Der Wahl­kampf­rei­sen­de

Thomas Op­per­mann kan­di­diert im Wahl­kreis 53 für die SPD

Eichsfelder Tageblatt - - THEMA DES TAGES - Von Mar­kus Scharf

Göt­tin­gen. Es ist Don­ners­tag. In Thomas Op­per­manns Ter­min­ka­len­der ist das der Tag, den er sich in Wahl­kampf­zei­ten frei hält. Nicht frei im ei­gent­li­che Sin­ne. Frei für all das, was bis­her nicht ein­ge­plant war. Wie für In­ter­views zum Bei­spiel. Da­zu gibt es Mit­tag­es­sen in ei­nem ita­lie­ni­schen In­nen­stadt­re­stau­rant. Op­per­mann ist hier be­kannt, be­dankt sich für die zu­vor­kom­men­de Be­die­nung in der Lan­des­spra­che.

In die­ser Wo­che war er be­reits zwei Tage in Ba­den-würt­tem­berg, hat­te Ter­mi­ne in Ber­lin und an­schlie­ßend Auf­trit­te zu­sam­men mit dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ste­phan Weil in Süd­nie­der­sach­sen. „Ich ver­su­che im­mer über das Wo­che­n­en­de in mei­nem Wahl­kreis zu sein“, sagt Op­per­mann. An die­sem Sonn­tag geht es al­ler­dings schon frühzeitig wei­ter nach Bay­ern. Als Teil der Spd-pro­mi­nenz ist er mo­men­tan an vie­len Stel­len ge­fragt. Am En­de wird er bis auf Sach­sen und das Saar­land al­le Bun­des­län­der be­reist ha­ben.

Bis­lang wa­ren es sie­ben Wo­chen Bun­des­tags­wahl­kampf non­stop. „Und wenn das dann am 24. Sep­tem­ber vor­bei ist, schlie­ßen sich für mich drei wei­te­re Wo­chen Wahl­kampf in Nie­der­sach­sen an“, rech­net Op­per­mann wei­ter. Ver­schleiß­er­schei­nun­gen? Kei­ne. Krank­hei­ten? „Die krie­gen Sie nicht.“Da­ge­gen hel­fe der ho­he Ad­re­na­lin­spie­gel. Zur Re­ge­ne­ra­ti­on zie­he es ihn in den Wald. Er geht wan­dern und treibt Sport, wenn es die Zeit zu- lässt. Aber auch sein Ak­ku sei mal al­le, gibt der 63-Jäh­ri­ge zu. Am Di­ens­tag­abend bei­spiels­wei­se sei er auf dem Rück­flug nach Ber­lin so mü­de ge­we­sen, dass er nicht mehr be­merkt ha­be, dass Wolf­gang Schäu­b­le hin­ter ihm ge­ses­sen ha­be. „Die Be­grü­ßung ha­ben wir dann na­tür­lich beim Aus­stei­gen nach­ge­holt“, er­zählt Op­per­mann la­chend.

Wie las­sen sich die Rol­len des Frak­ti­ons­chefs in ei­ner gro­ßen Ko­ali­ti­on und des Wahl­kämp­fers ge­gen die CDU ver­ei­nen? Na­tür­lich be­kom­me man, wenn man jetzt auf die De­fi­zi­te von zwölf Jah­ren Kanz­ler­schaft von An­ge­la Mer­kel hin­wei­se, ge­le­gent­lich zu hö­ren: ,Aber ihr wart doch da­bei’. Da­zu ste­he man auch. Op­per­mann be­schreibt das Wech­sel­spiel zwi­schen den Par- tei­en mit zwei ihm wich­ti­gen Pro­jek­ten, die kurz vor En­de der Wahl­pe­ri­ode noch um­ge­setzt wer­den konn­ten: Das In­ter­net-ge­setz sei nur in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit sei­nem Cdu-kol­le­gen Vol­ker Kau­der in so kur­zer Zeit noch um­setz­bar ge­we­sen. „Da ha­ben wir an ei­nem Strang ge­zo­gen.“In der glei­chen Wo­che aber ha­be sei­ne Frak­ti­on auch die Ehe für al­le durch­ge­setzt – „im of­fe­nen Kon­flikt mit der Uni­on“. Das ha­be ihm Kau­der dann auch ein biss­chen übel ge­nom­men, er­zählt Op­per­mann aus der Schluss­pha­se der gro­ßen Ko­ali­ti­on.

Aber der Sinn ei­ner Ko­ali­ti­on be­ste­he ja nicht da­rin, dass man im­mer nett zu­ein­an­der sein müs­se. Im Ge­gen­teil. Man müs­se sich hart aus­ein­an­der­set­zen, aber am En­de kom- pro­miss­fä­hig sein. Ihm sei es im­mer sehr wich­tig ge­we­sen, mit of­fe­nen Kar­ten zu spie­len.

Op­per­mann spielt be­wusst nicht die Rol­le des Ti­tel­ver­tei­di­gers, der den Wahl­kreis be­reits zwei­mal ge­gen den Bun­des­trend ge­won­nen hat. Über­trie­be­ne Selbst­si­cher­heit wä­re mit Blick auf die Pro­gno­sen auch fehl am Plat­ze. „Gin­ge es nach den Um­fra­gen, wä­re ich der Au­ßen­sei­ter“, sagt der Stür­mer des FC Bun­des­tag und schiebt hin­ter­her: „Als die SPD 2009 nur 23 Pro­zent be­kam und ich den Wahl­kreis ge­wann, dann war das mit ei­nem Aus­wärts­sieg von Hannover 96 beim FC Bay­ern Mün­chen zu ver­glei­chen.“Doch we­der er noch sei­ne Par­tei sei­en in die­sen Wahl­kampf ge­gan­gen, um zu ver­lie­ren. „ Die SPD spielt im­mer um Platz eins.“Für ihn selbst sei es im­mer ei­ne be­son­de­re Ver­ant­wor­tung ge­we­sen, mit ei­nem di­rekt ge­won­ne­nen Man­dat im Bun­des­tag zu sit­zen. So ha­be er in Ber­lin viel für sei­nen Wahl­kreis er­rei­chen kön­nen. Und das gel­te es fort­zu­set­zen.

Zu­dem ma­che er den Job als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der ger­ne. „In mei­ner Frak­ti­on in Ber­lin ist es nie lang­wei­lig.“Je­den Tag gibt es neue The­men, mit de­nen man sich be­schäf­ti­gen muss. Man su­che je­den Tag nach den rich­ti­gen Ant­wor­ten auf neue Fra­gen.

Wer auf Op­per­manns In­ter­net­prä­senz stö­bert, stößt un­ter dem Stich­wort „Mei­len­stei­ne“auf ei­ne Bi­lanz, die er nach 27 Jah­ren in der Politik ge­zo­gen hat. Da­rin ent­hal­ten ist ne­ben den Er­fol­gen wäh­rend sei­ner Zeit als Ab­ge­ord­ne­ter in Land- tag und Bun­des­tag, als Nie­der­säch­si­scher Wis­sen­schafts­mi­nis­ter und Frak­ti­ons­chef auch der Be­ginn ei­ner lan­gen Po­li­ti­ker­kar­rie­re. Initi­al­zün­dung war ein Brief der Ak­ti­on Süh­ne­zei­chen im Jahr 1976, der es dem da­mals 22-jäh­ri­gen Li­te­ra­tur­stu­den­ten er­mög­lich­te, Frei­wil­li­gen­dienst in den USA zu leis­ten. Mit den Ein­drü­cken die­ser Zeit sei der fol­gen­de Weg vor­ge­zeich­net ge­we­sen, sagt er heu­te. Statt Ger­ma­nist wur­de er Ju­rist und schließ­lich Po­li­ti­ker. Ge­plant war das al­les nicht. Es ha­be mehr­fach in sei­nem Le­ben Si­tua­tio­nen ge­ge­ben, an de­nen sich der Lauf der Din­ge ent­schei­dend hät­te än­dern kön­nen.

Ei­ne wei­te­re sol­che Si­tua­ti­on könn­te mit der Wahl kurz be­vor­ste­hen.

FO­TO: HEL­LER

Be­ken­nen­der Bas­ket­ball-fan: Die Heim­spie­le der BG sind im Ka­len­der des Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten ein­ge­tra­gen.

FO­TO: WEN­ZEL

Mi­nis­ter­prä­si­dent Ger­hard Schröder hol­te Op­per­mann 1990 als Wis­sen­schafts­mi­nis­ter in sein Ka­bi­nett.

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