Zahl psy­chi­scher Krank­hei­ten nimmt dra­ma­tisch zu

AOK er­mit­telt Plus von 79,3 Pro­zent seit 2007 – Mah­nung an Fir­men, Mit­ar­bei­ter bes­ser zu be­treu­en

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Christina Denz

Ber­lin. Ob psy­chi­sche Krank­hei­ten oder Le­bens­kri­sen: Die Zahl der Krank­schrei­bun­gen we­gen psy­chi­scher Be­las­tun­gen steigt ra­sant an. Ei­ner neu­en Um­fra­ge zu­fol­ge, die die AOK am Don­ners­tag in Ber­lin vor­stell­te, er­fuhr be­reits je­der zwei­te Be­schäf­tig­te ein kri­ti­sches Le­bens­er­eig­nis. Über die Hälf­te von ih­nen (53,4 Pro­zent) fühl­ten sich da­durch in der be­ruf­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit ein­ge­schränkt, ein Drit­tel (34,1 Pro­zent) mel­de­te sich häu­fi­ger krank. Auch die Zahl der Fehl­ta­ge durch psy­chi­sche Krank­hei­ten wächst.

In den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren stieg sie den An­ga­ben zu­fol­ge um 79,3 Pro­zent, je­de Krank­schrei­bung bei ei­ner psy­chi­schen Krank­heit dau­er­te im Schnitt 25,7 Tage, Be­schäf­tig­te mit an­de­ren Krank­hei­ten er­hiel­ten im Schnitt für 11,7 Tage ein At­test. Für den „Fehl­zei­ten-re­port 2017“be­frag­te das Wis­sen­schaft­li­che In­sti­tut der AOK (WIDO) 2000 ge­setz­lich ver­si­cher­te Be­schäf­tig­te meh­re­rer Kas­sen zwi­schen 16 und 65 Jah­ren. Der Kran­ken­stand blieb dem­nach 2016 mit 5,3 Pro­zent auf dem Ni­veau des Vor­jah­res.

Ge­stie­gen al­ler­dings ist vor al­lem bei äl­te­ren Ar­beit­neh­mern der An­teil je­ner, die in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ei­ne Le­bens­kri­se er­fah­ren ha­ben. Wäh­rend bei den un­ter 30-Jäh­ri­gen mehr als ein Drit­tel (37,6 Pro­zent) von ei­nem kri­ti­schen Le­bens­er­eig­nis be­rich­te­te, wa­ren es bei den 50- bis 65Jäh­ri­gen fast zwei Drit­tel (64,7 Pro­zent). Als schlimms­tes Er­eig­nis nann­ten die Be­frag­ten schwe­re Krank­hei­ten bei An­ge­hö­ri­gen, pri­va­te Kon­flik­te und Tren­nun­gen. Der Tod ei­nes Part­ners oder Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen be­las­te­ten vor al­lem Be­frag­te zwi­schen 50 und 65 Jah­ren.

In gro­ßen Be­trie­ben fin­den die Be­trof­fe­nen laut AOK be­reits heu­te Un­ter­stüt­zung: 63,5 Pro­zent von ih­nen spra­chen mit Ar­beits­kol­le­gen und 45,8 Pro­zent mit Vor­ge­setz­ten über ih­re Kri­se. Fast je­der zwei­te (19,6 Pro­zent) konn­te fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten oder Teil­zeit­ar­beit in An­spruch neh­men, 12,1 Pro­zent er­hiel­ten un­be­zahl­ten Ur­laub und 12 Pro­zent pro­fes­sio­nel­le Hil­fe.

Aok-vor­stands­chef Mar­tin Litsch be­ton­te, vor dem Hintergrund des Fach­kräf­te­man­gels soll­ten vor al­lem klei­ne Un­ter­neh­men al­les tun, um Mit­ar­bei­ter bei psy­chi­schen Be­las­tun­gen zu un­ter­stüt­zen. Un­ter­neh­men müss­ten sich zu­dem auf häu­fi­ge­re Kri­sen bei Mit­ar­bei­tern ein­stel­len. Schutz vor psy­chi­scher Über­las­tung loh­ne sich, denn ei­ne gu­te Be­treu­ung er­hö­he die Bin­dung der An­ge­stell­ten an den Be­trieb.

Schutz vor psy­chi­scher Über­las­tung lohnt sich. Mar­tin Litsch, Aok-vor­stands­chef

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