Bar­zah­lung hat auch Vor­tei­le

Eichsfelder Tageblatt - - WIRTSCHAFT - Von Al­brecht Scheu­er­mann

Smart­pho­ne oder Geld­bör­se? Die Ant­wort der Deut­schen auf die­se Fra­ge bleibt ein kla­res „so­wohl als auch“. Kaum noch je­mand will auf den Klein­com­pu­ter mit In­ter­net­zu­gang und Te­le­fon­funk­ti­on in der Ho­sen­ta­sche ver­zich­ten. Doch beim Be­zah­len ma­chen es die meis­ten Men­schen wei­ter­hin wie ih­re Ur­groß­el­tern, sie be­vor­zu­gen Geld­schei­ne und Mün­ze. Be­liebt ist da­ne­ben auch die mitt­ler­wei­le jahr­zehn­te­al­te Ec-kar­te, selbst wenn sie heu­te ganz an­ders heißt. Doch per Fin­ger­druck mit dem Han­dy zu be­zah­len kommt für gro­ße Mehr­heit nicht in­fra­ge.

Dies wird sich än­dern, aber nur lang­sam. Rein tech­nisch und öko­no­misch be­trach­tet, spricht vie­les für die mo­der­ne Zah­lungs­va­ri­an­ten. Doch die Men­schen ti­cken nun mal an­ders – und das aus gu­tem Grund. Schließ­lich spre­chen wei­ter­hin star­ke Ar­gu­men­te für das gu­te al­te Bar­geld. So teu­er und um­ständ­lich die Hand­ha­bung für Händ­ler und Ban­ken auch sein mag – die meis­ten Men­schen wol­len es nicht mis­sen, weil es ih­nen ein Ge­fühl der Si­cher­heit und Un­ab­hän­gig­keit ver­schafft. Bank­no­ten und Mün­zen ver­kör­pern auch emo­tio­na­le Wer­te. Das heißt nicht, dass sie nicht auch hand­fes­te Vor­tei­le ha­ben kön­nen. Geld zum An­fas­sen lässt sich je­der­zeit und über­all an­onym zum Ein­kau­fen, Be­zah­len oder Ver­schen­ken ein­set­zen. Elek­tro­ni­sche Ver­fah­ren sind da­ge­gen von tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen ab­hän­gig, ma­ni­pu­lier­bar und kon­trol­lier­bar.

Da­mit ha­ben an­de­re Völ­ker we­ni­ger Pro­ble­me als die Deut­schen – und ge­ra­de in Asi­en, aber auch in den nord­eu­ro­päi­schen Län­dern ist die Ab­kehr vom Bar­geld des­halb viel wei­ter fort­ge­schrit­ten. Es ist ein Vor­sprung, auf den wir nicht nei­disch sein müs­sen.

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