Wer Wan­del will, setzt auf Di­plo­ma­tie

Eichsfelder Tageblatt - - Blick In Die Zeit -

Be­gin­nen wir mit dem Po­si­ti­ven: Sank­tio­nen sind bes­ser als Krieg. Wenn Re­gie­run­gen mei­nen, ein­an­der un­ter Druck setz­ten zu müs­sen, ist es al­le­mal klü­ger, Han­del zu ver­hin­dern, als Bom­ben zu wer­fen. Das war es dann aber auch schon, was es Gu­tes zu sa­gen gibt. An­sons­ten gilt für Sank­tio­nen: Sie lö­sen sel­ten Kon­flik­te, tref­fen oft die Fal­schen, brin­gen meis­tens nichts.

Neh­men wir das Bei­spiel Nord­ko­rea. Schon 2006 hat­ten die Ver­ein­ten Na­tio­nen wirt­schaft­li­che Sank­tio­nen ge­gen die St­ein­zeit-kom­mu­nis­ten von Pjöng­jang be­schlos­sen. Ins­ge­samt sechs­mal wur­den die Stra­fen seit­her ver­schärft. Doch der wirt­schaft­li­che Druck hat we­der das Fa­mi­li­en­re­gime der Kims de­sta­bi­li­siert, noch hat es die Mi­li­tärs ab­ge­hal­ten, ihr Ra­ke­ten- und Atom­pro­gramm vor­an­zu­trei­ben. Erst am Frei­tag tes­te­te Nord­ko­rea er­folg­reich ei­ne In­ter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­te. Macht­ha­ber Kim Jong-un schwa­dro­nier­te tags dar­auf gar von ei­nem mög­li­chen Erst­schlag ge­gen die USA.

Wie ver­hee­rend ein Em­bar­go da­ge­gen für die Zi­vil­be­völ­ke­rung sein kann, zeigt das Bei­spiel Irak. Nach dem An­griff auf Ku­wait 1990 er­lie­ßen die UN ei­ne to­ta­le Wirt­schafts­blo­cka­de ge­gen das Reich Sad­dam Hus­seins. In der Fol­ge kol­la­bier­te die Wirt­schaft – und die Kin­der­sterb­lich­keit stieg dra­ma­tisch an. Stu­di­en ge­hen von Hun­dert­tau­sen­den Kin­dern aus, die in­fol­ge der Sank­tio­nen ge­stor­ben sind. Dik­ta­tor Hus­sein hin­ge­gen leb­te bis 2003 in sei­nen Pa­läs­ten.

De­mo­kra­ten und Re­pu­bli­ka­ner in den USA soll­ten das be­den­ken, wenn sie nun Sank­tio­nen ge­gen Russ­land ver­schär­fen und die für das Land le­bens­not­wen­di­gen Ener­gie­ex­por­te be­schnei­den wol­len. Of­fi­zi­ell soll Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin für sein mi­li­tä­ri­sches Ein­grei­fen in der Ukrai­ne be­straft wer­den. Aber na­tür­lich spielt auch die nach wie vor un­ge­lös­te Frage ei­ne Rol­le, wel­che Ver­bin­dung der heu­ti­ge Usprä­si­dent Do­nald Trump im Wahl­kampf zum Kreml un­ter­hal­ten hat. Die Ame­ri­ka­ner tä­ten gut dar­an, erst ein­mal ih­re ei­ge­nen in­nen­po­li­ti­schen Kon­flik­te zu lö­sen, be­vor sie neue au­ßen­po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen pro­vo­zie­ren. Und die sind so gut wie si­cher, wenn Eu­ro­pas Ener­gie­ver­sor­gung in­fol­ge der Us-sank­tio­nen ge­gen Russ­land in Ge­fahr ge­rät.

Die bit­te­re Wahr­heit ist, dass au­to­ri­tä­re Staats­chefs, de­ren Län­der mit Sank­tio­nen oder Em­bar­gos be­legt wer­den, eher län­ger als kür­zer im Amt blei­ben. Sie nei­gen da­zu, noch här­ter ge­gen das ei­ge­ne Volk vor­zu­ge­hen und die Op­po­si­ti­on noch bru­ta­ler zu un­ter­drü­cken. Und sie ha­ben ei­nen Schul­di­gen, wenn es mit der Wirt­schaft nicht mehr läuft. Sank­tio­nen wir­ken des­halb mit­un­ter so­gar sta­bi­li­sie­rend auf Dik­ta­tu­ren.

Wer ech­ten Wan­del will, setzt auf Di­plo­ma­tie. Auf in­ter­na­tio­na­le Ko­ali­tio­nen. Auf An­nä­he­rung. Staa­ten­len­ker wie Wil­ly Brandt, Hel­mut Kohl und Mich­ail Gor­bat­schow hat­ten das be­grif­fen. Ih­re Nach­fol­ger soll­ten sich dar­an er­in­nern.

Die bit­te­re Wahr­heit ist, dass Sank­tio­nen mit­un­ter so­gar sta­bi­li­sie­rend auf Dik­ta­tu­ren wir­ken.

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