feh­ler kann er schlecht er­tra­gen.

Auch in Deutsch­land wird sich Mor­ri­co­ne noch ein­mal zei­gen. Am 21. Ja­nu­ar steht sein Ab­schluss­kon­zert in Ber­lin an. Und drei Ta­ge vor sei­nem 90. Ge­burts­tag ist er im Kreml in Mos­kau auf­ge­tre­ten.

En­nio Mor­ri­co­ne

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