Dunk­le Wol­ken über Kauf­hof

Mit­ar­bei­ter ver­un­si­chert we­gen Kür­zung der Her­mes-ga­ran­ti­en für Deutsch­lands größ­te Wa­ren­haus­ket­te

Eichsfelder Tageblatt - - Wirtschaft - Von Erich Rei­mann und Chris­ti­an Wöl­bert

Düs­sel­dorf/han­no­ver. Die über­ra­schen­de Kür­zung von Kre­dit­zu­sa­gen ver­un­si­chert Mit­ar­bei­ter und Part­ner der Wa­ren­haus­ket­te Ga­le­ria Kauf­hof. „Die Be­triebs­rä­te be­rich­ten von gro­ßen Sor­gen der Be­schäf­tig­ten“, sagt An­ne Kie­sow von der Ge­werk­schaft DHV. Die Nach­richt ver­schär­fe die oh­ne­hin an­ge­spann­te Si­tua­ti­on. Die DHV stellt zwei der drei Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter im Kauf­hof-auf­sichts­rat.

Die Be­triebs­rä­te er­fuh­ren wie die rest­li­chen rund 21 000 Kauf­hof-mit­ar­bei­ter ver­gan­ge­ne Woche aus den Me­di­en vom Ver­trau­ens­ver­lust des Kre­dit­ver­si­che­rers Eu­ler Her­mes. Die­ser hat­te die Kre­dit­ga­ran­ti­en, mit de­nen er Kauf­hof-lie­fe­ran­ten die Be­zah­lung ih­rer Rech­nun­gen ga­ran- tiert, deut­lich zu­sam­men­ge­stri­chen.

Kauf­hof ver­sucht, das Ver­trau­en sei­ner Part­ner zu­rück­zu­ge­win­nen. Selbst­ver­ständ­lich wer­de man auch in Zu­kunft al­len „fi­nan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen pünkt­lich nach­kom­men“, heißt es in ei­nem Brief an die Lie­fe­ran­ten. Die ka­na­di­sche Mut­ter­ge­sell­schaft Hud­son’s Bay Com­pa­ny (HBC) kön­ne auf ei­ne Kre­dit­li­nie von 2,25 Mil­li­ar­den Dol­lar zu­rück­grei­fen.

Den­noch dürf­te die Wa­ren­be­schaf­fung für Kauf­hof hier und da müh­sa­mer wer­den, heißt es in der Bran­che. Zu­dem be­rich­tet das „Ma­na­ger Ma­ga­zin“, dass Kauf­hof höchs­tens 350 Mil­lio­nen Dol­lar aus der Hbc-kre­dit­li­nie nut­zen kön­ne und die Hälf­te da­von be­reits in An­spruch ge­nom­men ha­be. Die Kauf­hof-pres­se­stel­le de­men­tier­te das auf An­fra­ge nicht, be­ton­te aber, dass man „pro­blem­los al­le Wa­ren­ein­käu­fe für das an­ste­hen­de Weih­nachts­ge­schäft tä­ti­gen“kön­ne.

Schon seit Jah­ren steckt der klas­si­sche Mo­de­han­del in Deutsch­land in der Kri­se. Der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung (GFK) zu­fol­ge la­gen die Um­sät­ze in den ers­ten sechs Mo­na­ten die­ses Jah­res um 2,9 Pro­zent un­ter dem Vor­jah­res­ni­veau. Ver­ant­wort­lich da­für ist nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten nicht nur der Boom des On­line­han­dels. Be­merk­bar ma­chen sich auch die rück­läu­fi­gen Be­su­cher­zah­len in den In­nen­städ­ten und die Er­fol­ge von preis­ag­gres­si­ven Ket­ten wie Pri­mark, H&M oder Za­ra.

Kauf­hof hat­te sich vom Ab­wärts­trend ab­kop­peln wol­len. Als HBC das Un­ter­neh­men im Herbst 2015 über­nahm, hat­ten die Ka­na­di­er gro­ße Plä­ne mit ih­rer 2,8 Mil­li­ar­den Eu­ro teu­ren Neu­er­wer­bung. Rund ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro woll­ten sie in die Hand neh­men, um die Lä­den auf­zu­wer­ten und das On­li­ne­ge­schäft aus­zu­bau­en. Doch bis­lang ging die Rech­nung nicht auf. Das ver­gan­ge­ne Weih­nachts­ge­schäft brach­te ein Um­satz­mi­nus von 2 Pro­zent.

Auch beim Mut­ter­kon­zern lau­fen die Ge­schäf­te nicht rund. HBC rutsch­te im Ge­schäfts­jahr 2016/2017 tief in die ro­ten Zah­len. Für die zwölf Mo­na­te bis En­de Ja­nu­ar wies der Kon­zern ei­nen Net­to­ver­lust von 516 Mil­lio­nen ka­na­di­schen Dol­lar (et­wa 360 Mil­lio­nen Eu­ro) aus.

Der Schritt von Eu­ler Her­mes kam für vie­le Ex­per­ten den­noch über­ra­schend. Doch ist der Kre­dit­ver­si­che­rer ein ge­brann­tes Kind. Bei der Plei­te des frü­he­ren Kar­stadt-mut­ter­kon­zerns Ar­can­dor 2009 hat­te das Un­ter­neh­men für of­fe­ne For­de­run­gen von Lie­fe­ran­ten ge­ra­de­ste­hen müs­sen. Der Scha­den wur­de auf ei­nen zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag ge­schätzt.

FO­TO: DPA

Of­fen­si­ve ver­pufft: Auch un­ter dem neu­en Be­sit­zer HBC muss Kauf­hof kämp­fen.

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