So denkt der Durch­schnitts­deut­sche

Eichsfelder Tageblatt - - POLITIK -

Wenn man nach ei­nem sicht­ba­ren Be­leg sucht, dass die­ser Wahl­kampf uns so selt­sam zäh und leer scheint, dann wohl am ehes­ten in Haß­loch in der Pfalz. Die ver­bands­freie Ge­mein­de zählt knapp über 20 000 Ein­woh­ner, nennt sich stolz im­mer noch (Groß-)dorf – und ist so et­was wie der deut­sche Mi­kro­kos­mos.

Der Al­ters­schnitt hier, die so­zia­le Schich­tung, dörf­li­che Struk­tu­ren, die sich mit städ­ti­schen die Waa­ge hal­ten, im­mer­hin

146 (!) Ver­ei­ne von den Tau­ben­züch­tern bis zu den Mo­dell­bau­ern – all das hat Haß­loch zum Test­markt der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung (GFK) ge­macht. Kein neu­es Sham­poo, kein neu­es Fer­tig­ge­richt kommt in Deutsch­land auf den Markt, be­vor es hier ge­tes­tet wur­de. Selbst ei­gens ge­dreh­te Fern­seh-wer­be­spots da­für krie­gen erst ein­mal nur die Haß­lo­cher in ih­rem Ka­bel­netz zu se­hen. Und

Udo Rö­bel

die Er­fah­run­gen, die die Kon­sum­for­scher hier ma­chen, stim­men zu 90 Pro­zent mit den spä­te­ren Markt­da­ten über­ein.

Haß­loch, das ist die Hei­mat von Ot­to Nor­mal­ver­brau­cher in Deutsch­land. Vom Bun­des­tags­wahl­kampf ist hier kaum et­was zu spü­ren und auch so gut wie nichts zu se­hen. Wahl­pla­ka­te hän­gen nur an den Aus­fall­stra­ßen. Im Ort muss man sie mit der Lu­pe su­chen.

Und wen man auch an­spricht auf die Wahl, ob auf der Stra­ße beim Fe­gen des Bür­ger­steigs oder beim Au­to­wa­schen, die Ant­wor­ten in Haß­loch sind meist karg, oft ver­bun­den mit ei­nem Schul­ter­zu­cken. Zu­sam­men­ge­fasst liest sich das In­ter­view mit Frau und Herrn Durch­schnitt dann un­ge­fähr so:

Re­den die Leu­te hier über die Wahl?

Ja. Schon. Aber nicht zu viel.

Und über was re­den die Leu­te dann so?

Haupt­säch­lich über „de FCK“(den 1. FC Kai­sers­lau­tern). Wenn das so wei­ter­geht mit de­nen, stei­gen die auch noch in die drit­te Li­ga ab!

Ge­hen Sie denn wäh­len?

Ei­gent­lich schon. Aber so genau weiß ich das auch noch nicht.

War­um?

Ist doch eh al­les schon ent­schie­den. Die Mer­kel macht das so­wie­so wie­der.

Ken­nen Sie ei­gent­lich die Wahl­pro­gram­me von der CDU und der SPD?

Nee. Aber die sind sich doch eh al­le gleich.

Trotz­dem. Wel­che The­men sind für Sie am wich­tigs­ten?

Die Ren­te viel­leicht. Kann ich da­von spä­ter über­haupt noch le­ben? Oder die Flücht­lin­ge. Wenn man im Fern­se­hen die vie­len Afri­ka­ner sieht, da wird ei­nem manch­mal schon an­ders. Und viel­leicht der Die­sel noch. Das sind doch al­les Ver­bre­cher, die Ma­na­ger. Was krie­ge ich denn jetzt noch für mein Au­to?

Und was ma­chen Sie jetzt am 24. Sep­tem­ber?

Da ge­he ich aufs An­dech­ser Bier­fest vorm Rat­haus ei­nen trin­ken …

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