Der me­lan­cho­li­sche Jun­ge dreht auf

Clue­so er­öff­net das NDR 2 Sound­check Neue Mu­sik-fes­ti­val – und rappt sich in die Her­zen der Göt­tin­ger

Eichsfelder Tageblatt - - KULTUR - Von Han­nah Sch­ei­we

Göt­tin­gen. Er hüpft über die Büh­ne wie ein klei­ner Jun­ge, der sich aufs Ach­ter­bahn­fah­ren freut – und grüßt auch gleich aus die­ser: „Ich sag ‚Hal­lo‘ mit nem Gruß aus der Ach­ter­bahn“, singt Clue­so auf der Stadt­hal­len-büh­ne – und hat das Göt­tin­ger Pu­bli­kum bei sei­nem Er­öff­nungs­kon­zert des NDR2 Sound­check Neue Mu­sik-fes­ti­vals di­rekt auf sei­ner Sei­te.

„Göt­tin­gen, geht’s euch gut? Ich freue mich hier zu sein“, ruft er mit die­ser Stim­me, die beim Re­den noch ein biss­chen mehr als beim Sin­gen so an­ge­raut klingt, dass es sich fast an­hört, als wä­re er ein biss­chen er­käl­tet – aber eben gut. Über­ra- schend ra­plas­tig prä­sen­tiert er sich an die­sem Abend, legt ei­nen Free­style für Göt­tin­gen auf die Büh­ne, spickt den Song „An­ders­sein“mit Ra­pein­la­gen und er­zählt, wie er 1996 mit 16 Jah­ren in Er­furt an­ge­fan­gen hat zu rap­pen – und kann es sich dann doch nicht ver­knei­fen, ein paar sei­ner gro­ßen Me­lan­cho­li­e­num­mern zu spie­len.

Beim Song „Chi­ca­go“setzt er auf viel Ge­fühl – „das ha­be ich für je­man­den ge­schrie­ben, der Dro­gen ge­nom­men und sich nach Chi­ca­go ge­träumt hat“, er­zählt Clue­so. Und die Göt­tin­ger Be­su­cher träu­men sich mit ihm nach Chi­ca­go, schwen­ken Lich­ter und Han­dys in der Luft und sin­gen laut­stark mit. Auch Van­ja wird ge­fei­ert: Sie er­setzt im Song „Wenn du liebst“Kat Fran­kie, die nor­ma­ler­wei­se Clue­sos Du­ett­part­ne­rin in dem nach­denk­li­chen Lie­bes­lied ist. „Ich ha­be ei­ne Wei­le dar­an ge­schrie­ben“, er­zählt Clue­so über den Song. Und der 37-Jäh­ri­ge – er wirkt eher wie An­fang 20, wie er da über die Büh­ne hüpft, zum Klat­schen ani­miert und im­mer wie­der jun­gen­haft in die Men­ge grinst – bringt nicht nur ei­ne viel­fäl­ti­ge Song-aus­wahl von al­ten Clue­so­klas­si­kern wie „Kei­nen Zen­ti­me­ter“und „Ge­win­ner“bis zu Songs von sei­nem neu­es­ten Al­bum „Neu­an­fang“auf die Büh­ne, son­dern das Göt­tin­ger Pu­bli­kum auch zum La­chen. Zum Bei­spiel, als er von ei­nem Mu­si­ker­kol­le­gen aus Ham­burg er­zählt – wo­bei je­der, spä­tes­tens als er sein Nu­scheln imi­tiert, weiß, dass es um Udo Lin­den­berg geht. Wäh­rend er An­ek­do­ten von Lin­den­berg er­zählt, der in Zeit­lu­pe ge­nuss­voll über den ro­ten Tep­pich geht, hier was nu­schelt, da was nu­schelt, muss Clue­so selbst la­chen – und das Pu­bli­kum lacht mit. An­schlie­ßend spielt er den Song, den er mit Lin­den­berg noch mal neu auf­ge­nom­men hat: „Cel­lo“.

Die Gi­tar­re selbst in der Hand, sorgt er hier noch mal für viel Ro­man­tik. Für so viel, dass auch schon mal ein „Aus­zie­hen!“-ruf durch die Stadt­hal­le klingt, als er sei­ne schwar­ze Bom­ber­ja­cke über dem wei­ßen Shirt aus­zieht. „Ein paar Jah­re geht das noch“, ent­geg­net Clue­so ali­as Thomas Hüb­ner dem keck. Das glau­ben die Zu­schau­er ihm gern, bei so viel Elan, mit dem der Mu­si­ker über die Büh­ne tanzt und hüpft, auf und ab, fast wie in ei­ner Ach­ter­bahn.

Göt­tin­gen, geht’s euch gut? Ich freue mich hier zu sein. Clue­so, Sän­ger

FO­TO: BÄNSCH

Clue­so beim Auf­takt­kon­zert des NDR 2 Sound­check Neue Mu­sik-fes­ti­vals in der Göt­tin­ger Stadt­hal­le.

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