Weil glaubt an das Ja der SPD zur Gro­ßen Ko­ali­ti­on

Trotz al­ler Auf­re­gung: Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent glaubt ans Ja der SPD zur Gro­ßen Ko­ali­ti­on

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - In­ter­view: Matthias Koch

Im In­ter­view hat Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil über die La­ge der SPD ge­spro­chen. „Ich bin zu­ver­sicht­lich, viel­leicht noch zu­ver­sicht­li­cher als vor ein, zwei Wo­chen“, sag­te er zum Spd-mit­glie­der­ent­scheid. „Nach mei­nem Ein­druck wird es am En­de in der Mehr­heit für die Gro­ße Ko­ali­ton ge­ben.“

Herr Mi­nis­ter­prä­si­dent, Ih­re SPD er­lebt der­zeit ei­ne Ner­ven­pro­be nach der an­de­ren. Was ha­ben Sie für ein Ge­fühl – wie wirkt sich dies al­les auf den Mit­glie­der­ent­scheid aus?

Ich bin zu­ver­sicht­lich, viel­leicht so­gar zu­ver­sicht­li­cher als noch vor ein, zwei Wo­chen. Nach mei­nem Ein­druck wird es am En­de in der SPD ei­ne Mehr­heit für die Gro­ße Ko­ali­ti­on ge­ben – trotz der schwie­ri­gen und manch­mal auch über­dreh­ten De­bat­ten in die­ser Zeit.

Kom­men man­che jetzt ge­ra­de we­gen der Kri­se der Par­tei zu dem Schluss, dass ein Nein zum Mit­re­gie­ren ein Feh­ler wä­re?

Das weiß ich nicht, aber es wird im­mer kla­rer, dass der Ko­ali­ti­ons­ver­trag Ver­bes­se­run­gen für vie­le Men­schen brin­gen wird. Den­ken Sie an In­ves­ti­tio­nen in Bil­dung und Di­gi­ta­li­sie­rung, Ver­bes­se­run­gen für Ar­beit­neh­mer, Ent­las­tun­gen für Steu­er­zah­ler mit ge­rin­gem Ein­kom­men. Die­se Vor­ha­ben sind sehr kon­kret und Vor­schlä­ge der SPD. Und es spielt auch ei­ne Rol­le, wo­hin die Rei­se denn geht, wenn man die Al­ter­na­ti­ve be­denkt. Und die­se Al­ter­na­ti­ve heißt Neu­wah­len.

Geht Re­ge­ne­rie­ren auch durch Re­gie­ren?

Ja, das geht – nach mei­ner Auf­fas­sung so­gar bes­ser als in der Op­po­si­ti­on. Da­zu wird bei­tra­gen, dass wir durch die Kom­bi­na­ti­on von Par­tei­und Frak­ti­ons­vor­sitz ein so­zi­al­de­mo­kra­ti­sches Kraft­zen­trum schaf­fen wol­len – mit ei­nem im Ver­hält­nis zu frü­he­ren Gro­ßen Ko­ali­tio­nen kla­rer er­kenn­ba­ren Pro­fil.

Wie­so be­kommt Andrea Nah­les den Par­tei­vor­sitz wie ei­nen Wan­der­po­kal von Mar­tin Schulz wei­ter­ge­reicht – wäh­rend über die Ko­ali­ti­on al­le Mit­glie­der ab­stim­men dür­fen?

Das Amt des Par­tei­chefs wird nicht wei­ter­ge­reicht, son­dern es ent­schei­den die De­le­gier­ten ei­nes Bun­des­par­tei­tags. Andrea Nah­les ist er­fah­ren, kom­pe­tent und kämp­fe­risch. Sie wird ei­ne gu­te Spd-par­tei­vor­sit­zen­de.

Mit ei­ner Ur­wahl könn­te man mehr De­mo­kra­tie wa­gen.

Dar­über kön­nen wir ger­ne in un­se­rer Re­form­de­bat­te re­den. Der­zeit ist ei­ne sol­che Ur­wahl aber im Par­tei­en­gesetz nicht vor­ge­se­hen.

Be­kom­men die Spd-mit­glie­der, be­vor sie ab dem 20. Fe­bru­ar ab­stim­men, ei­ne Lis­te der sechs vor­ge­se­he­nen Spd-bun­des­mi­nis­ter?

Da­von wür­de ich ab­ra­ten. Es ist nicht gut, wenn die not­wen­di­ge in­halt­li­che Dis­kus­si­on durch wei­te­re per­so­nel­le Fra­gen über­la­gert wird.

Aber die­se Über­la­ge­rung gibt es doch längst. In Berlin stürz­ten sich letz­te Wo­che sämt­li­che Me­di­en auf ei­ne Ka­bi­netts­lis­te ...

... von der nie­mand sa­gen kann, von wem sie stammt. Hat da ein Lob­by­ist et­was ge­streut? Man­che sa­gen, die Lis­te stam­me aus ei­ner an­de­ren Par­tei. Wie auch im­mer: Die Lis­te ist, was die Spd-sei­te an­geht, nicht kor­rekt. Ich ha­be von An­fang an dar­auf hin­ge­wie­sen. Die gan­ze Auf­re­gung war ei­ne Mi­schung von hei­ßer Luft und Über­ner­vo­si­tät.

Wel­che Leh­ren zie­hen Sie aus die­sem Phä­no­men?

Bit­te nicht ein­fach je­den Mist glau­ben, nur weil er ge­ra­de un­ge­prüft mit höchs­ter Ei­le bun­des­weit ver­brei­tet wird. Po­li­tik und Me­di­en stei­gern sich manch­mal ge­gen­sei­tig in ei­nen ir­rea­len Zu­stand hin­ein, aus dem sie an­schlie­ßend nur müh­sam wie­der her­aus­fin­den.

Die Po­li­ti­ker von Uni­on und SPD tru­gen doch aber in jüngs­ter Zeit selbst viel zur Dra­ma­tik bei, schon al­lein durch die im­mer neu­en spek­ta­ku­lä­ren Nacht­sit­zun­gen.

Da ge­be ich Ih­nen recht. Ich selbst fand da in den letz­ten Wo­chen vie­les zu hoch­tou­rig, was da ge­schah. Es tut nie­man­dem per­sön­lich gut und es hilft auch meist der Sa­che nicht, wenn die Zeit fürs Nach­den­ken, fürs Dis­ku­tie­ren und fürs Ent­schei­den ex­trem ver­kürzt und dann teil­wei­se in die Nacht hin­ein ver­legt wird. Mit küh­lem Kopf und et­was gu­tem Wil­len auf al­len Sei­ten ist so et­was ei­gent­lich ver­meid­bar. In Nie­der­sach­sen sind die Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen, eben­falls mit der Uni­on, kaum je über 20 Uhr hin­aus­ge­gan­gen. Na­tür­lich gibt es in der Bun­des­po­li­tik ei­ne an­de­re Um­dre­hungs­zahl. Den­noch wä­re mein Tipp: Ganz Berlin soll­te ge­le­gent­lich ein­fach mal ei­nen Gang run­ter­schal­ten.

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