Land schickt Leh­rer von Gym­na­si­en an Grund­schu­len

Päd­ago­gen er­fah­ren nach dem Ur­laub per E-mail von ih­rer Ab­ord­nung / Kul­tus­mi­nis­te­ri­um: Un­ter­richts­ver­sor­gung an Grund­schu­len hat Vor­rang

Eichsfelder Tageblatt - - Erste Seite - Von Hei­ko Ran­der­mann

Han­no­ver. Im Kampf ge­gen die schlech­te Un­ter­richts­ver­sor­gung an Nie­der­sach­sens Grund­schu­len müs­sen jetzt Gym­na­si­al­leh­rer aus­hel­fen: Das Land lässt Päd­ago­gen ab­ord­nen, um Lö­cher an den Grund­schu­len zu stop­fen. Der Phi­lo­lo­gen­ver­band be­rich­tet über Un­mut un­ter den be­trof­fe­nen Leh­rern und kri­ti­siert, dass die be­fris­te­ten Ver­set­zun­gen den Lehrer­man­gel an den Gym­na­si­en ver­stärk­ten.

Die Schul­lei­ter an den Gym­na­si­en sei­en an­ge­wie­sen wor­den, ei­ne be­stimm­te An­zahl von Leh­rer­stun­den an an­de­re Schul­for­men ab­zu­ge­ben, ins­be­son­de­re Grund­schu­len, sag­te Phi­lo­lo­gen­chef Horst Au­dritz der HAZ. Die­ser An­ord­nung müss­ten sie auch Fol­ge leis­ten, wenn die Gym­na­si­en selbst un­ter Lehrer­man­gel lit­ten.

Au­dritz be­rich­te­te von Leh­rern, die nach ih­rer Rück­kehr aus dem Ur­laub ei­ne E-mail vor­ge­fun­den hät­ten, in der sie über ih­re be­fris­te­te Ver­set­zung in­for­miert wor­den sei­en. Vie­le Päd­ago­gen sei­en sau­er, dass die Pla­nung so spät er­folgt sei. „Bei uns lau­fen die Te­le­fo­ne heiß“, sag­te er. „Vie­le er­su­chen uns um Rechts­schutz.“Be­am­ten­recht­lich sei aber oft nicht viel zu ma­chen: Bis zu ei­nem hal­ben Jahr kön­ne ein Be­am­ter auch oh­ne sein Ein­ver­ständ­nis von sei­nem Di­enst­herrn ab­ge­ord­net wer­den.

Ein Spre­cher des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums ver­tei­dig­te die Ab­ord­nun­gen. „Ei­ne aus­kömm­li­che Un­ter­richts­ver­sor­gung und die Si­che­rung des Pflicht­un­ter­richts ha­ben für die Lan­des­re­gie­rung höchs­te Prio­ri­tät“, heißt es in ei­ner Er­klä­rung. Die Grund­schu­le ha­be da­bei Vor­rang, denn hier ge­be es den An­spruch auf ei­ne ver­läss­li­che Be­treu­ung bis 13 Uhr. „Da­bei ist be­kannt, dass ins­be­son­de­re an Grund­schu­len im länd­li­chen Raum Neu­ein­stel­lun­gen nicht leicht zu rea­li­sie­ren sind.“Des­halb grei­fe man auf Ab­ord­nun­gen oder Ver­set­zun­gen zu­rück.

Die Un­ter­richts­ver­sor­gung in Nie­der­sach­sen ist seit Län­ge­rem nicht aus­rei­chend. Laut jüngs­ten Zah­len lag die Ver­sor­gung im ver­gan­ge­nen Schul­jahr im Schnitt bei 98,9 Pro­zent. Dar­in nicht ent­hal­ten sind kurz­fris­ti­ge Aus­fäl­le, et­wa durch Krank­hei­ten. Der Pflicht­un­ter­richt kann in der Re­gel auch bei un­ter 100 Pro­zent er­teilt wer­den, doch je wei­ter sich die Ver­sor­gung da­von ent­fernt, des­to we­ni­ger Puf­fer ist im Sys­tem.

In den kom­men­den Jah­ren wer­de sich der Lehrer­man­gel bun­des­weit wei­ter ver­schär­fen, warnt der Deut­sche Leh­rer­ver­band. „Wir müs­sen ganz schnell um­steu­ern: Plan­stel­len schaf­fen, die Leh­rer­wer­bung ver­stär­ken, Päd­ago­gen nach­qua­li­fi­zie­ren“, sag­te der Ver­bands­vor­sit­zen­de Heinz-pe­ter Mei­din­ger. „Wenn das nicht pas­siert, gibt es für die Län­der drei Stell­schrau­ben: grö­ße­re Klas­sen, hö­he­re Leh­rer­ar­beits­zei­ten, we­ni­ger Un­ter­richt. Das ist ein Sze­na­rio, vor dem ich nur sehr war­nen kann.“In Nie­der­sach­sen star­ten in die­ser Woche rund 800 000 Schü­ler ins neue Schul­jahr. Das sind rund 6500 mehr als 2016/2017.

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