Le­bens­kri­sen füh­ren zu im­mer mehr Fehl­ta­gen

Aok-un­ter­su­chung: Fir­men soll­ten psy­chi­sche Pro­ble­me ih­rer Mit­ar­bei­ter ernst neh­men

Eichsfelder Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Rup­pert Mayr

Ber­lin. Die Zahl der Ar­beits­aus­fäl­le we­gen psy­chi­scher Pro­ble­me ist in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren in Deutsch­land über­pro­por­tio­nal ge­stie­gen. Un­ter­neh­men soll­ten da­her ihr Ge­sund­heits­ma­nage­ment für Mit­ar­bei­ter in Le­bens­kri­sen wei­ter ver­bes­sern, rät der Aok-bun­des­ver­band.

„Auf­grund des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels wer­den sie künf­tig ver­stärkt mit äl­ter wer­den­den Be­leg­schaf­ten und den da­mit ver­bun­de­nen häu­fi­ge­ren Kri­sen der Mit­ar­bei­ter kon­fron­tiert wer­den“, sag­te der Vi­ze-ge­schäfts­füh­rer des Wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts der AOK, Hel­mut Schröder, ges­tern in Ber­lin.

Kri­ti­sche Le­bens­er­eig­nis­se kön­nen die Ge­sund­heit be­las­ten und da­mit die Ar­beit be­ein­flus­sen. So be­rich­te­ten knapp 59 Pro- zent der von dem In­sti­tut Be­frag­ten von kör­per­li­chen und 79 Pro­zent­von­psy­chi­schen­pro­ble­men durch Le­bens­kri­sen. In der Fol­ge fühl­ten sich rund die Hälf­te der Be­frag­ten in ih­rer Leis­tungs­fä­hig­keit ein­ge­schränkt. Knapp die Hälf­te ging al­ler­dings trotz­dem zur Ar­beit.

Nach An­ga­ben des Aok-in­sti­tuts füh­ren am häu­figs­ten Kon­flik­te im pri­va­ten Um­feld, ei­ne schwe­re Er­kran­kung von An­ge­hö­ri­gen oder fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me zu Kri­sen. Mit zu­neh­men­dem Al­ter stei­ge der An­teil der Be­trof­fe­nen: Et­was mehr als ein Drit­tel der Be­schäf­tig­ten un­ter 30 Jah­ren be­rich­te­te über kri­ti­sche Le­bens­er­eig­nis­se. Bei den 50- bis 65Jäh­ri­gen sei­en dies schon fast zwei Drit­tel ge­we­sen, hieß es.

Un­ter­neh­men ha­ben dar­auf be­reits re­agiert: Gut je­der zwei­te Be­frag­te be­zeich­ne­te „klä­ren­de Ge­sprä­che mit dem Vor­ge­setz­ten“als hilf­reich. Je­der Drit­te führ­te „fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten“an und na­he­zu je­der Vier­te Son­der­frei­stel­lun­gen wie „un­be­zahl­ten Ur­laub“.

So bie­tet die Deut­sche Bahn ih­ren Mit­ar­bei­tern pro­fes­sio­nel­le, an­ony­me Hil­fen in Kri­sen­si­tua­tio­nen an. Sie kon­zi­pier­te et­wa ein um­fas­sen­des Be­treu­ungs­pro­gramm ins­be­son­de­re für Lok­füh­rer, die in Per­so­nen­un­fäl­le – häu­fig Selbst­tö­tun­gen – ver­wi­ckelt sind.

Et­wa ein Drit­tel al­ler Er­werbs­tä­ti­gen ar­bei­tet je­doch in Un­ter­neh­men mit we­ni­ger als 50 Be­schäf­tig­ten, die sich in al­ler Re­gel sol­che Ge­sund­heits­pro­gram­me gar nicht leis­ten kön­nen. Al­ler­dings ge­be es auch hier Mög­lich­kei­ten zur be­trieb­li­chen Prä­ven­ti­on, sag­te der Chef des AOKBun­des­ver­ban­des, Mar­tin Litsch.

So ge­be es ein Pro­jekt der AOK Rhein­land/ham­burg, bei dem Un­ter­neh­men Be­triebs­part­ner­schaf­ten bil­den könn­ten, un­ab­hän­gig von Bran­che oder Grö­ße. Un­ter An­lei­tung der AOK führ­ten sie ihr be­trieb­li­ches Ge­sund­heits­ma­nage­ment ge­mein­sam durch, in­dem sie et­wa Di­ens­te ein­kauf­ten, an die sich die Mit­ar­bei­ter al­ler Un­ter­neh­men in Kri­sen­si­tua­tio­nen wen­den könn­ten.

An­ge­sichts des Fach­kräf­te­man­gels sei es wich­tig, ge­sun­de und leis­tungs­fä­hi­ge Mit­ar­bei­ter an sich zu bin­den. Kri­ti­sche Le­bens­er­eig­nis­se bei Be­schäf­tig­ten könn­ten da­bei ei­ne Art „Stress­test“für die Sta­bi­li­tät der Be­zie­hung zwi­schen Un­ter­neh­men und Mit­ar­bei­ter sein, ar­gu­men­tier­te Schröder.

Der Kran­ken­stand der AOKVer­si­cher­ten blieb 2016 ins­ge­samt mit 5,3 Pro­zent auf dem­sel­ben Ni­veau wie im Vor­jahr. Da­mit hat je­der Be­schäf­tig­te im Durch­schnitt 19,4 Tage auf­grund ei­ner ärzt­li­chen Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung im Be­trieb ge­fehlt.

FO­TO: BG ETEM

An der Gren­ze: Im­mer mehr Be­schäf­tig­te füh­len sich psy­chisch über­for­dert.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.