Kri­tik an Vor­stoß für Gra­tis-bus­se

Neu­er Vor­stoß der Bun­des­re­gie­rung zur Luf­t­rein­hal­tung soll De­bat­te an­sto­ßen – Fi­nan­zie­rung ist al­ler­dings nicht ge­klärt

Eichsfelder Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Be­ne­dikt Im­hoff

Berlin. Sol­len Bus­se und Bah­nen in deut­schen Städ­ten kos­ten­los sein? Fach­leu­te se­hen den Vor­stoß der Bun­des­re­gie­rung skep­tisch, die sich da­von ei­ne bes­se­re Luft­qua­li­tät in den In­nen­städ­ten er­hofft. Kurz­fris­tig sei ein sol­ches Kon­zept schon aus Ka­pa­zi­täts­grün­den nicht um­setz­bar, ar­gu­men­tie­ren Kri­ti­ker. Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert sag­te , es ge­he um „zeit­wei­li­ge“Gra­tis-an­ge­bo­te, die der Bund un­ter­stüt­zen kön­ne. Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) sprach von ei­nem „in­ter­es­san­ten An­satz“, der es wert sei, ge­tes­tet zu wer­den.

Berlin. Der Vor­stoß der Bun­des­re­gie­rung für kos­ten­lo­se Bus­se und Bah­nen im Kampf ge­gen zu schmut­zi­ge Luft in deut­schen Städ­ten stößt auf brei­te Skep­sis. Ver­kehrs­ver­bün­de und Kom­mu­nen ver­wie­sen auf ei­ne un­ge­klär­te Fi­nan­zie­rung und ver­lang­ten ei­nen stär­ke­ren Aus­bau des Nah­ver­kehrs­an­ge­bots. Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert mach­te am Mitt­woch deut­lich, dass es um „zeit­wei­li­ge“Gra­ti­s­an­ge­bo­te in Kom­mu­nen ge­he, die un­ter­stützt wer­den könn­ten. An­ga­ben zu Zeit­plä­nen, Kos­ten und der Um­set­zung in be­stimm­ten Städ­ten wur­den nicht ge­macht.

Der Deut­sche Städ­te­tag nann­te die Über­le­gun­gen an­ge­sichts an­dau- ern­der Grenz­wert-über­schrei­tun­gen „et­was hilf­los“. Kos­ten­lo­ser Nah­ver­kehr sei „wahr­schein­lich nicht zu be­zah­len“, sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Hel­mut De­dy. „Und ich glau­be auch nicht, dass die Bun­des­re­gie­rung das be­zah­len will.“Grü­nen-frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter kri­ti­sier­te, die Re­gie­rung ha­be ei­nen Test­bal­lon ge­star­tet, sei aber be­reits wie­der zu­rück­ge­ru­dert. Es ge­he dar­um, das An­ge­bot aus­zu­bau­en, das „Ti­cket­cha­os“zu lich­ten und Bus­se und Bah­nen für Schü­ler und Ju­gend­li­che in ganz Deutsch­land kos­ten­frei zu ma­chen.

Sei­bert sag­te, es sol­le al­les da­für ge­tan wer­den, die Luft­qua­li­tät zu ver­bes­sern und Die­sel-fahr­ver­bo­te zu ver­mei­den. In ei­nem Schrei­ben an die Eu-kom­mis­si­on sei­en zu­sätz­li­che Maß­nah­men für Kom­mu­nen dar­ge­legt wor­den. Nun wer­de ei­ne Be­wer­tung aus Brüs­sel ab­ge­war­tet. Hin­ter­grund ist ei­ne dro­hen­de Kla­ge der Kom­mis­si­on beim Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof ge­gen Deutsch­land we­gen un­zu­rei­chen­der bis­he­ri­ger Be­mü­hun­gen.

Ein Spre­cher des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums sag­te, der Vor­schlag sol­le ei­ne Dis­kus­si­on an­sto­ßen und ein Si­gnal ge­ben, dass die Re­gie­rung zu ei­ner Er­wei­te­rung des „Gestal­tungs­spiel­raums“der Kom­mu­nen be­reit sei. So könn­ten Städ­te „ein vor­über­ge­hen­des Gra­ti­s­an­ge­bot“et­wa dann ma­chen, wenn die Luft­be­las­tung hö­her ist. Er ver­wies auf Tübingen, wo Bus­se seit Kur­zem sams­tags gra­tis sind. Das An­ge­bot gilt bis sonn­tags um 5 Uhr für al­le Bus­se im Stadt­ge­biet. Das Pro­jekt war auch ent­stan­den, weil ein zen­tra­les Park­haus sa­niert wer­den soll und so Park­plät­ze weg­fal­len.

Der Au­to­fah­rer­club ADAC be­ton­te, leich­ter um­setz­bar als kos­ten­lo­ser ÖPNV wä­ren ein­fa­che, güns­ti­ge Ta­ri­fe und zu­ver­läs­si­ge Tak­te, um Pend­lern ei­ne in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve zum Au­to zu bie­ten. „Hier muss der Bund mit­in­ves­tie­ren, das hilft auch den Städ­ten bei der Luf­t­rein­hal­tung“, sag­te Vi­ze­prä­si­dent Ul­rich Klaus Be­cker.

Der Ge­schäfts­füh­rer des RheinMain-ver­kehrs­ver­bun­des (RMV), Knut Rin­gat, sag­te der dpa, öf­fent­li­cher Nah­ver­kehr kön­ne nie wirk­lich kos­ten­los sein. Viel­mehr ge­he es dar­um, ob et­wa die Steu­er­zah­ler Er­lö­se aus dem Fahr­schein­ver­kauf über­näh­men.

FO­TO: DPA

Mehr Fahr­gäs­te durch kos­ten­lo­se Ti­ckets? Bahn in Stutt­gart.

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