Lie­ber Mensch, der wie ein Jun­ge aus­sieht

Ams­ter­dam will ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Be­grif­fe aus dem Sprach­ge­brauch ver­ban­nen

Eichsfelder Tageblatt - - Erste Seite - Von Hel­mut Het­zel

Ams­ter­dam. Die An­re­den: „Sehr ver­ehr­te Frau ...“oder „Sehr ge­ehr­ter Herr ...“– weg da­mit. Statt­des­sen soll es in Ams­ter­dam künf­tig hei­ßen: „Bes­te Men­sen“– lie­be Men­schen. Ta­bu sol­len auch Be­grif­fe wie „Ehe­mann“und „Ehe­frau“oder „Va­ter“und „Mut­ter“sein. Die sind künf­tig nur noch: die El­tern. Die „Ho­mo­ehe“wird er­setzt durch die Wor­te „ei­ne Ehe zwi­schen glei­chen Ge­schlech­tern“. Und man wird auch nicht mehr als „Jun­ge“oder als „Mäd­chen“ge­bo­ren, son­dern als je­mand, „der wie ein Jun­ge oder wie ein Mäd­chen aus­sieht“.

So steht es wort­wört­lich im „Het Nieuw­spraak Wo­or­den­bo­ek van de Ge­me­en­te Ams­ter­dam“, Edi­ti­on 2017 – dem neu­sprach­li­chen

Wör­ter­buch der Stadt Ams­ter­dam, an dem sich al­le An­ge­stell­ten und Be­am­ten der hol­län­di­schen Haupt­stadt fort­an ori­en­tie­ren sol­len. Hin­ter­grund: In Ams­ter­dam muss al­les „gender­neu­tral“sein, sprich: Das Ge­schlecht

darf in der Spra­che kei­ne Rol­le mehr spie­len.

„Ich be­kom­me ei­nen Lach­an­fall, wenn ich das le­se. Na­tür­lich ha­ben wir Re­spekt vor Män­nern und Frau­en und auch vor Per­so­nen mit ei­ner an­de­ren se­xu­el­len Ver­an­la­gung. Aber man muss doch noch sa­gen kön­nen: Das ist ein Mann. Das ist ei­ne Frau“, sagt die Ab­ge­ord­ne­te der Christ­de­mo­kra­ten, Mo­na Kei­jzer.

„Ich ha­be die Fuß­ball-em der Frau­en mit gro­ßem In­ter­es­se im Fern­se­hen ver­folgt. Aber muss ich jetzt fort­an sa­gen, ich ha­be Men­schen Fuß­ball spie­len se­hen, die aus­sa­hen wie Frau­en. Das ist doch lä­cher­lich“, mo­kiert sich Mar­tin Bos­ma von der rechts­po­pu­lis­ti­schen PVV. Aber wer weiß, vi­el­leicht wer­den po­li­tisch kor­rek­te Be­am­te bald vor­schrei­ben, dass wir von „schwan­ge­ren Men­schen“zu spre­chen ha­ben, weil Frau­en nach dem po­li­tisch kor­rek­ten Duk­tus sonst dis­kri­mi­niert wür­den. Ei­ne Frau und schwan­ger – das geht gar nicht. Zu­min­dest in Ams­ter­dam.

FO­TO: DPA

Mann oder Frau? Ei­gent­lich egal – nicht nur beim Pri­de­walk in Ams­ter­dam, son­dern auch in der nie­der­län­di­schen spra­che.

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