„Wir wol­len die Luft­ho­heit über die Stamm­ti­sche zu­rück“

Bier, Bre­zen, Blas­mu­sik: Wie die CSU den künf­ti­gen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Mar­kus Sö­der in Pas­sau als neu­en Hoff­nungs­trä­ger fei­ert

Eichsfelder Tageblatt - - POLITIK - Von Ras­mus Buch­stei­ner

Pas­sau. Mar­kus Sö­der nimmt ei­nen tie­fen Schluck, stemmt dann den Bier­krug in die Hö­he. Und wird aus­gie­big ge­fei­ert. Die Drei­län­der­hal­le von Pas­sau wird am Ascher­mitt­woch tra­di­tio­nell zum größ­ten Stamm­tisch der Welt“– mit Bier, Bre­zen, Blas­mu­sik und ver­ba­ler Kraft­meie­rei. So auch ges­tern, wäh­rend sich der kom­mis­sa­ri­sche SPD-CHEF Olaf Scholz im Bier­zelt im na­hen Vils­hofen ab­müht. Kein Ver­gleich zum ver­gan­ge­nen Jahr, als Mar­tin Schulz dort wie ein so­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Heils­brin­ger ge­fei­ert wur­de.

Für den Fran­ken Sö­der ist Nie­der­bay­ern zwar kein Heim­spiel, aber er kennt das Ter­rain gut. Als jun­ger Mann lausch­te er hier sei­nem gro­ßen Vor­bild Franz Jo­sef Strauß. Spä­ter sprach er als Ge­ne­ral­se­kre­tär in der Bier­dunst ge­schwän­ger­ten Hal­le. Doch dies­mal tritt er in neu­er Rol­le auf: Als de­si­gnier­ter Mi­nis­ter­prä­si­dent, kurz vor dem gro­ßen Ziel.

Das Bier fließt in Strö­men, die Ti­sche sind weiß-blau ge­deckt. Dass CSU-CHEF Horst See­ho­fer we­gen Grip­pe ab­ge­sagt hat­te und ihm die gro­ße Büh­ne über­lässt, stört den 51Jäh­ri­gen nicht im Ge­rings­ten. Sö­der ver­län­gert ein­fach sei­ne Re­de. Dass man See­ho­fer in Pas­sau nicht groß­ar­tig ver­misst, wird schnell deut­lich.

3000 Csu-an­hän­ger hän­gen an Sö­ders Lip­pen. Am Red­ner­pult mit Wirts­haus-ku­lis­se im Hin­ter­grund setzt der CSU-MANN auf ei­ne Mi­schung aus Kra­wall und kla­rer Kan­te. Die Po­li­ti­cal Cor­rect­ness müs­se mal für ei­nen Mo­ment Pau­se ma­chen, ruft er. Der Uni­on rät er nach der Groko-ei­ni­gung, tief durch­zu­at­men: „Wir sind für die bür­ger­li­che Mit­te da. Aber wir wol­len auch die de­mo­kra­ti­sche Rech­te wie­der bei uns ver­ei­nen.”

Es ist das al­te Strauß-cre­do, rechts von der Uni­on dür­fe es kei­ne de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­te Kraft ge­ben, an das er da er­in­nert. Das be­deu­te nicht Rechts­ruck, son­dern „Rück­kehr zur al­ten Glaub­wür­dig­keit“. Die AFD sei „kei­ne Er­sat­zu­ni­on“. Das deut­lich zu ma­chen, wird zu Sö­ders gro­ßer Her­aus­for­de­rung. 12 Pro­zent wol­len – Stand jetzt – im Herbst in Bay­ern AFD wäh­len. Die Ver­tei­di­gung der ab­so­lu­ten Mehr­heit dürf­te schwer wer­den. Sö­der strei­chelt die See­le der CSU mit ei­ner stramm kon­ser­va­ti­ven Re­de – von A wie Asyl über B wie Bur­ka und H wie Hei­mat, die mehr sei als Ge­fühls­du­se­lei, bis Z wie Zins­po­li­tik.

Der Er­halt der christ­lich-abend­län­di­schen Kul­tur als Ver­fas­sungs­ziel, Kreu­ze in al­len öf­fent­li­chen Ge­bäu­den Bay­erns, schnel­le Ab­schie­bun­gen und ei­ne ei­ge­ne baye­ri­sche Grenz­po­li­zei – das kommt an in Pas­sau. „Wir wol­len die Luft­ho­heit über die Stamm­ti­sche wie­der­ge­win­nen”, sagt Sö­der. Wo­mit er al­ler­dings ei­nen 20 Jah­re al­ten Ascher­mitt­wochs-spruch von Ed­mund Stoi­ber re­cy­celt.

Das al­les gar­niert der Mi­nis­ter­prä­si­dent in spe mit Spott über die Ber­li­ner Groko-ver­hand­lun­gen. „Die­se Ko­ali­ti­on muss be­wei­sen, dass sie mehr ist als ein Not­stands­pakt“, möch­te er erst ein­mal ab­war­ten. In Bay­ern will Sö­der die Amts­zeit des Re­gie­rungs­chefs auf zehn Jah­re be­gren­zen. Das kön­ne auch ein Vor­bild für Berlin sein, meint er süf­fi­sant. Ein Sei­ten­hieb Rich­tung Kanz­le­rin, der mit viel Ap­plaus quit­tiert wird.

We­ni­ger Zu­spruch be­kommt Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er, der qua­si als See­ho­fer-er­satz die christ­so­zia­le Hand­schrift im Ko­ali­ti­ons­ver­trag her­aus­ar­bei­tet. Sei­ne Bot­schaft: Die CSU kann sich als Sie­ge­rin der Groko-ver­hand­lun­gen füh­len. Es bleibt aber Sö­ders gro­ßer Tag. „Mit 1000 Pro­zent” wol­le er in der Kam­pa­gne zur Land­tags­wahl kämp­fen: „Ich bin der Mar­kus”, schließt er sei­ne Re­de. „I bin daho­am. Und das will ich auch blei­ben.”

FO­TO: DPA

„Ich bin der Mar­kus. I bin daho­am. Und das will ich auch blei­ben“: Mar­kus Sö­der ges­tern in Pas­sau.

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