Con­ti und die Fan­ta­sie

Eichsfelder Tageblatt - - WIRTSCHAFT & BÖRSE -

Der heik­le Ter­min ist über­stan­den. Die Kanz­le­rin be­glei­te­te die IAAEr­öff­nung mit be­reits be­kann­ten Wor­ten und ver­kniff sich je­de Bos­heit, zu der sie be­kann­ter­ma­ßen fä­hig wä­re. Zur Er­leich­te­rung der Her­ren an den Mes­se­stän­den tru­gen auch die vom eu­ro­päi­schen Bran­chen­ver­band Acea ver­brei­te­ten Zu­las­sungs­zah­len bei. Im Au­gust wur­den fast 6 Pro­zent mehr Au­tos ver­kauft als ein Jahr zu­vor. So ge­hör­ten al­le Au­to­wer­te zu den Ge­win­nern die­ses Bör­sen­tags. Ein Zu­lie­fe­rer ließ sie al­ler­dings weit hin­ter sich – aus spe­zi­el­lem Grund: Con­ti­nen­tal stieg um 2 Pro­zent, weil sich der schwe­di­sche Zu­lie­fe­rer Au­to­liv in zwei Spar­ten für pas­si­ve und ak­ti­ve Si­cher­heit auf­spal­ten will – Gurt und Air­bag auf der ei­nen, Fahras­sis­tenz­sys­te­me auf der an­de­ren Sei­te. Das regt nun die Fan­ta­sie an. Man­cher mag sich ei­ne sol­che Lö­sung auch für Con­ti vor­stel­len. Aber die Han­no­ve­ra­ner kä­men auch als Käu­fer der Spar­te für As­sis­tenz­sys­te­me in­fra­ge. Vor Jah­ren wur­den sie schon ein­mal als Au­to­liv-in­ter­es­sent ge­han­delt – sa­hen aber we­nig Sinn da­rin, in Gur­te und Kunst­stoffsä­cke zu in­ves­tie­ren. Das könn­te man sich in der neu­en Struk­tur spa­ren. Bei Au­to­liv stel­len sich die An­le­ger of­fen­bar auf Kauf­an­fra­gen ein: Der Wert der Schwe­den sprang um 11 Pro­zent.

10 Mil­lio­nen sind nicht viel. Wir re­den hier schließ­lich von ei­nem Dax-kon­zern. Es wird al­so nicht die Sum­me ge­we­sen sein, die den An­le­gern miss­fiel, als die Deut­sche Bör­se ih­re Be­reit­schaft zur Zah­lung eben die­ser Mil­lio­nen kund­tat. So sol­len die In­si­der-er­mitt­lun­gen ge­gen Vor­stands­chef Cars­ten Ken­ge­ter aus der Welt ge­schafft wer­den. Die Staats­an­walt­schaft hat­te die 10,5 Mil­lio­nen ge­for­dert, dürf­te al­so ein­ver­stan­den sein. Ak­tio­nä­re da­ge­gen tun sich schwer mit ei­nem Bör­sen­chef, der nicht ma­kel­los rein von In­si­der­ver­dacht ist. Klaus Nie­ding von der Ak­tio­närs­ver­ei­ni­gung DSW fand da­für ein bos­haf­tes Bild: Das sei so, „wie wenn ge­gen ei­nen Bank­vor­stand we­gen der Her­stel­lung von Falsch­geld er­mit­telt wird“, sag­te er der Agen­tur Reuters. Zu die­sem Schluss könn­te die Fi­nanz­auf­sicht Ba­fin auch noch kom­men, und des­halb fiel der Kurs um fast 2 Pro­zent.

Das ein­zi­ge, was bei Air Ber­lin ab­hebt, ist der Kurs. Das ist nur ein biss­chen ge­mein. Nach­dem zwei Tage lang of­fen­bar ei­ne spe­zi­el­le Hö­hen­krank­heit un­ter den Pi­lo­ten gras­sier­te, sind ges­tern die meis­ten Ma­schi­nen der in­sol­ven­ten Air­line wie­der ge­flo­gen. Die Ak­tie lässt die Flug­zeu­ge al­ler­dings weit hin­ter sich. Die An­kün­di­gung Ni­ki Lau­das, ge­mein­sam mit Con­dor ein An­ge­bot ab­zu­ge­ben, ließ den Kurs ges­tern um mehr als ein Drit­tel stei­gen. Die Ak­tie ist jetzt 50 Cent wert, und wenn das so wei­ter­geht, mag Air Ber­lin mit­ten in der In­sol­venz noch ein­mal den Sta­tus des Pen­nys­tocks hin­ter sich las­sen.

FO­TO: DPA

Plas­tik­geld kann et­was her­ma­chen. Die­ses Pa­pier­geld ist näm­lich nicht aus Pa­pier, son­dern aus ei­nem Po­ly­mer ge­fer­tigt – Kunst­stoff. Die Bank of En­g­land bringt seit ges­tern den neu­en 10-Pfund-schein in Um­lauf, der na­tür­lich die Queen zeigt und auf der Rück­sei­te die Schrift­stel­le­rin Ja­ne Aus­ten. Das Ma­te­ri­al wird trotz al­ler Vor­zü­ge noch wei­ter­ent­wi­ckelt: Dass ge­rin­ge Spu­ren tie­ri­schen Fetts ent­hal­ten sind, stieß auf hef­ti­gen Pro­test. Für den neu­en Zwan­zi­ger wird des­halb schon über ein an­de­res Her­stell­ver­fah­ren nach­ge­dacht.

WIRTSCHAFTSREDAKTION

Ste­fan Win­ter

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