Le­ben und le­ben las­sen

Ger­hard Glo­gow­ski, ehe­ma­li­ger In­nen­mi­nis­ter und Mi­nis­ter­prä­si­dent, ist 75 ge­wor­den

Eichsfelder Tageblatt - - NIEDERSACHSEN - Von Micha­el B. Ber­ger

Han­no­ver. Er wird in Braunschweig ge­fei­ert, im al­ten Ra­haus „Dorn­se“, in dem er schon sei­ne Hoch­zeit ge­fei­ert hat­te. Die­se Fei­er hat ihm we­gen des ge­spon­ser­ten Kaf­fees zum Schluss sei­ner Kar­rie­re, als er ge­ra­de ein­mal ein Jahr nie­der­säch­si­scher Mi­nis­ter­prä­si­dent war, reich­lich Är­ger ge­macht. En­de No­vem­ber 1999 trat er zu­rück. Aber heu­te fei­ert die Stadt Braunschweig in der „Dorn­se“Ger­hard Glo­gow­ski, ih­ren Eh­ren­bür­ger, weil er am Sonn­tag 75 Jah­re alt ge­wor­den ist. „Es ist schön, in ei­ner Stadt zu le­ben, in der man ge­mocht wird“, sagt der Ju­bi­lar, der ei­gent­lich aus Han­no­ver-lin­den stammt, aber sich in Braunschweig stets we­sent­lich woh­ler fühl­te.

Von 1990 bis 1998 war Glo­gow­ski nie­der­säch­si­scher In­nen­mi­nis­ter. Hier gab er den Spd-rech­ten und „har­ten Hund“, der aber ei­gent­lich ei­ne emp­find­sa­me See­le hat­te. Zu sei­nen Er­fol­gen kann die Ein­füh­rung der Di­rekt­wahl für das Ober­bür­ger­meis­ter­amt ge­rech­net wer­den und die Ab­schaf­fung der so­ge­nann­ten Zwei­glei­sig­keit in den Rat­häu­sern, in de­nen einst ein eh­ren­amt­li­cher Ober­bür­ger­meis­ter ne­ben dem Ober­stadt­di­rek­tor als Ver­wal­tungs­chef agier­te. Als eh­ren­amt­li­cher Ober­bür­ger­meis­ter Braun­schweigs wur­de Glo­gow­ski lan­des­weit be­kannt – nicht nur, weil er den „Scho­du­vel“, den Stra­ßen­kar­ne­val, zum Mas­se­ner­eig­nis mach­te.

Die Po­li­tik hat­te der So­zi­al­de­mo­krat, der als Werk­zeug­ma­cher be­gann und spä­ter Di­plom-volks­wirt wur­de, schon in den Kin­der­ta­gen am Kü­chen­tisch er­lebt. Sein Va­ter fuhr als Chauf­feur die Spd-grö­ßen Her­bert Weh­ner und Erich Ol­len­hau­er durch die Ge­gend. Aus der Fer­ne hat der jun­ge Glo­gow­ski auch mit­be­kom­men, wie das Trio Wil­ly Brandt, Her­bert Weh­ner und Hel­mut Schmidt zu­sam­men­hielt, ob­wohl hier höchst un­ter­schied­li­che Cha­rak­te­re auf­ein­an­der­prall­ten. Da­von kön­ne sich das heu­ti­ge po­li­ti­sche Per­so­nal ei­ne Schei­be ab­schnei­den, meint Glo­gow­ski.

Sein po­li­ti­scher Zieh­sohn wur­de Sig­mar Ga­b­ri­el, der aber auch nicht zö­ger­te, Glo­gow­ski 1999 im Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­amt in Nie­der­sach­sen ab­zu­lö­sen, als die­ser nach ei­ner Af­fä­re um ge­spon­ser­te Hoch­zeits­rei­sen strau­chel­te. Ga­b­ri­el hält „Glo­go“den­noch auch heu­te noch hoch. Ei­gent­lich gä­be es zu ihm als Au­ßen­mi­nis­ter kei­ne Al­ter­na­ti­ve – wenn er denn nicht so vie­le Leu­te vor den Kopf ge­sto­ßen hät­te. Da agier­te Glo­gow­ski an­ders – auch ein Grund, war­um er sich in sei­ner Wahl­hei­mat noch gro­ßer Be­liebt­heit er­freut und trotz kon­tro­ver­ser Dis­kus­sio­nen 2008 in Braunschweig zum Eh­ren­bür­ger er­nannt wur­de. Die fei­er­li­che Er­nen­nung fand vor zehn Jah­ren statt – na­tür­lich auch in der „Dorn­se“.

FO­TO: IMAGO

„Ei­ne Stadt, in der man ge­mocht wird“: Wahl-braun­schwei­ger Ger­hard Glo­gow­ski.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.