Nach Air-berlin-plei­te wer­den Flug­ti­ckets teu­rer

Nach der Air-berlin-plei­te steigt die Aus­las­tung im Luft­han­sa-kon­zern auf Re­kord­wer­te / 80 Flug­zeu­ge der in­sol­ven­ten Air­line am Bo­den

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Chris­ti­an Eb­ner

Nach der In­sol­venz von Air Berlin kla­gen Un­ter­neh­men über hö­he­re Kos­ten für Ge­schäfts­rei­sen. Flug­ti­ckets sei­en um bis zu 50 Pro­zent teu­rer ge­wor­den, be­rich­te­te der Ver­band Deut­sches Rei­se­ma­nage­ment. Auf vie­len in­ner­deut­schen Ver­bin­dun­gen – be­son­ders aus Berlin und Düs­sel­dorf – fehlt nun ein wich­ti­ger Wett­be­wer­ber.

Frank­furt. Nach der Air-berlin-plei­te klagt die deut­sche Wirt­schaft über dras­tisch ge­stie­ge­ne Kos­ten für Ge­schäfts­rei­sen. Flug­ti­ckets sei­en nach den Be­ob­ach­tun­gen der Un­ter­neh­men in der Spit­ze um bis zu 50 Pro­zent teu­rer ge­wor­den, be­rich­te­te der Ver­band Deut­sches Rei­se­ma­nage­ment (VDR) am Di­ens­tag in Frank­furt.

Der von Air­line-groß­kun­den ge­tra­ge­ne VDR stützt da­mit Be­rech­nun­gen des In­ter­net-por­tals My­de­alz, über die das „Han­dels­blatt“be­rich­tet hat­te. Dem­nach sind nach der Auf­ga­be des Li­ni­en­ver­kehrs der Air Berlin auf Kurz­stre­cken die Prei­se zwi­schen 26 Pro­zent an Werk­ta­gen und knapp 39 Pro­zent an Wo­che­n­en­den ge­stie­gen – was auch Pri­vat­kun­den trifft.

Ex­per­ten hat­ten den An­stieg er­war­tet, weil nun auf vie­len Stre­cken ins­be­son­de­re aus Berlin und Düs­sel­dorf ein wich­ti­ger Wett­be­wer­ber fehlt. Vor al­lem auf den in­ner­deut­schen Ver­bin­dun­gen ist die Luft­han­sa der­zeit weit­ge­hend al­lein un­ter­wegs und kann die Nach­fra­ge trotz des ver­ein­zel­ten Ein­sat­zes von Groß­raum­flug­zeu­gen kaum ab­de­cken.

Auf der Mit­tel­stre­cke sieht es et­was bes­ser aus, weil hier auch Bil­lig­flie­ger und die je­wei­li­gen na­tio­na- len Flug­ge­sell­schaf­ten der Zi­el­län­der im Ren­nen sind.

Die hö­he­ren Prei­se im Luft­han­saKon­zern sei­en al­lein durch die ge­stie­ge­ne Nach­fra­ge ent­stan­den, die ih­rer­seits auf das ver­klei­ner­te An­ge­bot zu­rück­zu­füh­ren sei, er­klärt das Un­ter­neh­men. „Wir ha­ben un­se­re Preis­struk­tur nicht ver­än­dert“, be­tont ei­ne Spre­che­rin.

Aber: Die Jets sind der­zeit viel schnel­ler aus­ge­bucht, das na­he­zu voll­au­to­ma­ti­sche Bu­chungs­sys­tem reizt die ins­ge­samt 26 Preis­klas­sen zü­gig aus und bit­tet die Kun­den ent­spre­chend zur Kas­se. Schon im Ok­to­ber, als vie­le Pas­sa­gie­re be­reits die dann am Mo­nats­en­de ab­ge­wi­ckel­te Air Berlin mie­den, klet­ter­te die Aus­las­tung im Luft­han­sa-kon­zern auf Re­kord­wer­te.

Die Preis­bil­dung funk­tio­niert wie bei na­he­zu al­len Air­lines: Ist der Flug­ter­min noch weit ent­fernt und sind erst we­ni­ge Plät­ze ver­kauft, wer­den die Ti­ckets güns­tig an­ge­bo­ten. Die letz­ten Plät­ze kurz vor Ab­flug wer­den hin­ge­gen nur noch zu Höchst­prei­sen ab­ge­ge­ben.

Im­mer häu­fi­ger zei­gen die Sys­te­me der Luft­han­sa und ih­rer Toch­ter Eu­ro­wings spe­zi­ell für In­lands­flü­ge zu güns­ti­gen Ta­ges­zei­ten nur noch den Sta­tus „aus­ver­kauft“an. „Es lei­den ins­be­son­de­re die Un­ter­neh­men, die auf Flug­ver­bin­dun­gen von de­zen­tra­len Air­ports ab­seits der

Chris­toph Car­nier, Vdr-prä­si­di­um

gro­ßen Hubs an­ge­wie­sen sind. De­ren Si­tua­ti­on hat sich in Be­zug auf Ti­cket-ver­füg­bar­keit, Fre­quenz und Preis dra­ma­tisch ver­schlech­tert“, klagt Vdr-prä­si­di­ums­mit­glied Chris­toph Car­nier.

Seit gut zwei Wo­chen sind deut­lich we­ni­ger Flug­zeu­ge am Him­mel als vor der Air-berlin-plei­te. Rund 80 der 140 rot-wei­ßen Flug­zeu­ge ste­hen am Bo­den, laut Luft­han­sa-chef Cars­ten Sp­ohr feh­len je­den Tag rund 60 000 Sitz­plät­ze. Wei­te­re Ab­hil­fe sei erst nach ei­ner po­si­ti­ven Kar­tell-ent­schei­dung der Eu-kom­mis­si­on zu er­war­ten.

1000 zu­sätz­li­che Flü­ge pro Mo­nat soll dann al­lein die Toch­ter Eu­ro­wings an­bie­ten, so­fern sie denn bis da­hin aus­rei­chend Cr­ews an­ge­wor­ben hat. Im kom­men­den Jahr sol­len un­ter an­de­rem die Stre­cken Düs­sel­dorf–münchen, Berlin–frank­furt und Berlin–münchen neu an­ge­bo­ten wer­den, kün­dig­te ein Spre­cher an. Auf die­sen Ver­bin­dun­gen ist nach dem En­de der Air Berlin der­zeit die Luft­han­sa al­lein un­ter­wegs.

Der zwei­te Air-berlin-käu­fer Ea­sy­jet will nach der Brüs­se­ler Ent­schei­dung nach und nach die er­wor­be­nen Ka­pa­zi­tä­ten in den Markt brin­gen. Mit ei­ner Ent­schei­dung aus Brüs­sel noch in die­sem Jahr wird es al­ler­dings nur et­was, wenn die Kom­mis­si­on auf ei­ne ver­tief­te Prü­fung des Air-berlin-de­als ver­zich­tet.

Es lei­den Un­ter­neh­men,die­auf de­zen­tra­le Air­ports an­ge­wie­sen sind.

FOTO: DPA

Die Luft­han­sa setzt auf ein­zel­nen Stre­cken Jum­bo-jets ein. Trotz­dem rei­chen die Ka­pa­zi­tä­ten oft nicht aus.

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