Trump fei­ert sei­ne Asi­en­rei­se

Us-prä­si­dent sucht die Nä­he zu Chi­na – Kurs­kor­rek­tur im Ver­hält­nis zu den Phil­ip­pi­nen

Eichsfelder Tageblatt - - POLITIK - Von Ste­fan Koch

Wa­shing­ton. Do­nald Trump hat sei­ne zwölf­tä­gi­ge Asi­en­rei­se als fan­tas­ti­schen Er­folg ge­fei­ert – in der Us-haupt­stadt fällt das Echo ge­misch­ter aus. Wäh­rend der Prä­si­dent von mil­li­ar­den­schwe­ren Ver­trags­ab­schlüs­sen in Chi­na und Ja­pan schwärmt, ha­gelt es schar­fe Kri­tik von der Op­po­si­ti­on. Ge­gen­über der chi­ne­si­schen Füh­rung ha­be sich Trump wie ein „Schoß­hund“auf­ge­führt, sagt Chuck Schu­mer, Frak­ti­ons­chef der De­mo­kra­ten im Se­nat.

Ja­pan, Chi­na, Viet­nam, Süd­ko­rea und schließ­lich die Phil­ip­pi­nen – Trumps Rei­se­ma­ra­thon gilt als be­deu­ten­des Si­gnal in der au­ßen­po­li­ti­schen Neu­aus­rich­tung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Ver­ges­sen sind auf den ers­ten Blick die frü­he­ren Wahl­kampf­aus­sa­gen, wo­nach die chi­ne­si­sche Wäh­rung ma­ni­pu­liert und die Han­dels­ver­trä­ge mit der gro­ßen Wirt­schafts­macht in Süd­ost­asi­en „un­fair“sei­en: Der Chef des Wei­ßen Hau­ses sucht de­mons­tra­tiv die Nä­he sei­nes Kol­le­gen Xi Jin­ping und be­müht sich um ei­ne ge­mein­sa­me Ge­sprächs­grund­la­ge. Auf sei­nem Rück­flug nach Wa­shing­ton spricht der 71-Jäh­ri­ge von Han­dels­ab­kom­men im Wert von 300 Mil­li­ar­den Dol­lar, die am Ran­de sei­ner Be­geg­nun­gen zu­stan­de ge­kom­men sei­en. Wie sehr der Prä­si­dent um ei­nen ent­spann­ten Kon­takt mit der auf­stre­ben­den Macht be­müht ist, zeig­te sich be­reits zu Be­ginn des Fest­ban­ketts in Pe­king: Trump ließ ein Vi­deo ab­spie­len, in dem sei­ne sechs­jäh­ri­ge En­ke­lin Ara­bel­la Kush­ner ein Lied auf Man­da­rin singt – der chi­ne­si­schen Amts­spra­che.

Wie das ge­gen­wär­ti­ge ame­ri­ka­nisch-chi­ne­si­sche Ver­hält­nis ein­zu­stu­fen ist, bleibt für vie­le Be­ob­ach­ter in der Us-haupt­stadt den­noch rät­sel­haft: Trump er­wähnt ge­gen­über Xi Jin­ping ein „G2“-for­mat, in dem sich Pe­king und Wa­shing­ton in in­ter­na­tio­na­len Fra­gen eng ab­stim­men soll­ten. Auch wur­de die Be­deu­tung ei­nes ge­mein­sa­men Vor­ge­hens in der Nord­ko­rea-kri­se und die Mög­lich­keit di­rek­ter Ge­sprä­che mit Pjöng­jang her­vor­ge­ho­ben. Doch kaum hat­te die Us-de­le­ga­ti­on den chi­ne­si­schen Luf­t­raum ver­las­sen, än­der­te sich die Ton­la­ge. Ame­ri­ka müs­se auf fai­re Han­dels­ver­trä­ge po­chen, hebt Trump ge­gen­über mi­t­rei­sen­den Jour­na­lis­ten her­vor: „Wir er­war­ten of­fe­ne Märk­te auf Ge­gen­sei­tig­keit. Auch soll­ten die

Han­dels­ab­kom­men im Wert von 300 Mil­li­ar­den Dol­lar – Us-prä­si­dent Do­nald Trump sieht sei­ne Asi­en­rei­se als gro­ßen Er­folg.

In­ves­ti­tio­nen von der Pri­vat­in­dus­trie fest­ge­legt wer­den und nicht von den Pla­nern der Re­gie­rung.“Au­ßer­dem müss­ten sich die USA auf den „in­d­o­pa­zi­fi­schen“Raum kon­zen­trie­ren, der nach Wa­shing­to­ner Les­art Chi­na aus­drück­lich aus­schließt und sich al­lein auf Aus­tra­li­en, In­di­en, Ja­pan und die USA be­zieht.

Auf die Men­schen­rechts­la­ge kam Trump we­der in Pe­king noch beim ASE­AN-GIP­FEL in Ma­ni­la zu spre­chen. Wäh­rend Ka­na­das Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau am Ran­de der Kon­fe­renz in ei­ner öf­fent­li­chen Er­klä­rung die phil­ip­pi­ni­sche Re­gie­rung nach­drück­lich er­mahnt, die Bür­ger­rech­te zu re­spek­tie­ren, hält sich die Us-de­le­ga­ti­on auf­fäl­lig zu­rück. Kri­ti­sche Be­mer­kun­gen zu dem Dro­gen­krieg und den Hin­wei­sen, dass re­gie­rungs­na­he To­des­schwa­dro­ne et­wa 6000 Ver­däch­ti­ge oh­ne Ge­richts­ur­teil ge­tö­tet ha­ben sol­len, sind nicht zu hö­ren.

Die Spre­che­rin des Wei­ßen Hau­ses sag­te auf Nach­fra­ge, dass Trump mit dem um­strit­te­nen Prä­si­den­ten der Phil­ip­pi­nen, Ro­d­ri­go Du­ter­te, „kurz“über die Men­schen­rechts­la­ge ge­spro­chen ha­be. Auch gibt es ei­ne Ab­schluss­er­klä­rung, die den Re­spekt vor dem Le­ben her­vor­hebt: „Bei­de Sei­ten ha­ben be­tont, dass die Men­schen­rech­te und die Wür­de des mensch­li­chen Le­bens es­sen­zi­ell sind.“

Die ver­än­der­te Ton­la­ge ge­gen­über Ma­ni­la zählt da­her wohl zu den auf­fäl­ligs­ten Kurs­kor­rek­tu­ren: Du­ter­te hat­te Trumps Vor­gän­ger Ba­rack Oba­ma noch als „Hu­ren­sohn“be­schimpft und des­sen Er­mah­nun­gen als un­er­laub­te in­nen­po­li­ti­sche Ein­mi­schung zu­rück­ge­wie­sen. Zum Er­schre­cken meh­re­rer Us­ame­ri­ka­ni­scher Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen be­müht sich da­ge­gen die neue Us-ad­mi­nis­tra­ti­on aus­drück­lich um ein part­ner­schaft­li­ches Aus­kom­men.

FOTO: DPA

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