Das Ge­fühl zählt

Der ein­zig­ar­ti­ge Stil der Il­se Cra­w­ford

Elle Decoration (Germany) - - INHALT - IN­TER­VIEW: ELKE KRÜSMANN

Ein Fa­b­rik­ge­bäu­de, nicht weit ent­fernt von der To­wer Bridge. Im ers­ten Stock öff­net die De­si­gne­rin Il­se Cra­w­ford die Tür zu ih­rem Stu­dioil­se, ein Loft mit Die­len aus hel­lem Holz und Ti­schen aus un­be­han­del­ter Ei­che. Hier ar­bei­tet sie mit ih­rem Ehe­mann Os­car Pe­na und ei­nem Team jun­ger, über­wie­gend weib­li­cher Gestal­tungs­pro­fis an Ent­wür­fen für Pro­duk­te und In­te­ri­ors – vom „So­ho Hou­se“in New York bis zum Bou­ti­que­ho­tel „Ett Hem“in Stock­holm. Il­se Cra­w­ford war Grün­dungs­Chef­re­dak­teu­rin der bri­ti­schen ELLE DECORATION und un­ter­rich­tet an der De­sign Aca­de­my Eind­ho­ven. Ih­re Hand­schrift, schrieb die „New York Ti­mes“mal, sei aber kein Stil, son­dern ein Ge­fühl. Stimmt: Der lich­te Raum mit dem Tep­pich in Rot­tö­nen und dem an­thra­zit­far­be­nen Oh­ren­ses­sel ver­brei­tet genau die Art von Ge­müt­lich­keit, die Her­zen wärmt und glück­lich macht. Auf dem Tisch im Kon­fe­renz­raum schim­mern die neu­es­ten Ob­jek­te der „Il­se Collec­tion“, die sie für Dä­ne­marks Tra­di­ti­ons­mar­ke Ge­org Jen­sen (ge­org­jen­sen.com) ge­schaf­fen

hat: glän­zen­de Scha­len und Kan­nen aus Edel­stahl. Wohl­pro­por­tio­nier­te Pro­duk­te, die dem All­tag ih­rer Be­sit­zer gleich ein Lu­xus-Up­grade ge­ben.

ELLE DECORATION: Die di­gi­ta­le Re­vo­lu­ti­on hat un­ser Le­ben be­schleu­nigt und kom­ple­xer ge­macht. Was be­deu­tet das für Ih­re Ar­beit?

IL­SE CRA­W­FORD: Mei­ne Ar­beit ist es, in­tel­li­gen­te Lö­sun­gen zu fin­den, die den Men­schen hel­fen, den Druck, un­ter dem sie ste­hen, aus­zu­ba­lan­cie­ren, Tem­po raus­zu­neh­men. Ein Pro­dukt ist dann ge­lun­gen, wenn es das Le­ben leich­ter und bes­ser macht.

ED: Die „Il­se“-Kan­ne, die Sie für Ge­org Jen­sen ge­stal­tet ha­ben, ist die Neu­in­ter­pre­ta­ti­on ei­nes sehr viel­sei­ti­gen Klas­si­kers: Schon un­se­re Ur­groß­müt­ter nutz­ten sol­che Ge­fä­ße bei ih­rer Mor­gen­toi­let­te.

I. C.: Ja! Heu­te hat die Kan­ne aber eher ei­ne kom­mu­ni­ka­ti­ve Funk­ti­on: Sie bringt Men­schen zu­sam­men. Freun­de sit­zen an ei­nem Tisch bei­ein­an­der und schen­ken sich ge­gen­sei­tig dar­aus ein.

ED: Ein ty­pi­sches Kenn­zei­chen Ih­res Stils ist die Kom­bi­na­ti­on kon­tras­tie­ren­der Ma­te­ria­li­en: Rau­es trifft auf Glat­tes, Fei­nes auf Gro­bes. In den Ho­tels, die Sie ein­ge­rich­tet ha­ben, will man die Ober­flä­chen so­fort an­fas­sen …

I. C.: Ich ha­be in mei­nem Be­rufs­le­ben vie­le Woh­nun­gen ge­se­hen und be­ob­ach­tet, wie die Um­ge­bung Men­schen be­ein­flusst. Manch­mal be­tritt man ein Ba­de­zim­mer, das so behaglich wirkt, dass man am liebs­ten dort ein­zie­hen wür­de. Dann wie­der durch­quert man ei­nen Flug­ha­fen-Ter­mi­nal – und un­will­kür­lich ver­span­nen sich al­le Mus­keln. Woran liegt das? Sol­che Fra­gen be­schäf­ti­gen mich. Wenn ich in Räu­men ei­ne Wohl­fühl-Äs­t­he­tik schaf­fen will, spielt die Gestal­tung der Ober­flä­chen ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Wir ver­brin­gen ja heu­te so viel Zeit am Com­pu­ter. Und je vir­tu­el­ler un­ser Le­ben wird, des­to mehr seh­nen wir uns nach dem Hap­ti­schen, dem Phy­si­schen.

Oben: Lounge und Bi­b­lio­thek des Stock­hol­mer Ho­tels „Ett Hem“. Rechts: Die bri­ti­sche De­si­gne­rin Il­se Cra­w­ford

Links: Tisch­schmuck aus der „Il­se Collec­tion“von Ge­org Jen­sen. Scha­le aus Edel­stahl ab 80 €, Kan­ne um 170 €. Oben: Zau­ber­haft – Ho­tel „Kranz­bach“bei Gar­misch

Links: Sty­lish und kom­for­ta­bel: ei­nes der zwölf Zim­mer im Ho­tel „Ett Hem“. Un­ten: Form­voll­endet – die sil­ber­far­be­ne „Il­se“Scha­le aus glän­zen­dem Edel­stahl für Ge­org Jen­sen

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