In fünf St­un­den zum Ba­che­lor

Zehn Bars, zehn Ge­trän­ke: Wer das schaff­te, konn­te sich im Prü­fungs­amt im Sa­voy sei­ne „Kn­ei­pen Ba­che­lor“-ur­kun­de ab­ho­len. Ta­ge­blatt-re­dak­teu­rin Han­nah Sch­ei­we hat mit­ge­macht.

Eichsfelder Tageblatt - - CAMPUS - Von Han­nah Sch­ei­we

Göt­tin­gen. Ich ha­be es nicht in Re­gel­stu­di­en­zeit ge­schafft. Fünf St­un­den für zehn Kn­ei­pen oder Clubs und zehn Ge­trän­ke, das ist ganz schön eng. Fast wie die sechs Se­mes­ter für ein Ba­che­lor-stu­di­um an der Uni. Vor al­lem, wenn man noch ein Aus­lands­se­mes­ter macht – so wie ich im Irish Pub.

Beim „Kn­ei­pen Ba­che­lor“in der Göt­tin­ger In­nen­stadt ist al­les an­ge­lehnt an ein rich­ti­ges Stu­di­um. „Im­mer mit ei­nem Au­gen­zwin­kern“, wie Ste­fan Hu­gen­roth er­klärt. Der Grün­der des „Kn­ei­pen Ba­che­lors“, hat die Ver­an­stal­tung mitt­ler­wei­le in zehn Städ­te ex­por­tiert. Im Club Sa­voy – Start und Ziel die­ses Kn­ei­pen­Stu­di­ums – schrei­be ich mich ein. Nach dem ers­ten Bier geht’s los: In 15 ver­schie­de­nen Kn­ei­pen oder Clubs kön­nen Cre­dit Po­ints, äh, Stem­pel für Bier, Co­la oder Was­ser ge­sam­melt wer­den. Wer am En­de zehn Stem­pel aus zehn ver­schie­de­nen Kn­ei­pen hat, be­kommt sein Ba­che­lor-zeug­nis. Wel­che Bars be­sucht wer­den und in wel­cher Rei­hen­fol­ge dür­fen wir uns selbst aus­su­chen.

Mei­ne ers­te An­lauf­stel­le ist das Char­ly Max – ei­ne Kn­ei­pe, in der ich vor­her noch nie war. „Die Leu­te sol­len die Kn­ei­pen­kul­tur und neue Leu­te ken­nen­ler­nen“, er­klärt Hu­gen­roth die Idee hin­ter der Ver­an­stal­tung. Das funk­tio­niert: Nicht nur ich bin zum ers­ten mal im Char­ly Max, son­dern auch die Me­di­zin­Stu­den­tin­nen Jas­min, Ma­ria und Di­mi­tra, die ich am Tre­sen ken­nen­ler­ne. „Wir ha­ben uns schon ei­ne Rou­te ge­malt, wo wir lang­wol­len“, er­klärt die 24-jäh­ri­ge Jas­min. Auch wenn sie in ih­rem ech­ten Stu­di­um schon im neun­ten Se­mes­ter sind, ste­hen sie beim „Kn­ei­pen Ba­che­lor“noch am An­fang. Vie­le der teil­neh­men Kn­ei­pen sind ih­nen noch un­be­kannt. Auch mir geht es so: Fünf Lo­ca­ti­ons be­tre­te ich an die­sem Abend zum ers­ten Mal.

Char­ly Max zum Start in den „Kn­ei­pen Ba­che­lor“

Hin­ter dem mit Post­kar­ten be­häng­ten Tre­sen im Char­ly Max zap­fen Kell­ne­rin Shi­mo und ih­re Kol­le­gen ein Bier nach dem an­de­ren und tra­gen sta­pel­wei­se lee­re Glä­ser zu­rück. Stress kommt trotz­dem nicht auf. „Am Wo­che­n­en­de ist es im­mer rap­pel­voll hier“, sagt Shi­mo. Die Kn­ei­pe sei gut ge­le­gen zwi­schen den bei­den Clubs Sa­voy und Al­pe­nes max. An die­sem Mon­tag­abend wird sie von vie­len der Stu­den­ten als Start in den „Kn­ei­pen Ba­che­lor“ge­nutzt.

Dann geht’s ins Aus­lands­se­mes­ter, so steht es auf dem Stem­pel­plan: in das Irish Pub, wo ein wei­te­res Ge­tränk auf mich und ei­ne Freun­din Ste­fan Hu­gen­roth , Grün­der des „Kn­ei­pen Ba­che­lors“ war­tet, und wo wir auf die Guin­ness trin­ken­den Stu­den­ten Jo­han­nes, Se­bas­ti­an und Se­bas­ti­an tref­fen. „Ich ken­ne die Mehr­heit der Kn­ei­pen bis­her noch nicht“, sagt auch der 25-jäh­ri­ge Jo­han­nes, der seit ei­nem hal­ben Jahr in Göt­tin­gen pro­mo­viert. Auch sei­nen Freun­den Se­bas­ti­an (27) und Se­bas­ti­an (26) geht so. Sie ab­sol­vie­ren tat­säch­lich fast so et­was wie ein Aus­lands­se­mes­ter: Für den „Kn­ei­pen Ba­che­lor“sind sie aus Il­men­au an­ge­reist.

Mein Aus­lands­se­mes­ter in­klu­si­ve Li­ve-mu­sik ist vor­bei, das nächt­li­che Stu­di­um aber noch längst nicht. Es folgt ein Be­such im Club Plan B, der zum ers­ten Mal beim „Kn­ei­pen Ba­che­lor“da­bei ist. Zum zwei­ten Mal wird die Ver­an­stal­tung nun in Göt­tin­gen or­ga­ni­siert, wie Hu­gen­roth er­zählt.

In der Bub­bles Bar wird mit ei­ner Schlamm­bow­le ge­tanzt

Hek­tisch zap­fen die zwei Bar­män­ner im Plan B Bier und ver­tei­len Stem­pel. Ge­tanzt wird noch nicht, es ist gera­de mal 20 Uhr, ich trin­ke mein vier­tes Bier. Seit zwei St­un­den strö­men schon „Kn­ei­pen Ba­che­lor“-stu­den­ten durch die Stadt – der Start der rund 1000 Stu­den­ten, die be­reits im Vor­ver­kauf ein Ti­cket ge­kauft ha­ben, er­folgt zeit­lich ge­staf­felt. „Mit der Abend­kas­se zu­sam­men rech­nen wir mit un­ge­fähr 1500 Stu­den­ten, die mit­ma­chen“, sagt Or­ga­ni­sa­tor Hu­gen­roth.

In der ge­müt­li­chen Gar­ten­lau­be wird’s an­schlie­ßend wirk­lich ge­müt­lich-eng – doch wir finden noch Platz an ei­nem klei­nen Tisch. In der Bub­bles Bar tan­zen wir mit ei­ner Schlamm­bow­le, dem Spe­zi­al­ge­tränk des klei­nen Kel­ler­clubs, in der Hand auf der Tanz­flä­che un­ter dem Mau­er­ge­wöl­be. Die auf dem Weg lie­gen­de Bur­ge­ria, als Men­sa auf un­se­rem Plan ge­kenn­zeich­net, las­sen wir aus. „Nicht prü­fungs­re­le­vant“, steht auf dem Stem­pel­feld – und da­mit heu­te keins mei­ner Zie­le. Die Re­gel­stu­di­en­zeit schaf­fe ich jetzt schon nicht mehr.

Nach ei­nem klei­nen Ab­ste­cher in die Bier­wirt­schaft, wo mein Ne­ben­mann am Tre­sen tat­säch­lich ein­fach so hier sein Fei­er­abend­bier trinkt, ste­hen nur noch Clubs auf dem Pro­gramm. Ich tan­ze und trin­ke mich durch JT Kel­ler, Frei­ha­fen und Sechs Mil­lio­nen Dol­lar Club, bis ich end­lich im Prü­fungs­amt im Sa­voy mei­ne Ba­che­l­or­ur­kun­de ent­ge­gen­neh­men kann. Es ist 0.45 Uhr, 15 Mi­nu­ten mehr und ich wä­re ex­ma­tri­ku­liert wor­den. Noch schnell ein Foto mit Ab­sol­ven­ten­hut – ge­schafft.

Im­mer mit ei­nem Au­gen­zwin­kern.

Bil­der und Vi­deo: gturl.de/ba­che­lor

FOTO: MISCHKE

„Kn­ei­pen Ba­che­lor“: Se­bas­ti­an, Se­bas­ti­an und Jo­han­nes (v.l.) beim „Aus­lands­se­mes­ter“im Irish Pub in Göt­tin­gen.

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