Reicht die Ren­te noch zum Le­ben?

Eichsfelder Tageblatt - - BLICK IN DIE ZEIT - Andre­as Nies­mann

Die Angst vor Al­ters­ar­mut ist weit ver­brei­tet, da­bei gibt es sta­tis­tisch ge­se­hen drän­gen­de­re Pro­ble­me. Un­ter Kin­dern et­wa ist die Ar­mut deut­lich grö­ßer. 2015 wa­ren 5,4 Pro­zent der Neu­rent­ner auf staat­li­che Grund­si­che­rung an­ge­wie­sen, weil ih­re Ren­te nicht zum Le­ben reich­te. Dem­ge­gen­über wuch­sen 8,9 Pro­zent der Kin­der in Fa­mi­li­en auf, die von Hartz IV le­ben. Al­ler­dings wächst das Ri­si­ko für Ar­mut im Al­ter. Zum ei­nen, weil im­mer we­ni­ger jün­ge­re Men­schen im­mer mehr äl­te­re fi­nan­zie­ren müs­sen – mit der Fol­ge, dass das Ren­ten­ni­veau sinkt. Zum an­de­ren, weil un­ter­bro­che­ne Er­werbs­bio­gra­fi­en und aty­pi­sche Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se zu­neh­men. Laut ei­ner Stu­die der Ber­tels­mann-stif­tung könn­te die Quo­te der Neu­rent­ner mit An­spruch auf Grund­si­che­rung bis 2036 auf 7 Pro­zent stei­gen.

Das wol­len die Par­tei­en:

■ Die Uni­on sagt, bis 2030 soll im Prin­zip al­les so blei­ben, wie es ist. Ei­ne Ren­ten­kom­mis­si­on soll Vor­schlä­ge er­ar­bei­ten, wie es da­nach wei­ter­geht.

■ Die SPD for­dert ei­ne So­li­d­ar­ren­te für lang­jäh­rig Be­schäf­tig­te. Wer 35 Bei­trags­jah­re vor­wei­sen kann, soll ei­ne ge­setz­li­che Ren­te von 10 Pro­zent über Grund­si­che­rungs­ni­veau be­kom­men und nicht mehr zum So­zi­al­amt müs­sen. Au­ßer­dem will die SPD das Ren­ten­ni­veau von der­zeit 48 Pro­zent ein­frie­ren. Um jün­ge­ren Men­schen die Angst vor ex­plo­die­ren­den Ren­ten­bei­trä­gen zu neh­men, soll der Bei­trags­satz bei 22 Pro­zent ge­de­ckelt wer­den. Fi­nan­zie­ren wol­len die So­zi­al­de­mo­kra­ten das mit ei­nem mil­li­ar­den­schwe­ren Zu­schuss aus der Steu­er­kas­se.

■ Die Grü­nen ver­fol­gen ein ähn­li­ches Kon­zept, wol­len zur Fi­nan­zie­rung aber ei­ne Bür­ger­ver­si­che­rung ein­füh­ren, in die je­der mit all sei­nen Ein­kunfts­ar­ten ein­zah­len muss.

■ Die Lin­ke for­dert ei­ne Min­dest­ren­te von 1050 Eu­ro mo­nat­lich und will das Ren­ten­ni­veau un­ver­züg­lich um 5 Pro­zent an­he­ben. Zur Fi­nan­zie­rung soll die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze weg­fal­len, ober­halb de­rer bis­lang kei­ne Ren­ten­bei­trä­ge fäl­lig wer­den.

■ Die FDP setzt auf ein Bau­kas­ten­prin­zip aus staat­li­cher, be­trieb­li­cher und pri­va­ter Vor­sor­ge. Au­ßer­dem for­dern die Li­be­ra­len, dass je­der sein Ren­ten­ein­tritts­al­ter selbst be­stim­men soll.

■ Die AFD will die Hin­zu­ver­dienst­gren­zen für Rent­ner ab­schaf­fen. An­sons­ten hat die Par­tei kein durch­ge­rech­ne­tes Kon­zept zur Al­ters­si­che­rung vor­ge­legt.

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