Wor­über la­chen un­se­re Nach­barn?

Heu­te be­gin­nen die Ost­eu­ro­päi­schen Film­ta­ge im Ki­no in der Fa­b­rik

Dresdner Neueste Nachrichten - - BÜHNE DRESDEN - VON TAN­JA TRÖ­GER

Dass sich über Hu­mor treff­lich strei­ten lässt, ist ei­ne Bin­sen­weis­heit. Wäh­rend sich die ei­nen über Kau­ris­mä­kis skur­ri­le Ge­schich­ten amü­sie­ren, klop­fen sich an­de­re bei Pi­pi-ka­cka-wit­zen auf die Schen­kel oder lie­ben die Scher­ze ra­ben­schwarz und bit­ter­bö­se. Aber ist das Hu­mor­ver­ständ­nis auch von der Na­tio­na­li­tät, von der Lan­des­kul­tur ab­hän­gig? Die­ser Fra­ge ge­hen die Ma­cher der Ost­eu­ro­päi­schen Film­ta­ge nach. Sie be­gin­nen am Sonn­abend und lau­fen bis zum 18. No­vem­ber im Dresd­ner Ki­no in der Fa­b­rik (KIF) .

Zehn Fil­me la­den die Zu­schau­er ein, die Viel­falt des Hu­mors zu ent­de­cken. „Wir wol­len zei­gen: Wor­über la­chen un­se­re Nach­barn“, er­läu­tert Mir­ko Schö­ne, Vor­stands­mit­glied im Ki­no­fa­brik e. V.. „Da­bei kann man na­tür­lich auch hin­ter­fra­gen, ob Hu­mor uni­ver­sell ist, ob man über die glei­chen Din­ge lacht wie Men­schen aus an­de­ren Län­dern oder nicht.“Der Ki­no­fan fügt ein Bei­spiel an: „Der Aus­flug“, ein pol­ni­scher Film aus dem Jahr 1970, sei bei un­se­ren Nach­barn ab­so­lu­ter Kult, aber er selbst ha­be nur leicht dar­über schmun­zeln kön­nen. „Da­für ha­be ich mich beim tsche­chi­schen ,Feu­er­wehr­ball‘ sehr amü­siert, weil der die­se Feu­er­wehr­trup­pe völ­lig de­mon­tiert.“Auch Ko­mö­di­en-klas­si­ker wie „Ret­te sich wer kann“(SU 1961), „Lauf, Ober, lauf“(CSSR 1981) und Kus­tu­ricas „Schwar­ze Kat­ze, wei­ßer Ka­ter“(F/ser­bi­en 1998) wer­den auf den Kif-lein­wän­den zu se­hen sein – ei­ni­ge als re­stau­rier­te Di­gi­tal-fas­sung, an­de­re wie der „Ober“als klas­si­sche 35-mm-film­ko­pie.

Den wis­sen­schaft­li­chen „Un­ter­bau“zum Hu­mor-schwer­punkt lie­fert das In­sti­tut für Sla­vis­tik der TU Dres­den. Dort läuft ei­ne Se­mi­nar­rei­he zu „Lach­kul­tu­ren und Hu­mor­dis­kur­sen“. Ex­per­ten der TU wer­den an zwei Aben­den lo­cke­re Ein­füh­run­gen in den län­der­ty­pi­schen Hu­mor Po­lens, Tsche­chi­ens, Russ­lands und Ex-ju­go­sla­wi­ens ge­ben.

Mir­ko Schö­nes Fa­vo­rit „Feu­er­wehr­ball“bil­det die Ver­bin­dung zu ei­nem Mi­nischwer­punkt der ost­eu­ro­päi­schen Film­ta­ge: das 50. Ju­bi­lä­um des Pra­ger Früh­lings. „Der Film war ver­bo­ten, wur­de 1968 noch mal kurz ge­zeigt und dann wie­der ver­bo­ten“, so der Ci­ne­ast. Nach ei­nem Vor­trag zu den Fil­men des Pra­ger Früh­lings läuft am 14. No­vem­ber „Der Lei­chen­ver­bren­ner“, ei­ne bit­ter­bö­se Pa­ra­bel über Fa­schis­mus, Mit­läu­fer­tum und Op­por­tu­nis­mus, die trotz ih­rer 50 Jah­re im­mer noch ak­tu­ell ist.

Ak­tu­el­le Pro­duk­tio­nen aus Ost­eu­ro­pa bil­den den zwei­ten gro­ßen Schwer­punkt der kom­plett eh­ren­amt­lich or­ga­ni­sier­ten Film­ta­ge. Die drei Haupt­or­ga­ni­sa­to­ren vom Ki­no­fa­brik-ver­ein, Eva Gr­ü­bel-hoff­mann, Frank Apel und Mir­ko Schö­ne, neh­men Fil­me ins Pro­gramm, die sie auf der Ber­li­na­le, beim Film­fes­ti­val Cott­bus, dem Nei­ße-film­fes­ti­val oder den rus­si­schen Film­ta­gen Ber­lin ent­deckt ha­ben. Be­wusst ha­ben sie den pol­ni­schen Ber­li­na­le-preis­trä­ger „Die Mas­ke“als Er­öff­nungs­film der Ost­eu­ro­päi­schen Film­ta­ge aus­ge­wählt. „Der schlägt vie­le The­men an und ist auch op­tisch gut ge­macht“, lobt Schö­ne. „Es geht dar­um, Ge­sicht zu zei­gen, sein Ge­sicht zu wah­ren, die Hal­tung zu be­wah­ren.“

An­de­re Fil­me wie den mo­der­nen Stumm­film „Tod­ma­chi­ne“emp­feh­len die Part­ner, et­wa von den Tsche­chisch-deut­schen Kul­tur­ta­gen. „Ei­ni­ge Fil­me, auf die wir sehr neu­gie­rig sind, weil wir Gu­tes dar­über ge­le­sen ha­ben, neh­men wir auch un­be­se­hen ins Pro­gramm“, sagt Schö­ne. Er selbst sei we­gen der Ins­ze­nie­rung und der Bil­der sehr ge­spannt auf „No­vem­ber“, ein dunk­les Er­wach­se­nen-mär­chen aus Est­land. „Das soll an das Ki­no von Tar­kow­ski und Be­la Tarr er­in­nern, und die mag ich bei­de sehr.“

Auch klei­ne Tra­di­tio­nen ha­ben die Ost­eu­ro­päi­schen Film­ta­ge be­reits: „Wir ver­su­chen, jun­ge Fil­me­ma­cher zu be­glei­ten“, so Schö­ne. „Wir zei­gen die jüngs­ten Ar­bei­ten von Re­gis­seu­ren, die schon mal mit ei­nem Film in un­se­rem Pro­gramm ver­tre­ten wa­ren.“Und na­tür­lich darf die „Si­bi­ria­de“nicht feh­len, M.-kont­scha­low­skis mo­nu­men­ta­les Epos. Der Drei­ein­halb­stün­der wird von ei­nem def­ti­gen rus­si­schen Früh­stück un­ter­bro­chen – mit Ge­mü­se, Fisch, Wod­ka und na­tür­lich Kno­bi.

Die Lie­be zu den gro­ßen Re­gis­seu­ren aus Po­len, Russ­land oder Tsche­chi­en war es auch, die die Mit­glie­der Ki­no­fa­brik e.v. ver­an­lass­te, 2013 die Ost­eu­ro­päi­schen Film­ta­ge ins Le­ben zu ru­fen. „Vie­le von uns lie­ben die­se al­ten so­wje­ti­schen Fil­me. Die wa­ren zu Ddr-zei­ten häu­fig in den Ki­nos zu se­hen, aber das ist nach der Wen­de ein­ge­schla­fen – da­bei ma­chen die Ost­eu­ro­pä­er im­mer noch vie­le und gu­te Fil­me“, re­sü­miert Ver­eins­vor­stand Schö­ne. „Wir möch­ten ein­fach Fil­men aus un­ter­re­prä­sen­tier­ten Län­dern ein Podium bie­ten.“

➦ Pro­gramm un­ter www.ki­no­fa­brik-dres­den.de

Fo­to: PR

Der pol­ni­sche Film „Die Mas­ke" er­öff­net die Ost­eu­ro­päi­schen Film­ta­ge: Hea­vy-me­tal­fan Jacek wird durch ei­nen Ar­beits­un­fall auf der Bau­stel­le voll­kom­men ent­stellt.

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