Me­tal­ler vor har­tem Kon­flikt

Ge­werk­schaft for­dert bis zu 7 Pro­zent mehr Geld und An­spruch auf „ver­kürz­te Voll­zeit“– Ar­beit­ge­ber war­nen

Eichsfelder Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­an Wöl­bert

Hannover. In der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie zeich­nen sich har­te Ta­rif­ver­hand­lun­gen ab. Die IG Me­tall hat am Don­ners­tag ein un­ge­wöhn­lich um­fang­rei­ches For­de­rungs­pa­ket vor­ge­stellt: Sie will Lohn­stei­ge­run­gen von 6,5 bis 7 Pro­zent, ei­nen An­spruch auf „ver­kürz­te Voll­zeit“so­wie für Azu­bis freie Tage zur Prü­fungs­vor­be­rei­tung durch­set­zen. „Das Wachs­tum hält an, die Bran­che kann sich über ei­ne gu­te Auf­trags­la­ge freu­en, und der Ifo-ge­schäfts­kli­ma­in­dex er­reicht Höchst­stän­de“, sag­te Thors­ten Grö­ger, Be­zirks­lei­ter der IG Me­tall für Nie­der­sach­sen und Sach­sen-an­halt. Man se­he da­her kei­nen Grund zur Zu­rück­hal­tung.

Die drei For­de­run­gen bil­den laut IG Me­tall den Rah­men für wei­te­re De­bat­ten in den nie­der­säch­si­schen Re­gio­nen. Am 24. Ok­to­ber sol­len die Ta­rif­kom­mis­sio­nen das fi­na­le For­de­rungs­pa­ket be­schlie­ßen. Im No­vem­ber be­gin­nen die Ver­hand­lun­gen mit den Ar­beit­ge­bern. In an­de­ren Be­zir­ken wie Ba­den-würt­tem­berg und Nord­rhein-west­fa­len be­schloss die IG Me­tall am Don­ners­tag, mit Lohn­for­de­run­gen um 6 Pro­zent so­wie der ver­kürz­ten Voll- zeit in die Ta­rif­run­de zu ge­hen. Im Ju­ni hat­te der Ig-me­tall-vor­sit­zen­de Jörg Hof­mann skiz­ziert, wie er sich die neue Ar­beits­zeit­re­gel vor­stellt. Dem­nach sol­len Be­schäf­tig­te ih­re Wo­chen­ar­beits­zeit für die Dau­er von bis zu zwei Jah­ren von 35 auf 28 St­un­den re­du­zie­ren dür­fen. Die Ar­beit­ge­ber sol­len da­bei be­stimm­ten Grup­pen ei­nen Zu­schuss zah­len, so­dass der Lohn nicht so stark sinkt wie die Ar­beits­zeit. Hof­mann nann­te als Bei­spiel Schicht­ar­bei­ter, jun­ge El­tern und die­je­ni­gen, die Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge pfle­gen. Das sei ei­ne „an­ge­brach­te So­zi­al­leis­tung der Ar­beit­ge­ber“, sag­te Hof­mann da­mals.

Ab­ge­se­hen von dem Lohn­aus­gleich äh­nelt die For­de­rung ei­nem ge­schei­ter­ten Pro­jekt von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD). Sie woll­te al­len Ar­beit­neh­mern das Recht ge­ben, für ei­ne vor­her be­stimm­te Zeit aus Voll­zeit in Teil­zeit und wie­der zu­rück zu wech­seln. Je­doch schei­ter­te sie am Wi­der­stand der Uni­on.

Die Ar­beit­ge­ber der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie wie­sen die For­de­run­gen der IG Me­tall am Don­ners­tag zu­rück. „Neue An­sprü­che auf Ar­beits­zeit­ver­kür­zung pas­sen an­ge­sichts des Fach­kräf­te­man­gels nicht in die Zeit“, sag­te Vol­ker Schmidt, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ar­beit­ge­ber­ver­bands Nie­der­sach­sen­me­tall. Be­reits heu­te müss­ten ein­zel­ne Be­trie­be Auf­trä­ge ab­leh­nen, weil qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­ter feh­len. Ei­ne 28-St­un­den-wo­che wür­de die Un­ter­neh­men vor kaum lös­ba­re Her­aus­for­de­run­gen bei der Per­so­nal­pla­nung stel­len, ins­be­son­de­re im Schicht­be­trieb.

Au­ßer­dem pas­se die For­de­rung von bis zu 7 Pro­zent mehr Ge­halt nicht zum Aus­blick der Un­ter­neh­men, da der in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werb in­ten­si­ver denn je sei. „Schon heu­te sind die Mar­gen ge­ring, trotz vol­ler Auf­trags­bü­cher bleibt bei vie­len Un­ter­neh­men kaum et­was hän­gen“, sag­te Schmidt. „Die Ver­schrän­kung die­ser saf­ti­gen Ent­gelt­for­de­rung mit der For­de­rung nach ei­ner Ar­beits­zeit­ver­kür­zung macht ei­nen Ta­rif­kom­pro­miss nicht ge­ra­de leich­ter.“

Na­tur­ge­mäß stellt die IG Me­tall die wirt­schaft­li­che La­ge an­ders da. Al­lein im ers­ten Halb­jahr sei­en die Um­sät­ze in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie um 4,8 Pro­zent ge­stie­gen, die Ren­di­ten sei­en auf dem höchs­ten Stand seit 2007.

Trotz vol­ler Auf­trags­bü­cher bleibt bei vie­len Un­ter­neh­men kaum et­was hän­gen. Vol­ker Schmidt Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ar­beit­ge­ber­ver­band Nie­der­sach­sen

FO­TO: DPA

Die Fun­ken wer­den flie­gen: Nach rei­nen Lohn­run­den will die IG Me­tall auch über Ar­beits­zeit ver­han­deln.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.