Ent­spann­te Gleich­stel­lung

Die Ehe für al­le ist be­schlos­sen, Stan­des­äm­ter und Ver­wal­tun­gen in der Re­gi­on ver­zeich­nen aber kei­nen über­mä­ßi­gen An­drang

Eichsfelder Tageblatt - - Region - Von Finn Lies­ke

Land­kreis. Nach­dem der Bun­des­prä­si­dent den Ge­setz­ent­wurf zur Ehe für al­le un­ter­schrie­ben hat, kann das Ge­setz in Kraft tre­ten. Gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re kön­nen dann auch den Bund der Ehe ein­ge­hen. Was be­deu­tet das für die Ver­wal­tun­gen und Stan­des­äm­ter in der Re­gi­on? Die Ver­ant­wort­li­chen bli­cken der Zu­kunft weit­ge­hend ge­las­sen ent­ge­gen.

Zu­nächst ein­mal ist aber noch vie­les un­klar. An­ge­fan­gen bei der Stadt Göt­tin­gen, wis­sen die Ver­wal­tun­gen und Stan­des­äm­ter noch gar nicht so ge­nau, was da auf sie zu­kommt. Schließ­lich ist das Ge­setz noch nicht in Kraft ge­tre­ten, und dem­nach liegt auch noch kei­ne of­fi­zi­el­le In­for­ma­ti­on vor. Det­lef Jo­hann­son, Spre­cher der Stadt Göt­tin­gen, rech­net al­ler­dings auch in Zu­kunft nicht mit ei­nem er­höh­ten An­sturm auf das Stan­des­amt der Stadt. Es ha­be bis­lang le­dig­lich ei­ne ein­zi­ge te­le­fo­ni­sche An­fra­ge ge­ge­ben, ob und wie ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft in ei­ne Ehe über­führt wer­den kön­ne. Die Ant­wort hier: „Erst mal müs­sen wir selbst über al­le De­tails schlau ge­macht wer­den“, so Jo­hann­son.

Ähn­lich sieht es in Du­der­stadt aus. „Es gibt bis­her kei­ne An­fra­gen“, sagt Stan­des­be­am­tin Ute Lenz. Auch sie müs­se zu­nächst die end­gül­ti­gen ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen ab­war­ten. „Ich ge­he von ei­ner un­kom­pli­zier­ten Um­set­zung aus“, zeigt sich Lenz op­ti­mis­tisch. Wie auch in Göt­tin­gen sieht sich das Stan­des­amt in Du­der­stadt per­so­nell gut auf­ge­stellt. Ei­ne Auf­sto­ckung des Per­so­nals hält Lenz der­zeit nicht für nö­tig.

Ein ähn­li­ches Bild zeigt sich auch im üb­ri­gen Land­kreis. Man­cher scheint aber doch nicht war­ten zu wol­len. So be­rich­tet der Stan­des­be­am­te Lars En­gel­ke aus Einbeck: „Ei­ne St­un­de nach dem Be­schluss des Bun­des­ta­ges kam der ers­te An­ruf.“Ein Paar woll­te wis­sen, wie es ei­ne ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaft in ei­ne Ehe über­tra­gen kön­ne, und ob das über­haupt mög­lich sei. Nach über­ein­stim­men­den An­ga­ben der be­frag­ten Ver­wal­tun­gen ist dies die häu­figs­te Frage zum künf­ti­gen Ge­setz. Auch En­gel­ke rech­net aber nicht mit ei­nem ex­tre­men An­stieg von Ehe­schlie­ßun­gen. „Es wird eher ei­ne mo­de­ra­te Er­hö­hung ge­ben, den­ke ich“, sagt der Stan­des­be­am­te. Mit neu­en An­for­de­run­gen rech­net er nicht, da die nö­ti­gen Un­ter­la­gen für die Le­bens­part­ner­schaft de­nen für ei­ne Ehe­schlie­ßung zwi­schen Mann und Frau schon wei­test­ge­hend gli­chen.

„Wie das al­les for­mal geht, wis­sen wir noch nicht. Wir brau­chen ge­naue­re An­ga­ben vom Ge­setz­ge­ber“, sagt Ro­land Grau­nitz, Fach­dienst­lei­ter Stan­des­amt in Hann. Mün­den. Bei ihm sei­en in den ver­gan­ge­nen Ta­gen zwei An­fra­gen ein­ge­gan­gen. Al­ler­dings von Paa­ren, die so­wie­so schon ei­nen Termin für die Schlie­ßung ei­ner ein­ge­tra­ge­nen Part­ner­schaft ha­ben und nun wis­sen woll­ten, ob dar­aus auch ei­ne Ehe­schlie­ßung wer­den kann.

In Nort­heim, Os­te­ro­de und der Samt­ge­mein­de Drans­feld gab es bis­her kei­ne An­fra­gen ho­mo­se­xu­el­ler Paa­re. „Las­sen wir uns über­ra­schen“, meint Mat­thi­as Wer­ner, Stan­des­be­am­ter in Drans­feld, zu den kom­men­den Vor­schrif­ten. Er rech­net da­mit, dass das neue Ge­setz in den letz­ten Mo­na­ten des Jah­res in Kraft tritt.

Im Gro­ßen und Gan­zen har­ren die zu­stän­di­gen Stel­len al­so ge­nau wie die Hei­rats­wil­li­gen erst ein­mal der Din­ge. Nach den Er­fah­run­gen der ver­gan­ge­nen Ta­ge scheint der gro­ße „Run“auf die Stan­des­äm­ter aber aus­zu­blei­ben, dies ver­mu­ten zu­min­dest die an­ge­frag­ten Be­hör­den im Land­kreis an­knüp­fend an die Zahl der bis­her ge­schlos­se­nen ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaf­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.