Gra­tis-ki­tas: Blei­ben die Städ­te auf den Kos­ten sit­zen?

Kom­mu­nen re­agie­ren skep­tisch auf Vor­ha­ben von SPD und CDU im Land / Ja­mai­ka-son­die­rer im Bund wol­len Rechts­an­spruch auf Hort­platz

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Gabriele Schul­te, Andre­as Schin­kel und Hei­ko Ran­der­mann

Hannover. Das Vor­ha­ben von SPD und CDU, von El­tern kei­ne Kin­der­gar­ten­bei­trä­ge mehr zu ver­lan­gen, stößt in vie­len Kom­mu­nen auf Skep­sis. Bür­ger­meis­ter ha­ben die Sor­ge, auf den Kos­ten sit­zen zu blei­ben – und for­dern ei­nen fai­ren Aus­gleich vom Land.

Grund­sätz­lich sei es für El­tern po­si­tiv, wenn SPD und CDU die El­tern­bei­trä­ge ab­schaf­fen woll­ten, sag­te Gün­ter Schnie­ders vom Nie­der­säch­si­schen Städ­te­tag. „Aber die Ein­nah­me­aus­fäl­le der Kom­mu­nen müs­sen voll er­stat­tet wer­den.“Schnie­ders schlägt vor, ei­ne neue „Ge­samt­kos­ten­rech­nung“für Kin­der­gar­ten­plät­ze auf­zu­stel­len. Sie soll zei­gen, wel­chen An­teil Land und Kom­mu­nen je­weils tra­gen. „Die bis­her ge­zahl­ten Pau­scha­len des Lan­des wa­ren für man­che Kom­mu­nen nicht aus­kömm­lich.“

SPD und CDU ha­ben sich bei ih­ren Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen dar­auf ge­ei­nigt, von 2018 an die Be­treu­ung von Drei- bis Sechs­jäh- ri­gen in Kin­der­gär­ten für El­tern un­ent­gelt­lich an­zu­bie­ten. Bis­her ist nur das drit­te Kin­der­gar­ten­jahr bei­trags­frei. Da­für er­hal­ten Kom­mu­nen seit 2007 vom Land 120 Eu­ro für ei­ne vier­stün­di­ge Be­treu­ung und 160 Eu­ro ab acht St­un­den Be­treu­ung. Die­ses Mo­dell sei „ei­ne Blau­pau­se“für die ge­plan­te kom­plet­te Bei­trags­frei­heit, sag­te der Spd-lan­des­ge­schäfts­füh­rer Ge­org Brock­mey­er. Fi­nanz­mi­nis­ter Pe­ter-jür­gen Schnei­der (SPD) rech­net da­mit, dass das Land da­für 250 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr zah­len müss­te.

Der Prä­si­dent des Nie­der­säch­si­schen Städ­te- und Ge­mein­de­bunds, Mar­co Trips, be­fürch­tet, dass dies nicht aus­rei­chen wird. „Wir war­nen da­vor, die Kom­mu­nen über den Tisch zu zie­hen“, sag­te er in Rich­tung SPD und CDU. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on müs­se sich stär­ker an den Be­triebs­kos­ten der Ki­tas be­tei­li­gen. Da die Kos­ten für das drit­te bei­trags­freie Ki­ta-jahr vie­ler­orts jetzt schon hö­her sei­en als die Pau­scha­le des Lan­des, ge­rie­ten vie­le Kom­mu­nen in Schwie­rig­kei­ten.

Mar­co Trips, Nie­der­säch­si­scher Städ­te- und Ge­mein­de­bund

„Die Be­triebs­kos­ten für die Ki­tas sind ein Haupt­the­ma für die Bür­ger­meis­ter“, sag­te Trips. Die FDP be­für­wor­tet die Plä­ne der mög­li­chen Gro­ßen Ko­ali­ti­on: Mit der Bei­trags­frei­heit wer­de deut­lich ge­macht, „dass Kin­der­gär­ten Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sind und kei­ne Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen, für die El­tern Geld be­zah­len“, sag­te ihr Bil­dungs­ex­per­te Björn Förs­ter­ling.

Auf Bun­des­ebe­ne ha­ben sich CDU, CSU, FDP und Grü­ne of­fen­bar dar­auf ge­ei­nigt, für Sechs- bis Zehn­jäh­ri­ge ei­nen Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung et­wa in ei­nem Hort zu schaf­fen. FDPCHEF Chris­ti­an Lind­ner be­ton­te je­doch, dass der Be­schluss un­ter Fi­nan­zie­rungs­vor­be­halt ste­he. Die Prä­si­den­tin des Deut­schen Städ­te­tags, Eva Loh­se, lehnt ei­nen sol­chen Rechts­an­spruch ab. „Die­ser wird dem qua­li­ta­ti­ven An­spruch der El­tern nicht ge­recht“, sag­te sie dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND). Es sei bes­ser, die Ganz­tags­an­ge­bo­te an den Schu­len aus­zu­bau­en.

Wir war­nen da­vor, die Kom­mu­nen über den Tisch zu zie­hen.

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