And­ret­ta will Frau­en­tag ar­beits­frei

Land­tags­prä­si­den­tin And­ret­ta will den Frau­en­tag zum Fei­er­tag ma­chen

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Micha­el B. Ber­ger

Han­no­ver. Die Dis­kus­si­on um ei­nen neu­en Fei­er­tag in Nie­der­sach­sen geht mun­ter wei­ter. Ges­tern schal­te­te sich Land­tags­prä­si­den­tin Ga­b­rie­le And­ret­ta (SPD) in die Dis­kus­si­on ein – und schlug den Welt­frau­en­tag (8. März) statt des Re­for­ma­ti­ons­ta­ges (31. Ok­to­ber) vor. „Die­sen Tag hal­te ich für sehr ge­eig­net, weil er zu den we­ni­gen Ge­denk­ta­gen zählt, die die Teil­ha­be von Frau­en am po­li­ti­schen Le­ben wür­di­gen“, sag­te sie. Oh­ne­hin müs­se die Sa­che der Frau­en mehr ge­stärkt wer­den, sag­te And­ret­ta, die es be­dau­ert, dass der Land­tag nur 30 Pro­zent weib­li­che Mit­glie­der hat.

And­ret­ta schlug vor, dass der Land­tag erst über die Fra­ge ab­stim­me, ob man ei­nen welt­li­chen oder kirch­li­chen ge­setz­li­chen Fei­er­tag ha­ben wol­le. Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) und sein Vi­ze Bernd Al­t­hus­mann (CDU) ha­ben sich be­reits wie­der­holt für den Re­for­ma­ti­ons­tag aus­ge­spro­chen. Weil sag­te ges­tern nach dem Vor­stoß And­ret­t­as, er er­war­te zu die­sem „so­wie zu wei­te­ren Vor­schlä­gen“ei­ne leb­haf­te De­bat­te im Par­la­ment. Auch in den Frak­tio­nen gibt es leb­haf­te Dis­kus­sio­nen.

Han­no­ver. Beim Lan­des­frau­en­rat stößt der Vor­stoß von Land­tags­prä­si­den­tin Ga­b­rie­le And­ret­ta, an­stel­le des Re­for­ma­ti­ons­ta­ges doch den Welt­frau­en­tag (8. März) zum neu­en Fei­er­tag zu er­he­ben, auf gro­ße Freu­de. „Das ist ein wich­ti­ges Si­gnal und ein wich­ti­ges Da­tum“, sagt die Vor­sit­zen­de Ma­ri­on Över­möh­le-mühl­bach: „Wir un­ter­stüt­zen die­se Ak­ti­on voll und ganz, schließ­lich soll­te die Hälf­te der Be­völ­ke­rung auch mal ein sicht­ba­res Zei­chen der Wert­schät­zung er­fah­ren.“Doch ob die Frau­en den von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) fa­vo­ri­sier­ten Re­for­ma­ti­ons­tag als zehn­ten Fei­er­tag in Nie­der­sach­sen kip­pen kön­nen, scheint aus zwei Grün­den frag­lich: Zum ei­nen sind sie mit un­ter 30 Pro­zent im neu­en Land­tag schlecht ver­tre­ten, zum an­de­ren gibt es über die­se Fra­ge selbst un­ter den frau­en­po­li­ti­schen Spre­che­rin­nen ver­schie­de­ne An­sich­ten.

Glü­hends­te Un­ter­stüt­ze­rin des jüngs­ten Vor­sto­ßes in der Fei­er­tags­dis­kus­si­on ist die Grü­nen-ab­ge­ord­ne­te Im­ke Byl: „Ich ha­be mich rich­tig dar­über ge­freut“, sagt die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te. Denn ge­ra­de in die­sem Jahr feie­re man doch 100 Jah­re Frau­en­wahl­recht, das in Deutsch­land 1918 ein­ge­führt wur­de. Und oh­ne­hin sei es gut, ei­nen welt­li­chen Fei­er­tag zu neh­men und kei­nen kirch­li­chen. „Un­se­re Frak- ti­on ist al­ler­dings noch nicht fest­ge­legt“,sagt­byl.

So ist auch die La­ge in der CDUFrak­ti­on, de­ren frau­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin Ma­rei­ke Wul­ff sich auch noch nicht fest­le­gen will. Ei­ne „schwie­ri­ge Ge­men­ge­la­ge“sei das, je­der Vor­schlag hät­te es ei­gent­lich ver­dient, ei­nen Fei­er­tag zu be­kom­men, meint Wul­ff – und setzt jetzt vor al­lem auf ein ge­ord­ne­tes Ver­fah­ren der Mei­nungs­bil­dung. „Ich emp­feh­le, jetzt erst ein­mal die ge­plan­te An­hö­rung ab­zu­war­ten und dann zu ent­schei­den.“Als Pro­tes­tan­tin ha­be sie auch star­ke Sym­pa­thi­en für den Re­for­ma­ti­ons­tag.

Die sind bei The­la Wern­stedt, der frau­en­po­li­ti­schen Spre­che­rin der SPD, be­son­ders aus­ge­prägt, wes­halb sie den Re­for­ma­ti­ons­tag nicht ein­fach dem Welt­frau­en­tag („zwei­fel­los auch ein wich­ti­ges Da­tum“) preis­ge­ben will. „Aber die Re­for­ma­ti­on steht doch auch für ge­sell­schaft­li­che Um- und Auf­brü­che bis hin zur Auf­klä­rung. Des­halb blei­be ich beim Re­for­ma­ti­ons­tag.“Syl­via Bruns, frau­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin der FDP, un­ter­streicht, dass die Li­be­ra­len ja ei­gent­lich gar kei­nen neu­en Fei­er­tag woll­ten, den Re­for­ma­ti­ons­tag schon gar nicht. „Aber im Au­gen­blick kom­me ich mir vor wie in ei­ner Lot­te­rie, wo je­der ei­nen neu­en Vor­schlag in die Lostrom­mel wirft.“Sie wür­de sich jetzt ei­nen ver­nünf­ti­gen ge­sell­schaft­li­chen Dis­put über die Fra­ge wün­schen, sagt Bruns.

And­ret­ta selbst will bei die­sem The­ma nicht nach­las­sen. Dass sie die ers­te Prä­si­den­tin in der 71-jäh­ri­gen Land­tags­ge­schich­te ist, emp­fin­det sie als ei­ne Art Ver­pflich­tung. And­ret­ta plant für den 8. März be­reits ei­ne Art frau­en­po­li­ti­schen Emp­fang, der wäh­rend ih­rer Amt­s­pe­ri­ode künf­tig in je­dem Jahr an die­sem Da­tum ver­an­stal­tet wer­den soll. Da­zu sol­len vor al­lem weib­li­che Po­li­ti­ker ein­ge­la­den wer­den. Mit dem Stich­wort „star­ke Frau­en“be­ti­telt sie auch ei­ne Rei­he von Ver­an­stal­tun­gen in die­sem Jahr.

FO­TO: DPA

Über­ra­schen­der Vor­schlag mit un­ge­wis­sen Er­folgs­aus­sich­ten: Lang­tags­prä­si­den­tin And­ret­ta.

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