Wöl­fe tö­te­ten mehr als 3500 Nutz­tie­re

Rück­kehr der Raub­tie­re nach Deutsch­land sorgt für Kon­flik­te – 669 Ris­se in Nie­der­sach­sen

Ems-Zeitung - - VORDERSEITE - Von Dirk Fis­ser

Der Wolf ist wie­der da und mit ihm al­te Pro­ble­me: Im­mer wie­der tö­ten die Raub­tie­re auf ih­ren Beu­te­zü­gen auch Nutz­tie­re wie Scha­fe. Bau­ern se­hen die Wei­de­tier­hal­tung be­droht.

OS­NA­BRÜCK. Seit der Rück­kehr des Wol­fes nach Deutsch­land im Jahr 2000 hat das Raub­tier mehr als 3500 Nutz­tie­re ge­tö­tet. Das er­gab ei­ne Um­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on un­ter den Bun­des­län­dern. Die größ­ten Ver­lus­te ver­zeich­ne­ten dem­nach Bran­den­burg mit über 1100 und Sach­sen mit 895 si­cher oder wahr­schein­lich durch Wöl­fe ge­tö­te­te Nutz­tie­re. Auf Platz drei folgt Nie­der­sach­sen mit fast 670 ge­mel­de­ten Ris­sen.

Die Wöl­fe in Deutsch­land sind Ein­wan­de­rer oder stam­men von sol­chen ab. Im Jahr 2000 ka­men zum ers­ten Mal seit 100 Jah­ren wie­der Wolfs­wel­pen in Deutsch­land zur Welt. Die El­tern­tie­re stamm­ten aus Po­len und hat­ten sich am öst­li­chen Rand Sach­sens nie­der­ge­las­sen. Es war der An­fang ei­ner zu­nächst lang­sa­men, aber mitt­ler­wei­le deut­lich be­schleu­nig­ten Rück­er­obe­rung von Le­bens­raum. Nach den jüngs­ten ver­füg­ba­ren Zah­len gibt es in Deutsch­land min­des­tens 47 Wolfs­ru­del, 33 Wolfs­paa­re und vier Ein­zel­tie­re, die durchs Land strei­fen. 175 Wel­pen zähl­te die Do­ku­men­ta­ti­ons­und Be­ra­tungs­stel­le des Bun­des zum The­ma Wolf für die „Sai­son“2015/16. Fünf Jah­re zu­vor wa­ren es le­dig­lich 35.

Je wei­ter die Wöl­fe ins Lan­des­in­ne­re vor­dran­gen und je nä­her sie da­bei den Men­schen ka­men, des­to grö­ßer wur­den die Kon­flik­te. Nach ei­ner Um­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on ha­ben die Bun­des­län­der seit der Wolfs­rück­kehr 3523 Ris­se von Nutz­tie­ren ge­zählt, die sehr oder ganz si­cher vom Raub­tier ge­tö­tet wor­den sind. In der Mehr­zahl han­del­te es sich da­bei um Scha­fe. Aber auch Zie­gen, Dam­wild, Rin­der oder Pfer­de-Foh­len fie­len Wöl­fen nach An­ga­ben der Län­der zum Op­fer. Vor al­lem im Os­ten schlu­gen die Raub­tie­re zu: Bran­den­burg führt die Sta­tis­tik mit 1106 to­ten Tie­ren vor Sach­sen an. Auf dem drit­ten Platz folgt be­reits Nie­der­sach­sen mit 669 Ris­sen durch Wöl­fe, seit­dem 2008 die ers­ten Wöl­fe in dem Flä­chen­land nach­ge­wie­sen wur­den. Wei­te­re Ris­se wer­den der­zeit un­ter­sucht.

Die an­fäng­li­che Freu­de über die Rück­kehr des Raub­tie­res ist Streit ge­wi­chen. Der Wolf ist ein Po­li­ti­kum. Schä­fer ban­gen um ih­re Exis­tenz. Die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung woll­te mit Fort­bil­dun­gen und sub­ven­tio­nier­ten Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men wie Schutz­zäu­nen ge­gen­steu­ern. Der Er­folg hält sich aber in Gren­zen. Die Zahl der Ris­se steigt Jahr für Jahr an. Der Bau­ern­ver­band for­dert Kon­se­quen­zen – et­wa die Aus­wei­sung von wolfs­frei­en Re­gio­nen in Deutsch­land. Der Wolf – ein Po­li­ti­kum: Mehr auf noz.de/wolf

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