Croud­fun­ding beim Li­te­ra­tur­herbst

Tim Krohn schreibt Ge­schich­ten im Auf­trag – und hat schon den zwei­ten Ro­man fer­tig

Eichsfelder Tageblatt - - KULTUR - Von Pe­ter Krü­ger-lenz

Göt­tin­gen. Nach dem gro­ßen Er­folg mit dem Erst­ling „Herr Brech­bühl sucht ei­ne Kat­ze“– ein eben­er­di­ges Bad in sei­nem al­ten Bau­ern­haus soll er da­mit fi­nan­ziert ha­ben – hat Krohn jetzt ei­nen zwei­ten Ro­man mit dem glei­chen Ge­schäfts­prin­zip her­aus­ge­ge­ben, fi­nan­ziert durch Crowd­fun­ding: „Erich Wyss übt den frei­en Fall“. Im Zen­trum ste­hen elf Be­woh­ner ei­nes Zürcher Miets­hau­ses.

Klei­ne Strei­te­rei­en

Wir schrei­ben das Jahr 2001. Klei­ne Strei­te­rei­en ent­zün­den sich an ei­nem Be­such und dem Ge­ruch nach Fisch, der durch das Trep­pen­haus zieht. Das al­ler­dings ist nichts im Ver­gleich zu dem was dann über die Be­woh­ner her­ein­bricht. Die Nach­richt über ei­nen über­ra­schen­den To­des­fall und der ter­ro­ris­ti­sche An­schlag auf das World Tra­de Cen­ter in New York ver­än­dert das Le­ben ei­ni­ger Mie­ter dras­tisch. Dicht ge­drängt ste­hen auf den ers­ten und letz­ten bei­den Sei­ten mit klei­nen Buch­sta­ben ge­setzt die Ge­fühls­re­gun­gen, die Krohn, Jahr­gang 1965, zu­sam­men­ge­tra­gen hat. Das be­ginnt mit Aal­glät­te, Abar­tig­keit, Aben­teu­er­lust und en­det mit Zwei­fel, Zwie­spalt, Zy­nis­mus. Mit dem Be­griff Ge­fühls­re­gung ist nicht al­les ge­fasst, was auf der Lis­te steht, aber zu­tiefst mensch­lich ist al­les. 68 die­ser Ei­gen­schaf­ten hat er den Prot­ago­nis­ten sei­nes Ro­mans zu­ge­ord­net, so ver­rät es der Klap­pen­text.

Pau ist ei­ner von ih­nen, je­den­falls künf­tig. Er sei der neue Haus­wart, stellt es er gleich zu Be­ginn der Ge­schich­te vor. Und: Er wol­le die Di­enst­woh­nung be­zie­hen. Die al­ler­dings ist be­legt von der Ver­wandt­schaft von Ef­ge­nia und ih­rem Mann Ada­mo Cos­ta. Kein Pro­blem, meint Lutz, er brau­che nicht viel Platz und füh­le sich in Ge­sell­schaft sehr wohl. Auch in die­ser, denn die Ver­wandt­schaft spricht Grie­chisch. Der neue Haus­wart hört ger­ne den Klang die­ser Spra­che. Um Ge­müt­lich­keit geht es in dem Ka­pi­tel, so hat Kohn es be­ti­telt. „Ge­rad­li­nig­keit“steht über dem zwei­ten Ab- schnitt, in dem Lutz die ers­ten Haus­be­woh­ner ken­nen­lernt, dar­un­ter auch den ti­tel­ge­ben­den Herrn Wyss, Erich mit Vor­na­men. Der regt sich über die vie­len Schu­he auf, die im Trep­pen­haus ste­hen.

An­ge­nehm schnör­kel­los schreibt Krohn, in Deutsch­land ge­bo­ren und in der Schweiz auf­ge­wach­sen, und un­ter­hält da­bei sehr leicht­hän­dig. Die Ge­schich­ten flie­ßen da­hin und man ist ger­ne zu­sam­men mit den Men­schen, die Au­tor Kohn ei­nem na­he­bringt. Al­ler­dings schaut Kohn häu­fig un­ter die Gür­tel­li­nie, er frönt lust­voll der Fri­vo­li­tät. Mun­ter geht es zu in die­sem Haus und da­bei sehr nett.

In­fo Tim Krohn: „Erich Wyss übt den frei­en Fall“, Ga­lia­ni-ver­lag, 496 Sei­ten, 24 Eu­ro. Der Au­tor stellt das Werk am Mitt­woch, 18. Ok­to­ber, um 21 Uhr im Al­ten Rat­haus Göt­tin­gen, Markt 9, vor. Ti­ckets gibt es in den Ta­ge­blat­tGe­schäfts­stel­len, We­en­der Stra­ße 44 in Göt­tin­gen und Mark­stra­ße 9 in Du­der­stadt.

FO­TO: SCHLEY­ER

Tim Krohn liest aus sei­nem Ro­man „Erich Wyss übt den frei­en Fall“beim Li­te­ra­tur­herbst.

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