Droht nun et­wa ei­ne Eu­ro-ral­lye?

Eichsfelder Tageblatt - - WIRTSCHAFT & BÖRSE -

Nur ein Vier­tel­stünd­chen. Län­ger be­weg­te sich der Deut­sche Ak­ti­en­in­dex am Di­ens­tag nicht im Plus. Und die­ses kur­ze Auf­bäu­men ge­schah schon gleich nach Han­dels­be­ginn. Die rest­li­chen Vier­tel­stünd­chen des Bör­sen­tags ging es mehr oder we­ni­ger ste­tig berg­ab. Das über­rascht zu­nächst.

Denn an gu­ten Nach­rich­ten herrscht kein Man­gel. So wird Deutsch­land in die­sem Jahr al­ler Vor­aus­sicht nach das stärks­te Wirt­schafts­wachs­tum seit sechs Jah­ren hin­le­gen. Und auch die Kon­junk­tur­er­war­tun­gen des Zen­trums für Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­for­schung (ZEW) klet­ter­ten wei­ter – im No­vem­ber zum drit­ten Mal hin­ter­ein­an­der. Sol­che Zew-da­ten al­lein kön­nen schon mal für Kurs­sprün­ge sor­gen, und die Neu­ig­kei­ten vom deut­schen Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) sind für sich ge­nom­men ja eben­falls ei­ne po­si­ti­ve Über­ra­schung. Ges­tern al­ler­dings hat­te die Sa­che – mal wie­der – ei­nen Ha­ken: Das er­freu­li­che Bip-wachs­tum der größ­ten Volks­wirt­schaft der Eu­ro-zo­ne ließ prompt den Kurs der Ge­mein­schafts­wäh­rung stei­gen. Mehr als 1,17 Dol­lar muss­te für ei­nen Eu­ro ge­zahlt wer­den. Zu­letzt lag er bei 1,1773 Dol­lar, so hoch wie seit mehr als zwei Wo­chen nicht mehr. Und das stör­te die Händ­ler ge­wal­tig, denn ei­ne star­ke Ge­mein­schafts­wäh­rung kann die Ex­por­te au­ßer­halb der Eu­ro-re­gi­on er­schwe­ren. So war von den An­le­gern nicht mehr viel zu er­war­ten. Kurs­ral­lye ade? Wer ein­mal zu­rück­schaut, stellt fest, dass der Bör­sen­mo­nat De­zem­ber oft zu den stärks­ten ei­nes Ka­len­der­jahrs zählt. Vie­le se­hen nun aber be­reits die stei­gen­den Ak­ti­en­kur­se zum Jah­res­aus­klang in Ge­fahr. Man­che in Frank­furt wit­tern so­gar ein noch grö­ße­res Ri­si­ko: „Ei­ne Ral­lye im Eu­ro ist das Letz­te, was der Dax nach der Schwä­che der ver­gan­ge­nen Ta­ge ge­brau­chen kann“, sag­te Markt­ana­lyst Jo­chen Stanzl von CMC Mar­kets.

Aber es ging nicht nur ab­wärts. Die In­fi­ne­on-ak­tie leg­te um 2,7 Pro

zent zu. Die Di­vi­den­den­er­hö­hung wur­de an der Bör­se als Zu­ver­sicht ge­deu­tet, dass der Chip­her­stel­ler trotz des schwa­chen Dol­lars sein Wachs­tum hal­ten kann. Im Tec-dax leg­te In­ter­net- und Mo­bil­funk­an­bie­ter Uni­ted In­ter­net nach gu­ten Quar­tals­zah­len um 3,5 Pro­zent zu. Die Ver­lierer­lis­te des gest­ri­gen Han­dels­tags führ­te der Dax­kon­zern RWE an, des­sen Pa­pie­re trotz glän­zen­der Quar­tals­bi­lanz um fast 6 Pro­zent an Wert ver­lo­ren. Bör­sia­ner spra­chen von Ge­winn­mit­nah­men. So ging der Dax mit ei­nem Mi­nus von 0,3 Pro­zent bei 13 033 Punk­ten aus dem Han­del. Es war der vier­te Ver­lust­tag in Fol­ge. Und seit sei­nem jüngs­ten Re­kord­hoch vor ei­ner Wo­che hat der In­dex be­reits rund 500 Punk­te ein­ge­büßt. Noch hält er sich über der 13 000-Punk­te-mar­ke. Aber wie lan­ge?

FOTO: DPA

Schei­ben­kleis­ter: Der Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler Hen­kel ist be­kannt für Mar­ken wie Pril, Per­sil und Po­ly­co­lor. Im drit­ten Quar­tal war es al­ler­dings vor al­lem die Kleb­stoffspar­te rund um Pritt, Po­nal und Pat­tex, die bei den Düs­sel­dor­fern für ei­nen Um­satz- und Ge­winn­schub sorg­te. Ei­ne star­ke Nach­fra­ge ins­be­son­de­re aus der Elek­tro­nik­in­dus­trie ließ das Er­geb­nis vor Zin­sen und Steu­ern um 7 Pro­zent auf 897 Mil­lio­nen Eu­ro stei­gen. Der Um­satz klet­ter­te um 5 Pro­zent auf knapp 5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Vor­zugs­ak­tie fiel den­noch um mehr als 4 Pro­zent, weil die Kos­me­tikund Haus­halts­gü­ter­spar­ten die Er­war­tun­gen ent­täusch­ten.

HELMUTH KLAUSING über The­men und Ten­den­zen an der Bör­se

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.