Coun­try-Star

Ein eng­li­scher Land­sitz von 1906 prä­sen­tiert sich in mo­der­nem Glanz

Elle Decoration (Germany) - - INHALT - Fo­tos: HELENIO BARBETTA

Die hek­ti­sche Me­tro­po­le Lon­don ist nicht fern, aber sie scheint zu ei­nem an­de­ren Pla­ne­ten zu ge­hö­ren. Hier im satt­grü­nen Sur­rey ist das Le­ben ein an­de­res – länd­lich, ru­hig, ent­spannt. Ei­ne Land­schaft wie ge­schaf­fen für Men­schen, die das ro­man­ti­sche al­te En­g­land su­chen. Erst recht, wenn man in ei­nem Park mit al­ten Bäu­men vor ei­nem 1906 er­bau­ten Land­sitz steht. Stolz trägt das Haus sei­ne vik­to­ria­ni­sche Fas­sa­de mit im­po­san­ten Gie­beln und den mäch­ti­gen Schorn­stei­nen der Ka­mi­ne. Ein we­nig ver­wun­schen und ge­heim­nis­voll gibt es sich durch üp­pig wu­chern­de Blau­re­gen und an­de­re Zier­pflan­zen, die über die Bel­eta­ge weit hin­auf bis in den ers­ten Stock ran­ken. Ge­heim­nis­se zu ent­de­cken gab es in der Tat für die ita­lie­ni­schen Ar­chi­tek­ten des Mai­län­der Stu­dio DC10. Sie hat­ten den Auf­trag, ei­ne 280 Qua­drat­me­ter gro­ße Woh­nung in dem seit Län­ge­rem schon in meh­re­re groß­zü­gi­ge Ein­hei­ten auf­ge­teil­ten An­we­sen neu zu ge­stal­ten. Ein Zu­hau­se mit al­lem Kom­fort des 21. Jahr­hun­derts, das aber den Cha­rak­ter und Charme des ge­ra­de be­gin­nen­den 20. Jahr­hun­derts ha­ben soll­te, das wünsch­te sich der neue Ei­gen­tü­mer. Das Al­te be­wah­ren und be­hut­sam mo­der­ni­sie­ren? Klingt erst mal reiz­voll für am­bi­tio­nier­te Gestal­ter, ge­rät aber schnell zu ei­ner Si­sy­phus­ar­beit, wenn ein Haus be­reits eher rück­sichts­los und we­nig sach­ge­mäß um­ge­stal­tet wur­de. „Die Räu­me wa­ren über die Eta­gen ver­teilt, und je­der muss­te zu­erst sei­ne ei­ge­ne Iden­ti­tät be­kom­men, um dann die Woh­nung zu ei­ner or­ga­ni­schen Ein­heit ge­stal­ten zu kön­nen“, be­rich­tet die fe­der­füh­ren­de Ar­chi­tek­tin Ales­sia Ga­ri­bal­di. „Und dann war es na­tür­lich not­wen­dig, sämt­li­che Schich­ten frü­he­rer Re­no­vie­run­gen ab­zu­tra­gen.“Wie im Sa­lon mit

Un­ter Tep­pich­schich­ten la­gen Mo­sai­ken und Die­len im Dorn­rös­chen­schlaf

sei­nem schö­nen Er­ker­vor­bau. Des­sen Wand­tä­fe­lung aus wert­vol­lem Ma­ha­go­ni­holz hat­te al­le Mo­der­ni­sie­run­gen weit­ge­hend schad­los über­dau­ert, und un­ter La­gen von Tep­pich­bo­den ka­men ed­le Die­len zum Vor­schein. An­de­re Räu­me ga­ben nach und nach kunst­vol­le Bö­den aus St­ein­mo­sa­ik oder Stuck, der hin­ter Ver­blen­dun­gen ver­bor­gen war, preis. Vie­les da­von be­schä­digt und nicht mehr kom­plett, aber al­le­mal wert, es zu er­hal­ten. Von DC10 hin­zu­ge­zo­ge­ne Spe­zia­lis­ten aus Ita­li­en er­gänz­ten die zer­stör­ten Mo­sai­ken und lü­cken­haf­ten Holz­bö­den mit pas­sen­den al­ten Ma­te­ria­li­en. Al­te Stuck­de­cken wur­den meis­ter­lich re­stau­riert, höl­zer­ne Ein­bau­ten aus den Ur­sprungs­jah­ren lie­be­voll auf­ge­ar­bei­tet. Ab­schlie­ßend mix­ten die Ar­chi­tek­ten beim Ein­rich­ten ei­ge­ne Ent­wür­fe, mo­der­ne Klas­si­ker und Vin­ta­geMö­bel. Schein­bar ganz läs­sig – in Wahr­heit aber ein sehr prä­zi­ser Schluss­strich un­ter das Pro­jekt, bei dem An­we­sen in Sur­rey den wun­der­ba­ren Charme der Ver­gan­gen­heit zu be­wah­ren. Und es den­noch be­hut­sam im Heu­te an­kom­men zu las­sen.

Mo­der­ne Klas­si­ker fü­gen sich har­mo­nisch in das his­to­ri­sche Am­bi­en­te ein

Oben: Ed­les De­tail im Schlaf­zim­mer: die hand­be­mal­te gol­de­ne Ta­pe­te mit Kra­nich­mo­ti­ven von Mi­sha. Rechts: Grau­er Lack und ein Bo­den in Ze­men­tOp­tik ge­ben der Kü­che ei­nen neu­en Look

Oben: Auf dem grü­nen Mo­sa­ik­bo­den ste­hen am maß­ge­fer­tig­ten Mar­mor­tisch Gio Pon­tis „Su­per­leg­ge­ra“Stüh­le von Cas­si­na. Rechts: Die schlich­ten Die­len im Bad wur­den schwarz la­ckiert. Schwar­ze De­tails wa­ren in eng­li­schen Häu­sern der Zeit oh­ne­hin üb­lich

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