„Mit mir 90 Pro­zent“

Jo­han­nes Er­ler wirbt im Netz für ei­ne ho­he Wahl­be­tei­li­gung

Eichsfelder Tageblatt - - BLICK IN DIE ZEIT - Von Tho­ralf Cle­ven

Ham­burg. Im ver­gan­ge­nen Jahr be­kam es Jo­han­nes Er­ler (51) mit der Angst zu tun. Das lag an den sie­ben­mo­na­ti­gen Prä­si­dent­schafts­wah­len in Ös­ter­reich, dem Br­ex­it und den Us-wah­len. „Ich ha­be den Ein­druck, die Er­geb­nis­se von Wah­len ver­schie­ben sich im­mer mehr in Rich­tung Ra­di­ka­ler“, sagt der Mit­in­ha­ber der Ham­bur­ger Agen­tur Er­ler Skib­be Töns­mann. „Und das liegt an der sin­ken­den Wahl­be­tei­li­gung. Die Mehr­heit fin­det De­mo­kra­tie zwar gut, aber wäh­len ge­hen vie­le nicht mehr.“

Er­ler sprach mit Freun­den über sei­nen Be­fund – so ent­stand die Initia­ti­ve „Mit mir 90 Pro­zent“. Ge­meint ist die Wahl­be­tei­li­gung. 90 Pro­zent! Zur Er­in­ne­rung: 2009 lag sie bei 70,8 Pro­zent – ein his­to­ri­scher Tiefst­wert. Aber auch bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl 2013 lag sie mit 71,5 Pro­zent nur leicht dar­über. „In der al­ten Bun­des­re­pu­blik gab es 1972 da­ge­gen ei­ne Wahl­be­tei­li­gung von 91,1 Pro­zent“, be­tont Er­ler. „Da wol­len wir hin.“1972 war die ers­te vor­ge­zo­ge­ne Bun­des­tags­wahl in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik, es ging um „Mehr De­mo­kra­tie wa­gen“, am En­de tri­um­phier­te der So­zi­al­de­mo­krat Wil­ly Brandt. „Aber ste­hen wir heu­te nicht vor ei­ner ähn­li­chen Si­tua­ti­on?“, fragt Er­ler.

Die Initia­ti­ve funk­tio­niert vor al­lem im Netz. Dort be­geg­nen ei­nem Pro­mi­nen­te wie „Ta­ges­schau“-spre­che­rin Lin­da Zer­va­kis. Sie sagt: „Es ist un­se­re Pflicht, die De­mo­kra­tie zu ret­ten.“Al­le Mit­glie­der der Initia­ti­ve nut­zen ih­re Netz­wer­ke, um sol­che Bot­schaf­ten un­ter die Leu­te zu brin­gen. Ver­schie­de­ne Me­di­en ha­ben sich be­reit er­klärt, An­zei­gen der Kam­pa­gne kos­ten­los zu ver­öf­fent­li­chen. „Wir selbst“, macht Er­ler klar, „ha­ben für die Ak­ti­on kei­ne Leu­te und kein Geld. Nur uns und Ide­en.“Seit dem 1. Sep­tem­ber zum Bei­spiel fin­det sich auf der Home­page ein Wahl­ka­len­der mit 24 Tür­chen. Hin­ter je­dem steckt ei­ne Ak­ti­on: Snap­chat-fil­ter, Poe­try­slam, Über­ra­schun­gen. Über die Hash­tags #mit­mir90pro­zent und #mach­dein­kreuz sol­len Un­ter­stüt­zer Fo­tos oder Vi­de­os mit ei­nem Kreuz vi­ral ver­brei­ten.

Er­ler freut sich, dass es je­den Tag mehr Un­ter­stüt­zer gibt. „Viel­leicht liegt das auch dar­an, dass wir nicht ge­gen ir­gend­et­was mo­bil ma­chen, son­dern für et­was ste­hen.“Je­den Pro­zent­punkt, den die Wahl­be­tei­li­gung am 24. Sep­tem­ber über der letz­ten liegt, wird Jo­han­nes Er­ler als Er­folg ver­bu­chen. „Wenn es 80 Pro­zent wer­den, bin ich echt glück­lich.“

„Die Mehr­heit fin­det De­mo­kra­tie gut, aber wäh­len ge­hen vie­le nicht mehr“: Jo­han­nes Er­ler.

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