So vie­le Fra­gen

Zwölf Aus­schüs­se in fünf Jah­ren zum NSU

Eichsfelder Tageblatt - - Blick In Die Zeit -

Zwölf Un­ter­su­chungs­aus­schüs­se wur­den bis­lang von Ja­nu­ar 2012 an ein­ge­setzt, um sich mit den vie­len of­fe­nen Fra­gen zur um­fang­reichs­ten rechts­ter­ro­ris­ti­schen Mord­se­rie in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik zu be­fas­sen: zwei im Deut­schen Bun­des­tag, je zwei in den Län­der­par­la­men­ten von Thü­rin­gen, Sach­sen und Ba­den-würt­tem­berg so­wie je­weils ei­ner in Bay­ern, Hes­sen, Nord­rheinwest­fa­len und Bran­den­burg. Zu­dem er­wägt nun auch der Land­tag in Meck­len­burg-vor­pom­mern die Auf­stel­lung ei­nes Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses, um beim Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen und der Ge­ne­ral­bun­des­an­walt­schaft Ak­ten­ein­sicht zu er­hal­ten. Ei­nem bis­her mit der Au­f­ar­bei­tung des Nsu-ter­rors be­auf­trag­ten Un­ter­aus­schuss des In­nen­aus­schus­ses fehl­ten da­für die Voll­mach­ten.

Im Kern ging und geht es in al­len Gre­mi­en um die Frage, wel­che Ver­säum­nis­se Bund und Län­dern im Kampf ge­gen den Rechts­ter­ro­ris­mus vor­zu­wer­fen sind: Wel­che Er­kennt­nis­se la­gen den Si­cher­heits- und Er­mitt­lungs­be­hör­den seit den frü­hen Neun­zi­ger­jah­ren zum NSU-TRIO Böhn­hardt, Mund­los und Zschä­pe vor? Wie tief wa­ren die Be­hör­den über V-leu­te in rechts­ex­tre­me Struk­tu­ren ver­strickt? Wie kon­se­quent wur­de im Um­feld des Nsu-tri­os nach Un­ter­stüt­zern und Hin­ter­män­nern er­mit­telt? Und: Ha­ben die Be­hör­den durch Un­tä­tig­keit oder die Falsch­be­wer­tung von In­for­ma­tio­nen das Ent­ste­hen ei­nes rech­ten Ter­ror­netz­werks be­güns­tigt?

Der zwei­te Bun­des­tags­aus­schuss, der so­ge­nann­te Nsu-ii-aus­schuss, kam En­de Ju­ni in sei­nem meh­re­re Hun­dert Sei­ten star­ken Ab­schluss­be­richt zu eben die­ser Ein­schät­zung: Das Ter­ror­trio be­kam brei­te Un­ter­stüt­zung – und die Be­hör­den ha­ben es ver­säumt, den rech­ten Sumpf durch kon­se­quen­te­re Er­mitt­lun­gen im wei­te­ren Um­feld der Haupt­tä­ter tro­cken­zu­le­gen. Für Spd-ob­mann Uli Grötsch blei­ben nach dem Fa­zit des Nsu-ii-aus­schus­ses wei­ter­hin mehr of­fe­ne als ge­klär­te Fra­gen: „Ich hal­te ei­ne rechts­ter­ro­ris­ti­sche Struk­tur, wie es der NSU war, auch heu­te noch für mög­lich“, mahn­te er En­de Ju­ni. „Des­halb bin ich fest da­von über­zeugt, dass die Auf­klä­rungs­ar­beit nicht mit dem En­de des Aus­schus­ses ab­ge­schlos­sen ist, son­dern wei­ter­be­trie­ben wer­den muss.“

Es sieht al­so ganz so aus, als wür­de der Nsu-kom­plex die Par­la­men­te auch dann noch be­schäf­ti­gen, wenn im Pro­zess ge­gen Beate Zschä­pe längst ein Ur­teil ge­fal­len ist.

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